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Hommage an Hermann Haber

Die Geschichte einer Freundschaft

26.11.2009 | 19:46 Uhr

1973 wanderten Gabriel und Joachim Meyer, Neffen des in Auschwitz ermordeten Künstlers Hermann Haber, nach Israel aus. In Deutschland fühlten sich die beiden Juden als Fremde.

Die Enttäuschung darüber, dass sein bester Schulfreund 1973 für ihn fast unvermittelt nach Israel auswanderte, ist Werner Jurga noch heute nach all den Jahren anzumerken. Marx, Feuerbach und all die anderen linken Autoren hatten sie damals gelesen, darüber gesprochen, wie sich die Welt verbessern ließe und „ich dachte wir wären uns sehr nahe.” Joachim Meyer, so sagt der heute 52-Jährige rückblickend, war für ihn so etwas wie eine politische Leitfigur in der Klasse des Otto-Pankok-Gymnasiums, das damals noch in seiner alten Pracht mit Säulen und Gewölben erhalten war.

Joachim Meyer war Jude und Neffe des in Auschwitz umgebrachten Mülheimer Malers und Karikaturisten Herman Haber. Sein Vater Arthur war der Bruder von Hilde, die Haber 1937 im holländischen Exil heiratete. Möglicherweise wohnten sie damals auch in der Charlottenstraße in einem Haus. „Mein Vater hat oft von Haber gesprochen. Er hat ihn bewundert”, erinnert sich Joachim Meyer, der gemeinsam mit seinem Bruder Gabriel jetzt anlässlich der Ausstellung „Hommage an Hermann Haber” nach 36 Jahren nach Mülheim zurückgekehrt ist und auch seine ehemalige Schule besuchte. Über das Leben des Malers kann er wie auch sein Bruder keine Erkenntnisse beitragen, aber ihr eigener Lebensweg macht ein Stück Nachkriegsgeschichte deutlich.

Arthur wurde 1894 geboren, kämpfte im ersten Weltkrieg und wurde schon 1933 aus politischen Gründen von den Nazis inhaftiert. Es folgten 12 Jahre in unterschiedlichen Lagern. Die Endstation Auschwitz hat er überlebt, doch eine richtige Existenz aufbauen konnte er sich nach dem Krieg nicht mehr, er arbeitete als freier Journalist.

1955 und 1957 wurden die beiden Brüder geboren und im jüdischen Glauben erzogen. 1969 starb der Vater. Offenen Antisemitismus haben die beiden nie erlebt, nur bei dem Lehrer, der sämtliche Arbeiten von Gregor mit ungenügend bewertete, bleibt dieser Verdacht. Das Ressentiment verkehrte sich vielmehr oft ins Gegenteil, der Glaube wurde nicht als etwas Belangloses gesehen. „Ich fühlte mich fremd. Die Vergangenheit blieb sehr gegenwärtig.” Es war die Zeit, in der die Prozesse die Nazi-Greuel aufrollen sollten, kritische Literatur zum Nationalsozialismus erschien und die Protestbegegung die Verantwortung der Vätergeneration forderte. Aber in Mülheim waren die Verstrickungen mit dem Regime noch zu bekannt, ohne dass es zu Konsequenzen geführt hätte. „Man kannte die Namen, wusste, der war ein hohes Tier bei der Gestapo, jener ein Bonze bei der NSDAP und der dritte hat günstig ein jüdisches Geschäft übernommen”, erzählt Joachim Meyer. „Es blieb immer ein unagenehmes Gefühl, selbst wenn nichts ausgesprochen wurde.” Selbst wenn er einen Schulfreund besuchte. Er engagierte sich in der sozialistischen Arbeiterjugend, der Jugendorganisation der DKP und bekam, welch sonderbare Kombination, Kontakt zur zionistischen Jugend in Düsseldorf. Es folgten „Abenteuerspiele im Wald”, wie Jurga dies nennt. „Israel wollte Intelligenz rekrutieren.” Die Karriere ist Meyer in Israel gelungen, nach zweijährigem Schulbesuch und Kriegsdienst studierte er Psychologie und wurde Professor.

„Fast alle Juden meiner Generation sind ausgewandert”, erzählt er. Beide Brüder hatten sich unabhängig voneinander dazu entschieden. 1985 folgte ihnen auch ihre Mutter nach der Pensionierung ins gelobte Land. „Unsere Erwartungen haben sich erfüllt. Wir haben die Entscheidung nicht bereut”, ergänzt sein Bruder, der sich als Bassist immer noch der musikalischen Avantgarde eines Frank Zappa verpflichtet sieht. Gerne würde er, falls die Zeit reicht, seinen besten Freund von damals, Tom Täger, der an der Delle eine Musikschule betreibt, treffen. Jurga hat Joachim Meyer vor drei Jahren im Internet gegoogelt, Kontakt aufgenommen. Seitdem haben sie sich öfter getroffen, denn „Joachim kommt häufiger nach Deutschland”.

Steffen Tost

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