Der Künstler und sein Modell

Die Portraits von Fotograf Ralf Raßloff wirken immer ein wenig wie aus der Zeit gefallen. Die Gesichter erscheinen stilisiert wie in einem altertümlichen Portrait und doch handelt es sich um Personen der Gegenwart, wie an Details deutlich erkennbar ist: Tätowierungen und Piercings zieren die Haut, am Handgelenkt ist eine sportliche Uhr zu sehen und die schlichte Kleidung ist auch gegenwärtig. Sie erinnern an das Bild eines alten Meisters für die Gegenwart.

Es überrascht also nicht, dass sie in der Ausstellung Cranach 2.0 zu sehen ist, die bis zum 5. Juli in der Exerzierhalle in der Lutherstadt Wittenberg gezeigt wird. Eine erfreuliche Überraschung ist es aber dennoch, dass Raßloff den mit 3000 Euro dotierten Sonderpreis der Ausstellung gewonnen hat - den zweiten Preis, der in Verbindung mit der Ausstellung vergeben wird. Über 600 Bewerbungen wurden eingereicht 63 Künstler sind dann mit 70 Exponaten für die Ausstellung ausgewählt worden, von der eine Auswahl im Juli dann in der Cranachstadt Kronach präsentiert wird. Darunter zwei seiner Arbeiten. Referenz erwiesen wird mit der Ausstellung Lukas Cranach dem Jüngeren, dessen Geburtstag sich in diesem Jahr zum 500. Mal jährt, der allerdings stets im Schatten seines Vaters stand, von dem die bekannten Renaissance-Portraits von Luther und seinen Zeitgenossen stammt.

„Pia“ und „Hardy“ sind nun in Wittenberg zu sehen. Letzterer ist der Künstlerkollege Hardy Bock, der hier mit weit aufgeknöpftem Hemd, dunkler Kappe und weißen Hosenträgern posiert. Raßloff hat die Personen mit stets ähnlicher Pose inszeniert. Eine Hand in der Herzgegend, die andere im Schritt. Doch die Geste ist nie gleich. So fasst Hardy forsch in den Stoff, während Pia scheu und schreckhaft die Hand auf ihre Herzgegend und mit der anderen ihre Scham bedeckt. Es geht schon um Begehren, Sexualität und die damit verbundene Körpersprache. „Die Erregung der Seelen beim Streben nach Glück“ hat der 50-Jährige die bislang sechsteilige Serie genannt, die er in einem Großformat (152 mal 100) auf Büttenpapier gedruckt hat. Zwei weitere Portraits komplettieren die Serie. Alle Personen schauen irgendwie verklärt am Betrachter vorbei ins Leere. Bei Hardy lohnt der genaue Blick, um zu sehen wie die Struktur des Unterhemdes mit der der Tätowierung korrespondiert. Die Intensität des Blicks hat der Photkünstler noch dadurch gesteigert, dass er die Pupillen aufhellt und sie intensiv weiß erscheinen.

Raßloff bearbeitet die Fotos, bittet seine Modelle ungeschminkt in Atelier zu kommen, sorgt dafür das die Haut makellos gereinigt erscheint und greift einen Farbwert aus der Iris aus, um aus diesem Ton den Hintergrund zu machen, wofür die Figur dann aufwändig freigestellt werden muss. Gut 50 Aufnahmen macht der Fotograf dann pro Sitzung, wie er erzählt, bis der Blick und die Pose passen.

Demnächst werden auch zwei Arbeiten von Ralf Raßloff bei der Ausstellung in der Ludwiggalerie in Oberhausen zu sehen sein: „Geformte Landschaft“, ab 10. Mai; Auch am Kaufhof-Parkhaus sind Arbeiten von ihm zu sehen.