„Die Karten werden neu gemischt“

Tritt im Herbst nicht mehr an: OB Dagmar Mühlenfeld in ihrem Arbeitszimmer im Rathaus.
Tritt im Herbst nicht mehr an: OB Dagmar Mühlenfeld in ihrem Arbeitszimmer im Rathaus.
Foto: STEPHAN GLAGLA PHOTOGRAPHIE / WA
Was wir bereits wissen
Was bedeutet der Rückzug von Dagmar Mühlenfeld für das Vierer-Bündnis, an dem hinter den Kulissen gearbeitet wird? Die Amtsinhaberin war bislang der kleinste gemeinsame Nenner einer denkbaren Allianz

Mülheim.. Mit dem Verzicht auf eine Kandidatur für eine dritte Wahlzeit durch Oberbürgermeisterin Dagmar Mühlenfeld haben auch die Strategen in den anderen Parteien nicht gerechnet. Mühlenfeld wird daran ihre Freude haben. Hinter den Kulissen schmieden sie schon seit Wochen an einem möglichen Vierer-Bündnis. Da war die CDU-Personalie Werner Oesterwind noch gar nicht publik.

Dass ein Bündnis so unterschiedlicher Partner wie CDU, Grüne, FDP und MBI gelingen könnte, scheint unwahrscheinlich, es könnte nur durch den kleinsten gemeinsamen Nenner zusammen gehalten werden und der wurde personifiziert durch Oberbürgermeisterin Dagmar Mühlenfeld. Von Machtfülle, fehlender Transparenz und Betonmentalität sprachen die Kritiker. Aber Grüne und MBI standen sich nie ferner als heute und Grüne und FDP verbindet ansonsten eher die gegenseitige Ablehnung.

Grünen - Einleitung der Energiewende auf kommunaler Ebene

Ein erstes Gespräch mit dem CDU-Kandidaten Werner Oesterwind weckte bei den Grünen zunächst keine Euphorie, entschieden ist aber noch nichts, selbst nicht, ob die Grünen einen eigenen Kandidaten ins Rennen schicken - obwohl das unwahrscheinlich ist. Die einen sehen in ihm einen steifen Bürokraten, der sich locker gibt, die anderen sind weiterhin neugierig, was programmatisch mit dem 57-jährigen CDU-Mann zu machen ist. „Es geht um einen neuen Politikstil. Der Rat muss das Primat der Politik zurück erhalten“, sagt Grünen-Sprecher Peter Loef.

Programmatisch hat für die Grünen die Einleitung der Energiewende auf kommunaler Ebene höchste Priorität, auch soziale Themen sind den Grünen wichtig, für die FDP ist es die solide Haushaltsführung, ohne die mit den Liberalen nichts zu machen ist, wie Parteichef Christian Mangen klar macht. Er zeigt sich offen für Gespräche auch mit Ulrich Scholten, mit dem er gut kann. Die Marschrichtung für die FDP werde in der kommenden Woche der Kreisvorstand festzurren.

Scholten gilt als unbeschriebenes Blatt

Ebenso offen ist Franziska Krumwiede von den Grünen. Sie zollt Mühlenfeld Respekt, dass sie sich zu dieser Entscheidung durchringen konnte, während es in der Politik weit verbreitet sei, dass Männer an ihren Posten kleben. Als Signal für die Gleichberechtigung sei es allerdings ein Rückschritt, denn nun sei es höchst wahrscheinlich, dass der nächste OB ein Mann sei. „Aber die Karten werden jetzt neu gemischt.“ Scholten, der tags zuvor vom Vorstand nominiert wurde, ist noch ein weitgehend unbeschriebenes Blatt. Wo wird er Mühlenfeld folgen, wo eigene, andere Akzente setzen? Sie geht davon aus, dass Mühlenfeld, hätte sie erneut kandidiert, problemlos bestätigt worden wäre. „Mit Ulrich Scholten wird es spannend“, sagt Krumwiede. „Er muss jetzt Farbe bekennen.“

"Ich werde kämpfen und will gewinnen"

Einfacher, davon ist Oesterwind überzeugt, wird es gegen Scholten nicht, auch wenn der Amtsbonus nicht mehr zieht. „Ich werde kämpfen und will gewinnen“, sagt er. Mehr als bei einer normalen Kommunalwahl steht im September die Persönlichkeit im Mittelpunkt und er ist davon überzeugt, dass er nicht nur mit dem Programm, sondern auch mit seiner Person punkten kann. Wichtig sei jetzt für ihn, dass er seine Parteifreunde motivieren kann, sich für ihn im Wahlkampf so stark zu engagieren wie bei einer normalen Kommunalwahl, bei der jeder für seinen Wahlkreis kämpft. Wie viele rechnet er mit einer geringen Wahlbeteiligung. Das macht den Ausgang unberechenbar.