Den beruflichen Neuanfang wagen

Schülern stellt man diese Frage: „Was möchtest du werden, wenn du groß bist?“ Aber was, wenn man bereits groß ist? Erwachsene ohne Ausbildung, Menschen, die sich eine längere Auszeit vom Job genommen haben oder sich eine berufliche Veränderung wünschen, nimmt die Agentur für Arbeit verstärkt in den Blick (wir berichteten). Beim Infonachmittag „Fit für die Zukunft – vom Helfer zur gesuchten Fachkraft“ informierte das Team unterstützt von Bildungsträgern nun über Möglichkeiten, Zukunftsberufe und Finanzierung. Doch nicht nur die Fachleute kamen zu Wort. Claudia Kempkens gab Einblick in ihren Werdegang, denn sie wagte einen Schritt, den viele scheuen: Sie fing mit Anfang 30 beruflich noch mal ganz neu an.

Claudia Kempkens ist mit einer klaren Botschaft in die Agentur für Arbeit an der Kaiserstraße gekommen: „Habt Mut! Akzeptiert nicht immer das erste Nein!“ Diese Sätze glaubt man der 34-Jährigen. Im Gespräch ist zu spüren: Sie weiß, was sie will und setzt sich dafür ein. Fehlende Angst vor Veränderungen zeigt auch ihr Berufsweg, der mit einer Ausbildung zur Fachkraft für Post- und Frachtverkehr begann und sich dann in eine ganze andere Richtung entwickelte. „Ich habe gekellnert. Ich habe Versicherungen verkauft“, zählt sie etwa auf. Zuletzt arbeitete sie zwölf Jahre bei einem Telekommunikationsunternehmen im Verkauf. Glücklich war sie dort zuletzt aber nicht mehr. Doch sich das einzugestehen, war ein Prozess, der erst durch Veränderungen im Unternehmen angestoßen wurde. Am Ende stand für sie die Erkenntnis: „Ich möchte einen Job machen, bei dem ich in den Spiegel gucken kann.“

Anregung durch die Familie

Das führte sie in den sozialen Bereich – denn sie hat beste Beispiele direkt in der Familie: „Meine Frau und ihr gesamtes Umfeld ist in der Altenpflege tätig.“ Also suchte sie sich einen Praktikumsplatz und fand tatsächlich statt eines Berufs eine Berufung: „Altenpflege ist mein Weg und meine Zukunft.“ Der Kontakt mit pflegebedürftigen Menschen, das Ehrliche und Authentische begeistern sie. Dafür nimmt sie auch ein geringeres Gehalt in Kauf. Stattdessen setzt auf den Mangel an Fachkräften in diesem Bereich.

Ihre Umschulung zur Altenpflegehelferin hat die Mutter eines sechsjährigen Sohnes abgeschlossen. Nun schließt sie eine Weiterbildung zur examinierten Fachkraft in der Altenpflege an. Dazu nimmt sie am Programm „Weiterbildung Geringqualifizierter und beschäftigter älterer Arbeitnehmer in Unternehmen (WeGebAU)“ der Agentur für Arbeit teil. Das fördert Menschen, die von ihrem Arbeitgeber für die Dauer der Qualifizierung unter Fortzahlung des Arbeitsentgelts freigestellt werden.

Und eben diese Botschaft ist die zweite wichtige, die Claudia Kempkens hier gerne vermitteln möchte: „Wenn man fragt, bekommt man mehr Unterstützung als man meint.“