Davidstern und Eisernes Kreuz

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Ein Vortrag über Deutschland und seine jüdischen Soldaten rundet die Ausstellung über Mülheim im Ersten Weltkrieg im Haus der Stadtgeschichte ab. Letzter Ausstellungstag ist Freitag, 30. Januar. Unter dem Motto „Davidstern und Eisernes Kreuz: Mit Gott für König und Vaterland“ spricht der Historiker und Publizist Dr. L. Joseph Heid von der Universität Duisburg am Donnerstag, 29. Januar, 19 Uhr, im Vortragssaal an der Von-Graefe-Straße 37.

Erstmals im März 1813 beteiligten sich in Preußen-Deutschland Juden als Soldaten am Krieg. Sie eilten freiwillig zu den Fahnen, um sich gegen die napoleonische Besatzung zu erheben. Damit begann eine 100-jährige deutsch-jüdische Militärgeschichte, die bislang historisch ein Schattendasein geführt hat. Eine Besonderheit war die jüdische Militärseelsorge, die in der deutschen Heeresorganisation weder im Kriege noch im Frieden vorgesehen war. Im August 1914 hoffte die große Mehrheit der deutschen Juden, durch ihre patriotische Überzeugung in die Gesellschaft eingegliedert zu werden. Allein im Ersten Weltkrieg zogen etwa 100 000 jüdische Soldaten – der größte Teil freiwillig – für das kaiserliche Deutschland ins Feld. Das Vaterland hat es ihnen wenig gedankt. Im Gegenteil: Auf antisemitischen Druck kam es im Oktober 1916 zur sog. „Judenzählung“, mit deren Hilfe das Kriegsministerium den Anteil der Juden an der Front nachprüfen ließ – und damit die deutsch-jüdischen Soldaten stigmatisierte.