Der neue Verehrer trug sie sofort auf Händen

Hildegard und Dieter Heßler kamen 1950 „schwarz“ über die damalige Zonengrenze und landeten in Mülheim.
Hildegard und Dieter Heßler kamen 1950 „schwarz“ über die damalige Zonengrenze und landeten in Mülheim.
Foto: FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
Das Mülheimer Ehepaar Hildegard und Dieter Heßler begeht seine Eiserne Hochzeit und erinnert sich...

Mülheim.. Am morgigen Donnerstag begehen Dieter und Hildegard Heßler ihre Eiserne Hochzeit. Das Paar aus Styrum, 84 und 88 Jahre alt, hat einen langen Weg gemeinsam bewältigt, der schon vielversprechend begann. Denn gleich bei ihrer ersten Begegnung, im Oktober 1949, trug er sie auf Händen.

Es geschah auf dem Erfurter Petersberg, wo sich in einem Kellergeschoss die Küche der Volkspolizei befand. Dieter Heßler, gelernter Metzger, hatte dort eine Anstellung gefunden, seine spätere Frau suchte Arbeit und wollte sich vorstellen. Da gerade geputzt wurde, der Boden nass war, nahm er sie auf den Arm – und verabredete nach eigener Aussage gleich das erste Rendezvous.

"Schwarz" über die Zonengrenze

Hildegard Heßler, die das Kriegsende in Königsberg erlebt hatte, war auf dramatischem Fluchtweg nach Thüringen gelangt, bereits geschieden und Mutter einer kleinen Tochter, die bei der Oma lebte. „Mein Mann wollte sofort heiraten“, erinnert sie sich an den stürmischen Beginn ihrer Beziehung, „aber er war noch keine 19.“ Und damit nach den Vorschriften der gerade gegründeten DDR zu jung. Am 27. Mai 1950 feierte Dieter Heßler seinen 19. Geburtstag, gleich am folgenden Tag vermählte sich das Paar, sie trug einen Brautstrauß aus roten Pfingstrosen und weißem Flieder.

Im August gingen sie „schwarz“ über die Zonengrenze, wobei ein Kollege von der Volkspolizei ihnen Rückendeckung gab: „Er verriet uns, wann Wachablösung war.“ Nach Mülheim zogen sie, weil dort ein Onkel von Dieter Heßler lebte, kinderlos, im eigenen Haus, „er konnte uns dann zwar nicht helfen, aber trotzdem sind wir in der Stadt geblieben.“ Nach längerer Suche fand Dieter Heßler Arbeit in einer Broicher Wurstfabrik, später im Betrieb des damaligen Innungsmeisters.

Nach Mallorca ausgewandert

Seine Frau holte ihre Tochter nach Mülheim, gemeinsame Kinder haben sie nicht. Eine weitere Wendung nahm ihr Leben 1969, als Dieter Heßler in Holland einen Unfall erlitt, der zur Berufsunfähigkeit führte. Er machte sich selbstständig mit einem mobilen Fischverkauf, „das lief gut“. Auf der Sonnenseite befand sich das Ehepaar, nachdem es 1991 nach Mallorca ausgewandert war. „Eine sehr schöne Zeit“, die leider 2002 endete, da sie aus gesundheitlichen Gründen zurückkehren mussten.

Auch die Eiserne Hochzeit wird das Paar nicht feiern können: Dieter Heßler muss den Tag, wie so viele, bei der Dialyse verbringen,