Der Weg auf den Markt

In Entenhausen ist es einfach: Erfinder und Unternehmer sind miteinander befreundet. Wenn Daniel Düsentrieb eine neue Idee hat, dann geht er einfach direkt zu Dagobert Duck. Hat er die „reichste Ente der Welt“ von seiner Idee überzeugt, hat er einen Geldgeber. In der Wirklichkeit ist es schwieriger, potenzielle Kooperationspartner aus Wissenschaft und Wirtschaft zusammenzubekommen. Genau darum kümmert sich die Provendis GmbH, die auf der Schloßstraße ihren Sitz hat. Die Gesellschaft berät die Hochschulen in NRW: Wenn ein Wissenschaftler eine Erfindung gemacht hat, dann hilft Provendis dabei, diese Innovation gewinnbringend für die Hochschulen zu vermarkten. „Wir wollen dazu beitragen, dass das Innovationspotenzial der Hochschulen und Forschungseinrichtungen wirtschaftlich ausgeschöpft wird, indem dieses Wissen von Unternehmen genutzt wird“, erläutert Marion Kubitza die Aufgabe von Provendis. „Wir verstehen uns als Bindeglied zwischen Hochschulen und Wirtschaft.“

Insgesamt 14 sogenannte Innovationsmanager arbeiten in der Gesellschaft: Sie sind Wissenschaftler, kennen aber auch den jeweiligen Markt. Sie prüfen, ob sich eine Patentanmeldung wirklich lohnt. Die kostet nämlich Geld, zwischen 3000 und 5000 Euro muss man allein für die Anmeldung zahlen. Dann können noch weitere Kosten entstehen, weit über 10 000 Euro. Der genaue Betrag richtet sich danach, ob das Patent sich nur auf Deutschland oder einen internationalen Markt bezieht. „Wir überprüfen, wie groß die Chancen sind, dass die Erfindungen sich tatsächlich auf dem Markt behaupten können.“ Je nach Fachbereich fallen die Bedingungen unterschiedlich aus: Bei den Lebenswissenschaften, zum Beispiel bei einer pharmazeutischen Innovation, kann es fünf bis acht Jahre dauern, bis das neue Medikament tatsächlich auf den Markt kommt.

Berührungsängste abbauen

Bei technischen Entwicklungen geht es schon schneller. Mit der Patentanmeldung endet aber noch nicht die Beratung von Provendis. „Wir helfen sowohl bei der Kontaktaufnahme, als auch bei den Vertragsverhandlungen mit der Industrie.“ Wie mögliche Lizenzeinnahmen gezahlt werden, richtet sich ganz nach der Erfindung. Bei technischen Innovationen etwa kann die Stückzahl eine Bezugsgröße darstellen, bei einem neuen pharmazeutischen Verfahren hingegen wird man sich auf potenzielle Erträge beziehen.

Eine gute Zusammenarbeit besteht auch mit der Hochschule Ruhr-West. Ein Schwerpunkt der Beratung liegt nämlich auch darauf, den Hochschulen dabei zu helfen, eine Strategie zu entwickeln, wie Erfindungen ihr Profil schärfen können. Marion Kubitzas Erfahrung ist, dass die junge Wissenschaftlergeneration sehr aufgeschlossen ist.Mittlerweile gebe es kein Lagerdenken mehr, hier die Wissenschaft, dort die Wirtschaft. Heute denke man in Netzwerken.

Seit zwei Jahren bietet Provendis auch kleinen und mittelständischen Unternehmen ihre Dienste an. „Die sind zurückhaltender bei Kooperationen mit Hochschulen. Man glaubt, dass sei eher für die Konzerne interessant. Doch das ist nicht so. Wir bauen Berührungsängste ab.“ Davon profitierten beide Seiten, denn am Ende stehe oft ein fruchtbarer Austausch: „Es kann vorkommen, dass Leute aus der Forschung in die Unternehmen wechseln.“ So findet der Wissentransfer dann auch ganz persönlich statt