Demenz aus Sicht einer Betroffenen aus Mülheim

Viktoria von Grone (li.) und Claudia Thoelen kamen persönlich zur Ausstellungseröffnung in der Sparkasse. Die Fotos, so von Grone, seien eine Chance zu sagen: „Ich bin noch da.“ Bis 29. April sind die Bilder zu sehen.
Viktoria von Grone (li.) und Claudia Thoelen kamen persönlich zur Ausstellungseröffnung in der Sparkasse. Die Fotos, so von Grone, seien eine Chance zu sagen: „Ich bin noch da.“ Bis 29. April sind die Bilder zu sehen.
Foto: Michael Dahlke
Was wir bereits wissen
Viktoria von Grone erhielt mit 57 Jahren die traurige Diagnose. Die Ausstellung „Was gut für mich ist“ zeigt beeindruckende Fotos und Texte von ihr.

Mülheim.. Auf den Tag vier Jahre war es am Freitag her, dass sich die Fotografin Claudia Thoelen aus Hamburg und die Ex-Grundschullehrerin Viktoria von Grone aus Duisburg erstmals begegnet sind. „Der Beginn einer Freundschaft“, so sagte Thoelen gestern bei der Eröffnung der Ausstellung „Was gut für mich ist“ in der Sparkasse am Berliner Platz – und der Beginn einer außergewöhnlichen Zusammenarbeit. Von Grone, demenzkrank, und Thoelen, seit Jahren journalistisch mit dem Thema befasst, beschlossen, ein Buch zu schreiben und eine Ausstellung zu konzipieren. „Und zwar weitgehend aus Sicht der Betroffenen“, so Thoelen.

Ein ungewöhnlicher, mutiger Ansatz, der darin mündete, dass Thoelen und von Grone, die ihre Diagnose mit gerade 57 Jahren erhalten hatte, anfingen zu wandern: durch Duisburg, Mülheim, Essen, Hamburg. Während der Spaziergänge suchten sie nach Orte und Gegenständen, die von Grone auf besondere Art und Weise ansprachen, nach Plätzen und Dingen, durch die sie symbolisch ihre Gefühle der Krankheit gegenüber ausdrücken konnte. In der Sparkasse hängt ein Bild von ihr in einem See: das Gesicht unter Wasser, einzig ein Stück Ohr, die Stirn, die Haare sind zu sehen. Oder ein Bild auf dem Kunstwerk „Tiger & Turtle“, welches einer Achterbahn gleicht.

„Es sind nachdenkliche, teils widersprüchliche Momente“

„Es sind nachdenkliche, teils widersprüchliche Momente“, sagt Thoelen, die die Demenz „nicht mit Schokoguss“ zeigten. Doch zwischendrin, in den Texten von Grones, findet sich auch Ermutigendes. „Abseits des geraden Weges mache ich jetzt, was für mich gut ist“, heißt es. Oder: „Ich bin gerne auf Kongressen aufgetreten“ – nach der Diagnose. Das habe ihr das Gefühl gegeben, „du bist zwar krank, aber kannst noch was bewegen“. Klar wird: Von Grone, die in Duisburg die Selbsthilfegruppe „Dementi“ gegründet hat, war und ist ein lebensbejahender Mensch, der so lang wie möglich selbstbestimmt weitermachen will. Wie gut ihr das Fotografiertwerden getan hat, erzählt die Frau, die mittlerweile im Fliedner-Dorf in Selbeck lebt, selbst: „Ich fand das schön. So weiß ich, ich bin noch da, ich bin noch wer – für das Ego ist das gut.“

Alle 3,2 Sekunden, so hieß es bei der Eröffnung der vom Demenz-Servicezentrum Westliches Ruhrgebiet initiierten Ausstellung, erkrankt weltweit ein Mensch an Demenz; in Mülheim lebten rund 3000 Menschen mit der Diagnose.

Dass Viktoria von Grone die Öffentlichkeit so offen an ihrem Schicksal teilhaben lässt, beeindruckte unter anderem Annette Sommerhoff, Vorsitzende der Alzheimer Gesellschaft Mülheim: „Danke für Ihre berührenden, ermutigenden Bilder, die uns einladen, hin- und nicht wegzuschauen.“ Es gehe nach wie vor darum, „Tabus abzubauen, Unterstützung aufzubauen und Menschen mit Demenz sowie ihre Angehörigen in die Mitte zu nehmen“.