Die Geschichte beginnt immer wieder neu

Herzerfrischend erzählten die Performer isländische Mythen und Geschichten bei zwei Vorstellungen im Ringlokschuppen.
Herzerfrischend erzählten die Performer isländische Mythen und Geschichten bei zwei Vorstellungen im Ringlokschuppen.
Foto: Nelly Rodriquez
Was wir bereits wissen
Die „Isländersagas“ waren als spritziges Erzähltheater im Ringlokschuppen zu sehen.

Mülheim.. Mit dicken und kuscheligen Woll-Matten ist der Bühnenboden ausgelegt – da möchte man sich spontan dazu setzen, um den isländischen Sagen zu lauschen. Es sind Geschichten vom Kämpfen, Sterben und Geboren werden, vom Auswandern und Zurückkommen, von starken Männern und brutalen Herrschern, von tiefsinnigen und schönen Frauen, Trollen, Elfen, Krachgeistern und obskuren Figuren: Sagen sind im Gründungsmythos von Island fest verankert.

Und so sind die fünf Performer der Theaterkollektive „Vorschlag:Hammer“, Ringlokschuppen-Hausgruppe, und „Yuri500“ aus Basel zur Recherche nach Island aufgebrochen, sind mit mündlichen Überlieferungen und 4000 Text-Seiten zurückgekommen, um daraus einen Abend wie der heiße Quell des nordischen Mythos zu komponieren. 14 Mal wurden die „Isländersagas“ bereits gespielt, zweimal im Ringlokschuppen. Die Vorstellung am Samstag „ist im Rennen, die Schönste zu sein“, sagt Performerin Gesine Hohmann im Anschluss beim Publikumsgespräch im „Heidi Hoh“. Lang anhaltenden Applaus gab es für diesen größtenteils urkomischen Parforce-ritt durch die literarisch reiche Landschaft quer durch die Zeiten.

4000 Seiten Text

„Und immer wieder beginnt die Geschichte neu. . . Mit ihrem quirligen Erzähltheater auf Deutsch, Englisch und Isländisch und mit ganzem Körpereinsatz spinnen die Performer die alten Mythen weiter bis zu den Svens, Björns und Helgis der Neuzeit. Starke Männern, die heute bei epischen Fantasy-Serien wie „Game of Thrones“ mitspielen, ihre monetären Muckis bei der Finanzkrise einbüßen oder als Wikinger schlichtweg als Burger durchgehen. Obskure Geschichten wie die vom isländischen Bankrotteur, der ins russische Brauerei-Business einsteigt, oder der Mann aus dem Mittelalter, der so hässlich war, weil er sich nie die Hände gewaschen hat, sorgen für Lacher.

Beherzt, engagiert und mit kalkulierter Komik haben sich die Performer dem Erzähltheater verschrieben – gegen den Strom. Sie bespielen ganze Textflächen, bahnen sich spritzig wie ein Gletscherbach den Weg durch den Sagenkosmos und geben längst vergessene Biografien ganzer Familienstämme an eine neue Generation weiter.

Auf dem hellen Bühnenboden wird eine Landkarte langsam gezoomt – Berge, Täler, Fjorde verschwimmen in Braun-, Blau- und Grüntönen zum abstrakten Kunstwerk auf weichem Untergrund. So vermischen sich auch die überlieferten Geschichten im Mysterium der jeweiligen Zeiten: So oder so ähnlich könnte es gewesen sein.