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Deutlich mehr Jugendliche ohne Ausbildungsplatz

31.08.2010 | 18:24 Uhr
Deutlich mehr Jugendliche ohne Ausbildungsplatz
Agentur für Arbeit Foto: Gerd Wallhorn

Mülheim.312 Bewerber stehen in Mülheim noch ohne Ausbildungsplatz da – satte 52 Prozent mehr als im Vorjahr. Arbeits- und Sozialagentur appellieren an Jugendliche, sich zu bewerben. Und an Firmen, mehr Plätze zu melden. Denn deren Zahl ist gesunken.

312 jugendliche Bewerber sind in der Stadt zurzeit noch „unversorgt“, 52 Prozent mehr als im Vorjahr. Die Arbeitslosenquote unter den jungen Mülheimern liegt bei vier Prozent – ein leichter Rückgang. Die Zahl der Bewerber bei der Arbeitsagentur ist gestiegen – die gemeldeten Ausbildungsplätze wurden jedoch weniger.

Daher richten Mülheims Agentur für Arbeit und die Sozialagentur ihren Appell sowohl an junge Menschen als auch an Firmen: Bewerbungen sind auch für dieses Jahr noch möglich – von beiden Seiten. „Gut 200 Ausbildungsplätze bräuchten wir noch, um alle zu vermitteln“, sagt Sozialdezernent Ulrich Ernst – die Differenz ergibt sich aus den 312 Bewerbern bei der Arbeitsagentur, die noch suchen, und 93 noch offenen Stellen. 2009/2010 haben sich 22 Prozent mehr potenzielle Kandidaten gemeldet als im Vorjahreszeitraum, laut Wolfgang Draeger, stellvertretender Geschäftsführer der Agentur für Arbeit, eine Folge der verstärkten „Werbung zur Bewerbung“.

Die Zahl der erfolgreich vermittelten Bewerber stieg um 14,7 Prozent, die der unversorgten um 52,2. Denn bei Mülheims Firmen hat die Werbung bisher weniger gefruchtet – sie meldeten 1,8 Prozent weniger Stellen als im Vorjahr. Die Jugendarbeitslosigkeit liegt aktuell bei vier Prozent, die Quote ist um 0,6 Prozent gesunken. Im August waren 297 Jugendliche unter 25 Jahren als arbeitslos gemeldet.

Folge der Kirse

Die Zurückhaltung der Firmen sei noch immer eine Folge der Wirtschaftskrise, so Draeger. Umso wichtiger für die Agentur, Wunsch und Realität des Arbeitsmarktes zumindest anzunähern. „Manchmal muss man eben dem jungen Mann, der gern im Elektrogroßhandel oder als Industriemechaniker arbeiten wollte, klar machen, dass seine Chancen in anderen Bereichen besser sind“, so Draeger. Besser vor allem im Einzelhandel mit Schwerpunkt Lebensmittel, im Hotel oder Restaurant oder im kaufmännischen Bereich – hier sind die meisten Stellen frei. „Eine Ausbildung kann auch noch am 30. September beginnen“, betont Wolfgang Draeger.

Sabine Knapstein, Teamleiterin beim Arbeitgeber-Service, sucht nach weiteren Möglichkeiten der Vermittlung. „Die Jugendlichen können durch Praktika Bereiche kennen lernen, die sie bisher nicht in Betracht gezogen haben. Den Firmen bieten wir einen Ausbildungsbonus. Und machen beiden Seiten klar: Durch Warten wird man nicht interessanter.“ Viele Arbeitgeber beklagen nach wie vor die geringe Qualifizierung ihrer Bewerber. „Hier gibt es ausbildungsbegleitende Hilfen“, sagt Sabine Knapstein, und Brita Russack, Leiterin des U25-Hauses der Sozialagentur, ergänzt, dass der Schulabschluss kein Hindernis sein muss. Tatsächlich beginnen laut Russack 30 Prozent der Jugendlichen mit Hauptschulabschluss sofort eine betriebliche Ausbildung. „Viele müssen jedoch bei Schulbildung oder Sozialverhalten noch aufholen.“

