Das aktuelle Wetter Muelheim 13°C
Gesichter des Jahres (10)

Christopher Steinwachs, der Weltrekordhalter

07.01.2012 | 12:01 Uhr
Christopher Steinwachs, der Weltrekordhalter
Siemens-Ingenieur Christopher Steinwachs, der heute Gasturbinen entwickelt, wollte ursprünglich Pilot werden.Foto: Foto: Stephan Glagla

Mülheim.Technik mag Christopher Steinwachs lieber in der Praxis als in der Theorie. Das merkt man selbst, wenn er theoretisch erklärt, wie eine Gasturbine funktioniert.

Dann greift er das Modell, erzählt von der Brennkammer, von zugeführtem Gas, entstehendem Dampf und presst die Hände wie ineinandergreifende Teile zusammen. Wenn ein Praktiker erklärt, kommt auch ein Laie mit.

Natürlich geht Steinwachs nicht zu sehr ins Detail – denn bekanntlich steckt dort ja der Teufel. Da kommt es auf Kleinigkeiten an, auf jede Zahl hinterm Komma. Wie eben auf jene 60,75 %. Diesen Wirkungsgrad erreichte ein von Siemens entwickeltes und gebautes Gas- und Dampfkraftwerk im Mai 2011. Ein Weltrekord, der Christopher Steinwachs stolz macht. Er ist Leiter des „Product Line Managements“ von Siemens.

Diplomarbeit in den USA

Um es gleich zu sagen: Nein, seine Abteilung hat keinen deutschen Namen, eine „Produktlinien-Betriebsführung“ gibt es nicht. Denn der Bereich „Gasturbine“ ist bei Siemens an neun Standorten global aufgestellt: neben Mülheim etwa in Orlando und Shanghai. Englisch gehört für Christopher Steinwachs also zum Berufsalltag, ebenso wie Videokonferenzen, der Blick auf Zeitzonen und „viel Reiserei“.

Dabei wollte der Mülheimer ursprünglich das Reisen zu seinem Hauptberuf machen. „Ich wollte Pilot werden.“ Seinen Flugschein machte er bereits als Jugendlicher; doch um beruflich Jets zu fliegen, waren seine Augen zu schlecht. Also zog er nach dem Abi am Gymnasium Broich nach Aachen, wo er Maschinenbau, Fachrichtung Energietechnik, studierte. Durch ein Praktikum kam er zu Siemens, und nachdem er in den USA seine Diplomarbeit geschrieben hatte, wurde er an der Zinkhüttenstraße in der „Befundaufnahme“ eingestellt. Das war 1992 – der Wirkungsgrad eines Gas- und Dampfturbinenkraftwerks betrug damals: 52 %.

"Unheimlich spannend"

Spezial
Serien über Mülheim

Hier finden Sie die Serien der WAZ-Lokalredaktion in der Übersicht, zum Beispiel alle "Gesichter des Jahres" und "Menschen in Mülheim".

Dass es 19 Jahre dauert, bis erstmals die Grenze von 60 % überschritten wird, mag für den Laien kaum nach Fortschritt klingen. Für Christopher Steinwachs hingegen ist es ein Zeichen für stetige Entwicklung, denn jeder Prozentpunkt bedeute intensive Forschung. „Der Wirkungsgrad hängt von der Brennkammer ab – und da arbeiten wir an der Grenze zum Schmelzpunkt“, erläutert der 47-Jährige. Eisen schmilzt ab einer Temperatur von 1500 Grad. „Unheimlich spannend“ ist das für den Ingenieur: „Vom Produkt her gibt es nicht viel Spannenderes.“ Auch keine Dampfturbine.

Interkulturelle Trainings

In Mülheim, sagt der Familienvater, wurden wesentliche Komponenten der Weltrekord-Gasturbine entwickelt, gebaut wurde sie in Berlin, verkauft wurde sie nach Südkorea. Die Internationalität seiner Arbeit schätzt Christopher Steinwachs sehr, den Einblick in fremde Kulturen, den Kontakt zu vielen Menschen. Interkulturelle Trainings gehören für alle Beteiligten dazu, damit man weiß, wie die anderen arbeiten.

Zugleich ist dies ein Stressfaktor. Wenn in Deutschland bereits Nachmittag ist, beginnt in den USA gerade der Arbeitstag. Asiaten und Amerikaner kommen innerhalb ihrer regulären Arbeitszeiten gar nicht zusammen. So kann auch für Steinwachs ein Tag lang werden, doch er hat gelernt, auch Grenzen zu setzen. Wenn er richtig entspannen möchte, hebt er ab: Fliegen ist sein großes Hobby geblieben, er ist Mitglied des Aero Clubs, auch Fluglehrer. „Wenn ich da oben bin, kann ich wunderbar abschalten.“ Seine Passion ist übrigens das Segelfliegen. Turbinen hat er ja im Beruf genug.

Julia Blättgen

Facebook
 
Kommentare
Trackbacks

Die Trackback URL zu diesem Artikel ist: http://www.derwesten.de/services/trackbacks/article/6220888/create

Umfrage der Woche
Die Bauarbeiten für die Ruhrpromenade haben begonnen. Im März 2013 soll sie fertig sein. Prima Promenade an der Ruhr?

Die Bauarbeiten für die Ruhrpromenade haben begonnen. Im März 2013 soll sie fertig sein. Prima Promenade an der Ruhr?

 
Aktuelle Fotos und Videos
Stimmen zum Rauchen
Video
Video
Pfingst-Spektakulum
Bildgalerie
Mittelalter in Broich
Pfingst-Renntag
Bildgalerie
PFERDERENNEN
"beGeistert"
Bildgalerie
Pfingstfest
Aus dem Ressort
Grüne setzen sich mit Kampagne für mehr Zivilcourage ein
Sicherheit
Nach den jüngsten gewaltsamen Übergriffen und der zunehmenden Zerstörung wollen die Grünen in Mülheim einen Mentalitäts-Wechsel herbeiführen. Sie verlangen von den Bürgern mehr Engagement beim Verhindern von gewaltsamen Übergriffen und Vandalismus.
Kulturaustausch beim Schnibbeln und Rühren
Besuch aus Tansania
Es wird geschnibbelt und gerührt, geplaudert und gelacht. Fünfzehn Männer und Frauen stehen um die Kochinseln der Lehrküche und bereiten ihr Mittagessen gemeinsam vor.