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100 Jahre Alpenverein

Die Flachlandtiroler

14.01.2010 | 20:48 Uhr

Einen Deutschen Alpenverein gibt es auch in Mülheim. Und das schon seit 100 Jahren – weil Klettern eine Trendsportart ist

Einen Deutschen Alpenverein vermutet man wohl eher in Süddeutschland, dort, wo die Berge sind. Doch es gibt ihn auch hier, in Mülheim an der Ruhr, und das schon seit 100 Jahren. Gegründet wurde er anno 1910 vom Lehrer Hugo Gärtner, der sich im Parkhotel mit zehn bergbegeisterten Freunden traf. Das Parkhotel gibt es nicht mehr. Der Deutsche Alpenverein ist mit seinen gut 700 Mitgliedern dagegen lebendiger und aktiver als je zuvor. „Wir haben sogar einen sinkenden Altersdurchschnitt”, freut sich der Vereinsvorsitzende, Michael Cremer, über die Früchte einer intensiven Jugend- und Familienarbeit.

Er selbst leitet eine Familiengruppe, die sich Rucksackbande nennt, und mit der er in jedem Herbst auf Bergtour geht – ob im Allgäu, am Gardasee oder in Tirol. Aber auch ganz normale Camping-Wochenenden, Familienfreizeiten, Wanderungen und Kletterspaß gehören zum Repertoire der Rucksackbande. Auch eine eigene Mädchengruppe hat der Alpenverein im Angebot. Profitieren konnte der Klub aber auch von der Tatsache, dass das Klettern, drinnen, wie draußen, in den letzten Jahren zur Trendsportart geworden ist. Deshalb ist der Deutsche Alpenverein auch immer wieder als Projektpartner gefragt, wenn es um Klettersportangebote für Kinder und Jugendliche geht, sei es in Kindergärten, Schulen und Jugendheimen, beim Weltkindertag in der Müga oder beim Sommersportcamp des Mülheimer Sportbundes. Denn längst hat man nicht nur beim Alpenverein erkannt, wie förderlich das Klettern für die Entwicklung der Motorik und der Konzentrationsfähigkeit sein können. Wer beim und mit dem Alpenverein klettern möchte, muss dafür nicht in die Berge reisen, sondern braucht nur bei seinem Training vorbeischauen, das mittwochs von 18 Uhr bis 19.30 Uhr und alle 14 Tage samstags von 11 bis 13 Uhr an der Kletteranlage in der Harbecke-Sporthalle an der Mintarder Straße in Saarn stattfindet.

Der 41-jährige Cremer hat die alpine Bergluft schon als Jugendlicher eingeatmet. Seine Eltern hatten eine Ferienwohnung im Allgäu, wo er alle seine Schulferien verlebte. Das prägte und ließ ihn vor 25 Jahren im Deutschen Alpenverein aktiv werden. „Das ist die totale Entspannung, mit der man Abstand vom Alltag gewinnt und in der nur der nächste Schritt zählt. Man erlebt Zusammengehörigkeit, Verlässlichkeit und einmalige Naturmomente”, beschreibt er seine Begeisterung für die Berge.

Cremers Stellvertreter Horst Langer (76) ereilte schon vor 45 Jahren der Ruf der Berge. Damals lud ihn ein Arbeitskollege zu einer unvergesslichen Hüttentour durchs Ötztal ein und überzeugte ihn so, dass er im Deutschen Alpenverein gut aufgehoben sei. Langer gehört nicht zur Fraktion der Bergsteiger, sondern zur Wandergruppe im Alpenverein, die regelmäßig die schönsten Landschaften der Region durchstreift.

Dass Langer seinerzeit durch eine Hüttentour zum Alpenverein kam, kommt nicht von ungefähr. Die 300 lokalen Sektionen des bundesweit 800 000 Mitglieder starken Deutschen Alpenvereins finanzieren den Betrieb von landesweit 300 Schutzhütten. Die vom Mülheimer Alpenverein mit jährlich 4000 bis 5000 Euro finanzierte Schutzhütte findet sich im Nordeifel-Ort Niedeggen-Abenden. Dabei ist der Begriff Hütte eine gelinde Untertreibung.

Denn im Fall der Mülheimer „Eifel-Hütte” handelt es sich tatsächlich um ein schmuckes Fachwerkhaus aus dem 18. Jahrhundert, in dem man gut übernachten und sich selbst versorgen kann. Dass man als Mitglied des Alpenvereins in allen 300 Schutzhütten zum halben Preis logieren kann, ist für viele Bergwanderer und Bergsteiger ebenso ein guter Grund, dem Verein beizutreten, wie der umfassende Versicherungsschutz, der mit der Mitgliedschaft verbunden ist.

Wie beim ADAC kann das Klubmitglied, das beim Klettern oder Wandern unterwegs in Not gerät, unter einer zentralen Rufnummer kostenlose Hilfe anfordern. Auch die Verbandszeitschrift Panorama, in der man alles erfährt, was man als Bergwanderer oder Bergsteiger wissen sollte, ist ebenso ein Pluspunkt für Vereinsmitglieder wie regelmäßige Vortragsveranstaltungen und ein monatlicher Stammtisch.

Hintergrund Fakten und Feste:

Seinen 100. Geburtstag feiert der Deutsche Alpenverein (DAV) unter anderem am 10. Juli mit einem großen Familienfest auf Schloss Broich. Außerdem wird man im Juni das Wanderprogramm des Tengelmannlaufs gestalten. Darüber hinaus stehen schon am 22. Februar (Thema Marroko) und am 22. März (Thema: Naturpark Brenta-Adamello) Lichtbildvorträge auf dem Programm, zu denen der Deutsche Alpenverein (jeweils um 19.30 Uhr) ins CVJM-Haus an der Teinerstraße einlädt.

Der DAV unterhält an der Bruchstraße 72 eine Geschäftsstelle, die freitags von 17 bis 19 Uhr besetzt ist und in der man auch eine kleine Fachbibliothek rund um das Bergwandern, Bergsteigen und Klettern findet. Die Geschäftsstelle ist telefonisch unter 696 96 36 oder per E-Mail an info@alpenverein-muelheim.de erreichbar. Weitere Informationen im Internet unter: www.alpenverein-muelheim.de

Die Mitgliedschaft im Alpenverein kostet für Einzelpersonen 55 Euro pro Jahr. Eltern mit minderjährigen Kindern zahlen einen Familienbeitrag von 85 Euro. Ehepartner können für jährlich 30 Euro und junge Leute unter 25 für jährlich 24 Euro Vereinsmitglied werden.

Thomas Emons

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