Die Kandidatensuche beginnt

Wer kandidieren will, hat noch gut zwei Monate Zeit, sich aufstellen zu lassen. Bis zum 27. April können sich interessierte Jugendliche zwischen 14 und 21 Jahren für die Wahl zum Jugendstadtrat melden (siehe Kasten). Doch wie viele werden es am Ende sein? Die Erfahrungen vom letzten Mal stimmen wenig euphorisch: 2013 war der Kandidaten-Andrang so gering, dass schließlich die Zahl der Mitglieder des Gremiums von 28 auf 18 gesenkt wurde. Und auch die Wahlbeteiligung damals spricht nicht gerade für ein großes Interesse: Von den 12 894 wahlberechtigten jungen Mülheimern hatten gerade einmal 1011 ihre Stimme abgegeben. Natürlich ist es das Ziel, dieses Jahr diese Beteiligungsquote von rund acht Prozent zu übertreffen. Aber wird dies gelingen?

Olga Teplytska, die 18-jährige Vorsitzende des Jugendstadtrates, ist durchaus optimistisch. Demnächst sollen Informationsveranstaltungen an den Schulen stattfinden. Und sie ist überzeugt, auf gute Leistungen verweisen zu können. Wobei der eigentliche Höhepunkt noch aussteht, zwischen dem 17. und 22. März treffen sich auf Initiative des Gremiums Jugendliche aus den Partnerstädten zum Thema „Jugendarbeitslosigkeit in Europa“. Sicherlich eine interessante Veranstaltung und für die Mitglieder des Gremiums lehrreich, auch weil sie an der Vorbereitung beteiligt waren. Aber bekommen die Mülheimer Jugendlichen von so einem Groß-Ereignis überhaupt etwas mit und hat es etwas mit den Problemen zu tun, die sie vor Ort umtreiben?

Gearbeitet haben die Jugendlichen ohne Zweifel: So wurden etwa Konzerte organisiert und in vier Projektgruppen haben sie sich Spezialfragen gewidmet. Aber der Rat steht seit seiner Gründung 2006 immer wieder in der Kritik: Er sei schon von seiner Konstitution her, die einem Ratsausschuss gleicht, kein geeignetes Forum, um dort jugendpolitische Fragen zu besprechen, hieß es etwa. Was damit gemeint ist, kann man als Beobachter einer Sitzung schnell verstehen: Schon die Ausschusssitzungen der erwachsenen Politiker erstarren oft in ihrem Formalismus. Umständliche Formulierungen, oft der Verwaltungssprache entlehnt, sorgen dafür, dass auf Beobachter das Verhalten allzu gestelzt wirken muss. Wer aber nun erwartet, im Jugendstadtrat herrsche ein frischere Atmosphäre, wird schnell enttäuscht. Auch in diese Sitzungen ist längst der Geist der Routine und damit oft auch der Langeweile eingezogen.

Olga Teplytska freilich sieht darin eher angemessene Professionalität. Aber geht nicht auch mal der revolutionäre Furor mit ihnen durch? Die 18-Jährige erinnert sich an ein Beispiel. Damals sei eine neue Bushaltestelle vor einer Jugendeinrichtung gefordert worden. „An unseren Vorbesprechungen nehmen auch Vertreter der Verwaltung teil. Die haben gleich gesagt, dass dafür kein Geld da sei.“ So war es denn auch.

Aus Sicht von Teplytska ist die Arbeit für die Jugendlichen, die sich dort engagieren, in jedem Fall lehrreich: „Wir lernen, was der Unterschied zwischen einem Antrag und einer Anfrage ist.“ Ob das die Jugendlichen in der Stadt interessiert?Die Parteien vor Ort haben jedenfalls in der Vergangenheit auch immer Nachwuchs aus dem Gremium gezogen. Am erfolgreichsten waren bisher die Jusos. Aber auch die FDP konnte schon profitieren: Mit Roman Müller-Böhm ist ein ehemaliges Mitglied nun sachkundiger Bürger der Liberalen im Sozialausschuss. Das zeigt: Wirkung hat der Jugendstadtrat . Ob die aber die Wahlbeteiligung steigen lassen wird, bleibt zweifelhaft.