Die geklaute Firma

„Jeder ist seines Glückes Schmied, aber nicht jeder Schmied hat Glück.“ Hanjo Häse ist eigentlich nicht zum Lachen, aber Galgenhumor hilft ihm, die Situation zu verkraften. Am Mittwoch wurde dem Hufschmied seine Existenzgrundlage geklaut: Seinen Werkstattbus, einen orangenen VW-Transporter des Typs T3, 25 Jahre alt, hatte er vor seiner Wohnung in der Hingbergstraße geparkt. Morgens um halb acht war er weg. „Das ist meine Firma - und mein zweites Zuhause.“

Seit sieben Jahren, so lange arbeitet Hänse als staatlich geprüfter Hufschmied, ist er mit dem Bus unterwegs. „In dem Wagen sind alle meine Arbeitsgeräte. Ein Ambos etwa, ein Gasofen und ganz viele Eisen. Da kommen rund 5000 Euro an Schaden zusammen.“ Der materielle Verlust, Häse schätzt ihn insgesamt auf 8500 Euro, wiegt schwer, aber er ist nicht alles. Häse hängt an seinem Auto, hat viel Energie hineingesteckt, damit der Wagen fahrtüchtig bleibt. „Gerade hatte ich ihn erst über den TÜV.“

Sein Herz schlägt für den Beruf

Häse brennt für seinen Beruf und diese Leidenschaft bestimmt auch die Beziehung zu seiner mobilen Werkstatt. Viele Erinnerungen verbindet er mit dem Bus. Erst seit sieben Jahren ist der gelernte Zahntechniker Schmied. In seiner Werkstatt hat er erlebt, dass der Berufswechsel richtig war und dass tatsächlich auch sein Herz für das Schmiedehandwerk schlägt. „Dieser Beruf kostet sehr viel körperliche Kraft. Viele hören auf, weil irgendwann ihr Rücken kaputt ist. Dazu kommt die Beziehung zu den Tieren. Du musst wissen, wie so ein Pferd tickt. Wenn so ein Tier mit dem Huf ausschlägt, kann das ganz schön ins Auge gehen.“ Zu seinen Kunden, die in der ganzen Region verstreut sind, pflegt Häse ein enges Verhältnis: „Der Schmied ist eine Vertrauensperson. Ein Reiter lässt schließlich nicht irgendjemanden an sein Pferd.“ Von der Kunden-Seite hat Hanjo Häse schon viel Unterstützung bekommen. Sie wollen den Mann nicht verlieren, der alle zwölf Wochen die Hufeisen bei ihren Tieren auswechselt. „Ich bin ein Kämpfer“, sagt Häse. Er ist schon dabei, ein neues Auto umzurüsten. Eine allzulange Betriebspause könnte er sich auch nicht leisten.

Große Hoffnung, den Bus zurückzuerhalten, hat er nicht. Nach einem Facebook-Aufruf hat sich ein Zeuge gemeldet, der ihn auf der Autobahn in Richtung Belgien gesehen hat. „Wenn der Täter den Wagen ausgeschlachtet hat, lässt er ihn vielleicht irgendwo stehen.“