Förderung in Vollzeit

Im U25-Haus bündelt die Sozialagentur Leistungen für junge Hartz IV-Empfänger und Maßnahmen an den Schulen. Beim Projekt „Steps“ werden Jugendliche in berufsfördernde Vollzeitmaßnahmen vermittelt, seit Mai 2009 ebnet die „Kontaktstelle Wirtschaft“ den Weg in die Firmen. „2009 konnten wir so 43 Ausbildungsverträge vermitteln, 27 Stellen sind dabei neu entstanden“, sagt Brita Russack. „In diesem Jahr sind es schon jetzt 43 Verträge, darunter 15 neue Ausbilder.“

Vor einem Jahr lag die Arbeitslosenquote bei Mülheimer SGB II-Empfängern unter 25 Jahren noch bei 1,3 Prozent. Heute sind es laut Brita Russack 0,7 Prozent, NRW-weit 5,5.

Caroline Uschmann

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Kommentare
02.09.2010
12:52
Deutlich mehr Jugendliche ohne Ausbildungsplatz
von Thomas Wohlzufrieden | #5

Sie schreiben: Arbeits- und Sozialagentur appellieren an Jugendliche, sich zu bewerben. Vielleicht sollten die sehr verehrten Damen und Herren an die Arbeitgeber appellieren, einzustellen. Gute Idee, oder?

01.09.2010
18:34
Deutlich mehr Jugendliche ohne Ausbildungsplatz
von Danross | #4

In dem Artikel Arbeitslosenquote unverändert wird explizit beklagt, dass Fachkräfte dringend gesucht werden. Gleichzeitig sind aber wohl deutlich mehr Jugendliche ohne Ausbildungsplatz. Ich finde, da muss doch mal die Frage gestattet sein, warum dann nicht mehr Unternehmen verstärkt ihren so dringend gesuchten Fachkräftenachwuchs auch selbst ausbilden. Ich denke, dann könnten auch mehr Jugendliche einen Ausbildungsplatz erhalten und zumindest langfristig in vielen Bereichen ein Fachkräftemangel angegangen werden.

01.09.2010
16:39
Deutlich mehr Jugendliche ohne Ausbildungsplatz
von jeremy | #3

Die Grünen in NRW halte ich für sozialistisch. Die kämpfen für sichere Arbeitsplätze, Betriebsrat, Personalentwicklung und und und, aber wenig für den Erhalt von Bäumen oder Natur. Das sind dann die Pseudoaussagen der Politiker. In Wirklichkeit halte ich die Grünen in NRW für links stehender als die SPD (bin wirklich kein Sozi).

31.08.2010
23:57
Deutlich mehr Jugendliche ohne Ausbildungsplatz
von Baum.wolle | #2

Das Denken bemängelt jemand, der die Grünen für sozialistisch hält.
Nun gut, über zelebrale Pflegefälle mag ich nicht spotten; es warten die Sprotten.
Wie werden denn die Quoten besser (und was ist das)?
Aus dem Amt die Leutchen zu Privaten ausspeien, das freut die Statistik. Und die nach dieser Lügerei Süchtigen, wie #1 eben.

31.08.2010
22:01
Deutlich mehr Jugendliche ohne Ausbildungsplatz
von jeremy | #1

Hoffentlich merkt Ihr Ruhris das mal: Sobald Eure Sozialisten die ebenso sozialistisch geprägten NRW-Grünen an der Macht sind, gehts bergab. Das ist erst der Anfang. Das ist doch eine Schande für Mülheim, wenn in ganz Deutschland die Arbeitslosen-Quoten besser werden. Doch denken ist die Sache der lieben Ruhris nicht, lieber den anderen ein Ohr abquatschen.

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