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Klimapolitik

Der Klima-Stadtplan für Mülheim kommt

30.08.2011 | 18:27 Uhr
Der Klima-Stadtplan für Mülheim kommt

Mülheim.Mülheim wäre es gerne gewesen: Innovation City, die deutsche Stadt mit dem Vorzeigeviertel für Klimaschutz und Energieeffizienz. Doch Bottrop wurde auserkoren, und so schaut Mülheim etwas neidvoll an die Emscher, wo mit Hilfe des Initiativkreises Ruhrgebiet die „Energiewende vor der Haustür“ in den nächsten Jahren stattfindet, mit Millionen-Investitionen.

Waren in Mülheim die monatelangen Bemühungen, Berechnungen und Planungen zur Klimastadt an der Ruhr vergeblich? Keineswegs, betont die Umwelt- und Planungsdezernentin Helga Sander. „Wir machen weiter, als wären wir es geworden.“ Die Ziele blieben schließlich.

Halbierung bis 2050

Über allem steht die Marke: Klimaschutz durch Reduzierung des Kohlendioxid-Ausstoßes. „Wir wollen den Ausstoß bis zum Jahr 2020 um 30 bis 40 Prozent in Mülheim verringern, bis 2050 soll die heutige Menge des Treibhausgases halbiert sein.“

Die Energiewende vor der Haustür, sie wird in Mülheim stadtweit derzeit errechnet. Hatte man für die Bewerbung als Innovation City sich ein Plangebiet von 1300 Hektar mit 57 000 Bewohnern herausgenommen und dafür alle Berechnungen zum Energieverbrauch und zum Klimaschutz angestellt, so soll Ende des Jahres für die gesamte Stadt eine derartige Analyse vorliegen – der energetische Stadtentwicklungsplan.

Größte Chancen im Immobilienbereich

Jener sperrige Begriff ist aus Sicht der Dezernentin die Basis für alle künftigen Maßnahmen. Es ist eine Art Klima -Stadtplan, der datailliert ausweist, wo durch Gebäude-Isolierung, durch neue Heizsysteme, durch Wärmerückgewinnung, durch Blockheizkraftwerke, aber auch durch ökologisches Bauen, eine bessere Grünplanung, durch Renaturierung sowie durch eine verbesserte ÖPNV-Anbindung der CO2-Ausstoß spürbar abgesenkt werden kann. Im Immobilienbereich, im Altbestand, sieht die Stadt die größten Chancen, die Energieeffizienz zu steigern.

Auch durch Solaranlagen auf dem Dach. 126 solche Anlagen wurden im vergangenen Jahr auf Mülheimer Dächern installiert, ein flächendeckendes Solarkataster liegt längst für das gesamte Stadtgebiet vor. Jeder kann sich für sein Haus vorrechnen lassen, was ihm eine Solaranlage bringt.

Pilotanlage am Hans-Böckler-Platz

Viele kleine Windkraftanlagen auf den Dächern waren ebenfalls ein Ziel in der Bewerbung als Innovation City. Möglich, dass schon bald auf dem Dach des Technischen Rathauses am Hans-Böckler-Platz eine Pilotanlage errichtet wird. „Wir wollen im September im Umweltausschuss mögliche Planungen dazu vorlegen“, sagt Helga Sander.

Die Medl, die Wohnungsbaugesellschaften MWB und SWB sowie das Handwerk hebt Sander als starke Partner hervor, ebenso die Firma Menerga. In der Bevölkerung gilt die Unterstützung für die städtischen Klimaziele ohnehin als hoch. Die Politik wird man brauchen, um in den nächsten Jahren doch an den einen oder anderen Fördertopf zu kommen, was als ausgewählte Innovation City einfacher wäre, so Helga Sander.

Vieles ist noch Theorie

Vieles ist noch Theorie. Dabei soll von dem energetischen Stadtentwicklungsplan eines Tages jeder Bürger profitieren. Broich/Speldorf möchte die Umweltdezernentin als Pilotgebiet nutzen. „Dort könnte eines der ersten Klima-Center oder Klima-Cafés entstehen, wo sich Bürger beraten lassen können“: Was kann ich vor meiner eigenen Haustür zur Energiewende beitragen, was muss ich ich investieren, was kann ich am Ende an Einsparungen erwarten?

Wer Wind sät, wird Strom ernten

Lohnt sich für mich ein Elektrofahrzeug? Ein Mini-Heizkraftwerk? Ein Windrad auf dem Dach? Doch zunächst geht es um die Frage: Wie lässt sich so ein Center in Mülheim finanzieren? Zumindest die CDU ließ vor der Sommerpause durchblicken, dass sie nicht für alles, worauf Klimaschutz steht, auch bereit ist zu bezahlen.

Andreas Heinrich

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