Die Handwerker des Frohsinns

Als Wagenbauer muss man unverfroren sein. Wer die Wagenbauhalle der Karnevalisten an der Hafenstraße betritt, fröstelt in diesen Wintertagen. „Weil hier keine Sonne reinkommt, ist es immer noch ein paar Grad kälter als draußen. Deshalb arbeiten wir schneller, damit uns warm wird“, sagt Wagenbauleiter Jörg Schwebig mit einem Augenzwinkern.

Wenn alle Wagenbauer der 13 Gesellschaften und des Hauptausschusses in der Halle werkeln, tummeln sich dort 20 bis 25 Männer. Doch an diesem Vormittag sind nur vier zugegen. „Das ist unser Hauptproblem, dass die Arbeit auf zu wenige Schultern verteilt ist. Aber viele Wagenbauer sind auch beruflich eingespannt und die Arbeit geht vor“, erklärt Wagenbau-Koordinator Wolfgang Durgeloh. Da sind handwerklich fitte Rentner, wie Udo Bohnenkamp, der täglich sechs Stunden schraubt, sägt und schleift, Gold wert. Ganz so viele Stunden kann der noch im Berufsleben stehende Maler und Lackierer Jörg Schwebig an Werktagen nicht investieren. Aber am Wochenende arbeitet er auch schon mal 10 bis 12 Stunden und sorgt mit Akkuschraubern, Sägen, Schwingschleifern, Pinsel, Farbe, Tapete, Kleister, Holzlatten, Draht, Styropor, Papier und Pappmaché dafür, dass die Motiv- und Gesellschaftswagen des Rosenmontagszuges den letzten Schliff bekommen.

„Es macht einfach Spaß und schweißt zusammen, wenn man gemeinsam an einem Wagen baut und der nachher auch so aussieht, wie man es sich vorgestellt hat und er dann beim Rosenmontagszug über die Straßen rollt,“ sind sich Bohnenkamp und Schwebig einig. Doch bevor sie und ihre Kollgen ihr Werkzeug in die Hand nehmen können, das sie zum Teil selbst mitbringen, wird die Konstruktion des Wagens im Maßstab 1:10 aufgezeichnet. „In der Regel klappt das auch. In den letzten Jahren mussten wir nur einmal einen Motivwagen wieder auseinanderkloppen und neu anfangen, weil er einfach nicht so werden wollte, wie wir uns das vorgestellt hatten“, berichtet Schwebig.

Motive werden nicht verraten

2013 holten sich seine Kollgen und er bei einer Wagenbauerin in Dortmund den letzten Schliff im dreidimensionalen Motivbau. „Schließlich soll ein Kopf auch wie ein Kopf und ein Rathausturm wie ein Rathausturm aussehen, um im Vorbeifahren wiedererkannt zu werden“, betont der Wagenbaumeister.

Auch wenn man in der Wagenbauhalle schon Figuren und Gebäude erkennen kann, wollen Schwebig und seine Kollegen nichts verraten. „Sonst bekommen wir den größten Ärger. Denn bis zum Rosenmontag sind die Wagen des Rosenmontagszuges Betriebsgeheimnis“, betont Udo Bohnenkamp.

Helfer händeringend gesucht

Wie die meisten Wagenbauer hat Bohnenkamp als langjähriger Klempner und Dachdecker einen handwerklichen Berufshintergrund. Frank Braun, der sich von seinem Bruder Jörg Schwebig für den närrischen Wagenbau gewinnen ließ, ist Tischler und Schreiner. Und Wagenbaukoordinator Wolfgang Durgeloh, der in dieser Session auch als Hofmarschall mit den Prinzenpaar unterwegs ist, hat in seinem ersten Berufsleben Schlosser gelernt.

„Aber wir können hier nicht nur handwerkliche Profis gebrauchen, sondern auch Leute, die mit anfassen und uns einfach mal zuarbeiten, indem sie Bauteile festhalten oder Farbe auf große Flächen pinseln.“

Wagenbaumeister Schwebig lässt keinen Zweifel daran, dass viele Wagen nicht jedes Jahr neu gebaut, sondern aus Kostengründen oft nur umgebaut oder mit kleineren Schönheitsoperationen aufgehübscht werden. Denn einen Neubau, der locker einige 1000 Euro verschlingt, können sich die Gesellschaften und der Hauptausschuss Groß-Mülheimer Karneval nicht leisten. „Deshalb wird heute im Wagenbau auch nicht mehr mit Hammer und Nägeln, sondern mit Akku-Schraubern und Schrauben gearbeitet, weil man Einzelteile dann auch wieder auseinanderbauen und weiterverwenden kann“, beschreibt Wagenbauer Schwebig den Wandel seines kreativen Handwerks.

Wird diese kreative und ehrenamtliche Handwerksarbeit von denMölmschen Narren auch ausreichend gewürdigt? Wagenbauer Wolfgang Durgeloh macht sich keine Illusionen und ist überzeugt: „An den Details unserer Arbeit müssen wir uns selbst berauschen, denn die sieht keiner, wenn die Wagen des Rosenmontagszuges an ihm vorbeirollen.“