Die Abrechnung
09.08.2007 | 14:08 Uhr 2007-08-09T14:08:04+0200PARTEIEN. Die bisherige WIR-Spitze spricht von Betrug und Unterwanderung.
Vier Jahre waren sie engste Parteifreunde, saßen einträchtig im Rat nebeinander. Gestern aber rechneten WIR-Ratsherr Detlef Habig und seine Getreuen mit Gerhard und Sabine Schweizerhof ab. Beide lehnten eine konstruktive Arbeit aus Weltanschauungsgründen ab, was nichts anderes als Betrug am Wähler sei. Ratsarbeit interessiere Schweizerhof nicht. "Wir dagegen haben Sacharbeit geleistet", sagte Kai Löbbert, bislang Ausschussmutglied für die WIR. "Zusammenarbeit mit anderen Fraktionen", assistiert der bisherige Bündnissprecher Andreas Gutschalk, "ist immer wieder als Anbiederung kritisiert worden", ganz zu schweigen von häufigen Auseinandersetzungen mit anderen MLPD-Mitgliedern, die bei WIR mitgemacht hätten.
Wiederholt sei versucht worden, das überparteiliche Wählerbündnis in die Nähe zur MLPD zu rücken. Im Laufe der Zeit habe man auch zunehmend den Eindruck gewonnen, dass Gerhard Schweizerhof Instruktionen von der MLPD bekomme. "Mit Kommunismus haben wir aber nichts zu tun", so Habig. "Parteipolitik in einem überparteilichen Bündnis, das geht nicht", sagt Löbbert und der bisherige WIR-Organisator Hans Enders meint: "Die wollten uns benutzen." Das Fass sei endgültig übergelaufen, als auf der außerordentlichen Versammlung am Dienstag zahlreiche Mitglieder erschienen, die ein MLPD-Parteibuch hätten. Das alles komme einer Unterwanderung durch die MLPD gleich.
Gerhard Schweizerhof hingegen wirft seinem Noch-Fraktionskollegen Habig vor, ihn Ende Juni nicht nur öffentlich kritisiert, sondern diffamiert und zentrale Grundsätze des Bündnisses verletzt zu haben. WIR sei überparteilich und weltoffen. "Herr Habig hat aber Mitglieder unterschiedlicher Weltanschuungen gebrandmarkt, öffentlich beleidigt und damit die gebotene solidarische Streitkultur verlassen. Es gab auch kein Aufzwingen von MLPD-Politik in WIR hinein. Ich lehne nicht dass Grundgesetz ab. Ich übe aber grundsätzliche Kritik am kapitalistischen System."
Für eine Fortsetzung der Fraktion sieht er keine Chance. Ob er die Gemeinschaft mit Habig auflöst, werde auf einer noch einzuberufenden Mitgliederversammlung der WIR besprochen. "Eine weitere Zusammenarbeit ist aber kaum noch möglich." Habig hingegen hätte nichts dagegen - der politischen Einflussmöglichkeiten wegen, wie er sagt.

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