Dean Luthmann zieht einen Schlussstrich

Dean Luthmann hat jetzt einen Schlussstrich gezogen und sein kleines Kellertheater affabile endgültig geschlossen. Den Mietvertrag mit der Stadt kündigt er zum 30. April. „So weh es auch tut, das Kellertheater ist dann ab 1. Mai geschlossen“, sagt er und man merkt, wie schwer ihm der Entschluss fällt. Denn damit hat der 69-Jährige mit seiner Frau Simone den Traum vom eigenen Theater, auch wenn es kein eigenes Haus war, sondern nur ein Kellerraum unter dem Jugendheim ist, ausgeträumt. Was bleibt sind Schulden und Erinnerungen.

Als Theatermann mit Leib und Seele macht der gebürtige Berliner natürlich weiter, wird seine Programme als Gastspiele präsentieren: etwa in der Fünte oder im Lezginka, dem ehemaligen Schifferhaus an der Löhstraße oder wohin auch immer ihn der Zufall so hin verschlägt. Dann aber mit festem Eintrittsgeld und nicht mehr mit frei nach Gusto. Er ist froh, dass ihm Frank Bruns in der Fünte Auftrittsmöglichkeiten bietet. Wohin das führt, wird man sehen.

Mit einem kurzweiligen Wilhelm-Busch-Programm, dem bislang 33 weitere folgten, hat er Anfang der 90er Jahre begonnen, und dabei mit seinen Kalenderblättern auch den Blick auf vergessene Autoren gerichtet. Er war nach Mülheim gekommen, weil Roberto Ciulli seine Neugier geweckt hatte.

Im Laufe der Jahre erlebte er aber zahlreiche Rückschläge, Enttäuschungen und Probleme, die er mit ungebrochenem Humor nahm. „Wir haben uns nicht unterkriegen lassen und unermüdlich gearbeitet“, sagt er. Darunter waren zwei Einbrüche 2007, die großen Schaden anrichteten, drei Überschwemmungen und insgesamt sechs Umzüge. Im Laufe der Jahre hat er sich in seinem knapp 20 Sitzplätze zählendem Theater ein treues Stammpublikum erarbeitet. „Die Stadt täte gut daran, alles zu unternehmen, um das „theater affabile“ zu erhalten“, schrieb ein Gast aus Hattingen vor einigen Monaten.

Das Genick gebrochen hat ihm schließlich der Pfingststurm Ela, der aus Gullys und durch die undichte Kellertür und die Abflüsse hunderte Liter Wasser und Schlamm drückte. Frank Buchwald, Leiter des für die städtischen Immobilien zuständigen Amtes signalisierte Hilfe, ließ aber zunächst nur Industrietrockner bereitstellen.

Manche sagen, Luthmann, der sich bei den MBI engagiert, sei in der falschen Partei. Da mag etwas dran sein, es ist aber auch so, dass er nicht als Bittsteller auftreten mag und als Bürgermeisterin Margarete Wietelmann von den Problemen hörte, setzte sie sich für ihn ein. „Plötzlich kommt einiges in Bewegung, das zuvor nicht möglich erschien“, staunte der Theatermann damals. Von August bis März wurde ihm dann die Grundmiete von 198 Euro für die knapp 100 Quadratmeter erlassen, die Nebenkostenpauschale von 222 Euro musste er auch für den ungenutzten Räume zahlen. Auch die Miete erscheint zu hoch. „Ohne das Theater wären die Räume nur als Lager zu nutzen“, schrieb ein treuer Besucher. Aber Luthmann war in einer Notlage, als er den Vertrag unterschrieb.

Die angekündigte Handwerker ließen immer wieder auf sich warten. Seit dem Sturm hat er sich intensiv bemüht, die Voraussetzungen für einen Spielbetrieb zu schaffen. „Es ist uns aber einfach nicht möglich, das wirtschaftlich auszugleichen“, stellt er ernüchternd fest. Inzwischen habe er zwei Garagen als Lagerräume angemietet, in denen Bühnenbauteile, Technik, Kostüme und Werkzeug untergebracht werden. Intensiv hat er gerechnet, alle Argumente abgewogen. Es führte kein Weg an der Schließung vorbei.