Den eigenen Stadtteil als Tourist erkunden

Speldorf..  Wer mit Ute Möhlig vom Speldorfer Bürgerverein einen Streifzug durch ihren Stadtteil macht, erfährt viel Interessantes über Speldorf. Historisches wie auch Aktuelles. Ute Möhlig kennt den Stadtteil wie ihre Westentasche – sie kann zu jeder Straße, jedem Gebäude eine Geschichte erzählen.

Seit 27 Jahren lebt sie mit ihrer Familie in Speldorf, seit zwölf Jahren ist sie Vorsitzende des Bürgervereins. „Jeder sollte mal Tourist im eigenen Stadtteil werden und ihn richtig kennenlernen“, sagt Ute Möhlig. „Nicht nur wissen, wo der nächste Supermarkt ist oder wo es zur Autobahn geht.“ Denn viele Speldorfer, die schon lange dort wohnen, würden die schönsten Ecken ihres Stadtteils gar nicht kennen.

Geschäftesterben auch in Speldorf

Um den Speldorfern, aber auch Besuchern aus anderen Stadtteilen, die Geschichte Speldorfs näher zu bringen, hat der Bürgerverein bereits im März diesen Jahres das Mobile Museum Speldorf ins Leben gerufen. 16 Stelen informieren in Schaufenstern und Geschäftsräumen über insgesamt vier Themenbereiche der Speldorfer Historie.

Ein großes Thema in Speldorf ist wie auch in der Mülheimer Innenstadt das Geschäftesterben. Noch in den 60er Jahren reihten sich Geschäfte und Kneipen aneinander. Wie zum Beispiel die legendäre Kneipe „Heideröschen“, an der eigentlich kein Speldorfer vorbei kam. „Wer in Speldorf wohnte, war mit allem versorgt und musste aus dem Stadtteil eigentlich gar nicht raus“, weiß Ute Möhlig. „Es war ein Selbstversorgerstadtteil mit einem sehr ländlichen Charakter.“ Erst in den 70er Jahren begann sich das Bild des Stadtteils zu ändern, als die Großbauernfamilie Flocken ihren Betrieb aufgab. Mehr und mehr wandelte sich Speldorf zu einer Wohnstadt. Große Duisburger Firmen kauften Bauland und errichteten Werkswohnungen für ihre Mitarbeiter. Schon damals hatte Mülheim den Ruf einer grünen Stadt, Firmen wollten ihren Mitarbeitern das Wohnen in einem gesunden Umfeld mit guter Luft ermöglichen.

Heute erinnern noch die wilhelminischen Bauweisen vieler Häuser an den Wandel und den Tod der kleinen Geschäfte in den Erdgeschossen, wo heute normaler Wohnraum zu finden ist. Besonders gerne geht Ute Möhlig durch die Lutherstraße spazieren, wo fast alle alten Häuser noch erhalten sind und liebevoll gepflegt werden. „Baulich hat Speldorf eine breite Palette zu bieten“, so die Vorsitzende des Bürgervereins. „Bei uns sind auch noch viele Fachwerkhäuser erhalten geblieben.“

Gegen Fracking

Ute Möhlig und ihre Mitstreiter im Verein schauen aber auch über den Tellerrand bzw. die Stadtteilgrenzen hinaus. Das Thema „Fracking“ beschäftigt viele Bürgervereine, so auch den in Speldorf. „Es ist egal, ob im Münsterland oder in Saarn gebohrt werden soll“, so Möhlig. „Wir stellen uns alle gemeinsam dagegen, die letzten Gasressourcen aus dem Boden zu quetschen, obwohl doch die erneuerbaren Energien so auf dem Vormarsch sind.“ In Sachen Fracking arbeiten daher viele verschiedene Bürgerinitiativen Hand in Hand. Der neue Gesetzesentwurf ärgert Ute Möhlig maßlos, denn sie sieht darin keine Einschränkung, sondern eher eine Fracking-Erlaubnis. „Gefährdung und Nutzen sollten einfach mal in Relation gestellt werden“, sagt die Fracking-Gegnerin. „Zum Beispiel die Gefährdung von Trinkwasser, man weiß ja gar nicht, was da alles passieren kann.“ Bereits 2011 haben die Bürgerinitiativen links der Ruhr eine Unterschriftenaktion gegen das Fracking gestartet.

Über 500 Unterschriften

Innerhalb kürzester Zeit kamen über 500 Unterschriften zusammen. „Wir waren schon erstaunt, wie viele Menschen sich schon damals mit dem Thema beschäftigt und auseinandergesetzt hatten“, sagt Ute Möhlig. „Es ist ein wichtiges Thema, denn wir haben ja auch eine Verantwortung gegenüber den nachfolgenden Generationen.“ Deshalb hält sie es für wichtig, das Thema weiterhin präsent zu halten. „Es geht nicht nur um eventuelle Probebohrungen in Mülheim, sondern um das Thema Fracking generell – deshalb bleiben wir da auf jeden Fall am Ball.“