Die Früchte der Förderung

Mit der Auszeichnung der drei Preisträger durch Oberbürgermeisterin Dagmar Mühlenfeld ging gestern einer starker Stücke-Jahrgang vorbei. Es war der 40. Durchgang des wichtigsten Festivals der Gegenwartsdramatik, dessen 23 Aufführungen mit über 4000 Zuschauern auch beim Publikum sehr gut angekommen sind. Die beiden Preisträger der diesjährigen Stücke, Carsten Brandau und Ewald Palmetshofer, sind vielleicht die besten Beispiele für die Früchte, die eine gute Autorenförderung tragen kann. Man muss nur auf ihren Lebensweg schauen, um nachzuvollziehen, wie ihnen Preise und Stipendien das Schreiben guter Texte ermöglichte. Denn gute Texte sind der Kern des Festivals.

Carsten Brandau hat besonderes Glück, denn er erhält nicht nur für „Dreier steht Kopf“ den mit 10 000 Euro dotierten Kinderstückepreis, sondern auch als Geburtstagsgeschenk der Landesregierung für das Festival einen Stückauftrag, der mit der gleichen Summe ausgestattet ist. Winfried Tobias, Leiter des Kinder- und Jugendtheaters in Aalen, wünschte sich in seiner Laudatio auf Brandau, dass die Theater in NRW sich um dieses neue Stück reißen mögen und das Auswahlgremium unter mehreren Aufführungen wählen kann, welche Inszenierung dann möglichst im nächsten Jahr zu den Kinderstücken mit dem neuen Text eingeladen wird. „Die Ministerin erhofft sich einen ‘Return of Invest’“, sagte er mit einem Augenzwinkern, eine Formulierung aus der Welt der Wirtschaft, die der für Theater zuständigen Referatsleiterin im Ministerium, Bettina Milz, sichtlich gut gefiel. Gute und vor allem eigenständige Texte für die Kinderbühne sind noch immer Mangelware, das Festival gibt aber einen wichtigen Impuls, dass es langsam mehr werden. Brandau ist weder ein schreibender Dramaturg, noch ein Pädagoge. Er stellt die Welt auf den Kopf und schreibt auch Stücke für Erwachse: „Die fabelhafte Familie Bader“ etwa, die am Schloßtheater Moers zu sehen ist und die Tobias den Zuschauern für die nächste Saison ans Herz legte. Beiläufig erwähnte er noch, dass viele Texte von Brandau noch entdeckt werden können, weil sie den Weg auf die Bühne noch gar nicht geschafft haben.

Videobotschaft aus Berlin

Auf das Fördern und das Unterstützen von Autoren und auch auf die daran immer wieder sich entzündende Kritik ging auch Andreas Beck in seiner Laudatio auf Palmetshofer für „Die Unverheiratete“ ein. Becks Zeit am Wiener Schauspielhaus, wo zahlreiche Stücke von Palmetshofer uraufgeführt wurden, läuft ab. Er wechselt nach Basel und dort wird auch der 36-jährige Autor wirken, in dem Beck eher einen Dichter als einen Autor sieht - einen vom alten Schlag, der virtuos mit Sprache umgeht und doch rückhaltlos modern ist. Der Mülheimer Dramatikerpreis, für den er zum dritten Mal nominiert war, ist mit 15 000 Euro dotiert.

Yael Ronen, die sich samt Ensemble mit einer kurzen und humorvollen Videobotschaft aus dem Berliner Gorki-Theater an das Publikum wandte, ist einer anderen Richtung verpflichtet. Sie erhielt für „Common Ground“ den undotierten Publikums - „die wichtigste Auszeichnung, denn das Publikum hat immer Recht“, wie ihr Laudator, der Kulturjournalist Patrick Wildermann kurzerhand behauptete. Ronen nannte er die „Traumatherapeutin des Theaters“, die Konflikten wie dem Balkan-Krieg oder dem deutsch-israelischen Verhältnis bis auf die schmerzhaften Wurzeln vordringt und sich nicht damit begnügt, auf der Oberfläche Pirouetten zu drehen.

Freuen kann man sich auf den 6. Mai 2016, denn dann sollen voraussichtlich die 41. Stücke beginnen.