Dauerbaustelle Schwimmbäder

M an kann nur hoffen, dass das Baden in Ruhr demnächst frei gegeben wird. Ansonsten fällt das, was die Stadt ihren Bürgern an Badevergnügen anbieten kann, äußerst bescheiden aus – gerade im Sommer.

Als hätte die Stadt in ihrer Bäderlandschaft noch nicht genug Probleme, muss jetzt auch noch der Sprungturm als Aushängeschild des einzigen Freibades geschlossen werden. Und ob das Wennmann-Bad, das durch ein verschiebbares Dach geöffnet werden kann, in den nächsten Monaten mängelfrei bleibt, ist angesichts der jüngsten Diagnose dort auch nicht sicher.

Mülheim bietet wie kaum eine andere Stadt den Bürgern jenseits der Ruhr sehr wenig Wasserfläche. Der Mangel ist seit langem bekannt. Sicher: Zum Glück hat die Stadt nicht wie andere Kommunen im Ruhrgebiet in den 60er und 70er Jahren wie wild Bäder errichtet, die sich später als unbezahlbar erwiesen und nun geschlossen werden müssen. Doch die Weitsicht des Stadtrates reichte nicht so weit, um zu erkennen: Das Wenige in Mülheim ist schlicht zu wenig – für Leistungssportler, Schüler, Freizeitschwimmer.

Besonders ärgerlich ist, dass das Wenige nicht so gepflegt wurde, dass es auch funktionierte. Eine umfassende Sanierung hat es nie gegeben. Vielleicht fehlte auch der Mut, in die Tiefe der Begutachtungen zu gehen, um sich zu hohe Kosten vom Leib zu halten. So wurde immer nur mal hier mal da repariert, und das an Bauten, die unter höchsten Belastungen stehen. Bäder sind nun mal in der Unterhaltung die mit teuersten Häuser, erst recht, wenn diese in die Jahre kommen.

Die Politik klagt nicht zu ersten Mal: Sanieren nimmt kein Ende, und immer mehr fragen sich: Wäre ein Neubau nicht billiger (gewesen). Langfristig sicherlich. Doch hier zeigt sich erneut das Dilemma der armen Kommunen wie Mülheim, die die Millionen nicht haben und sich kurzfristig gerade mal die nötigsten Reparaturen leisten können. Langfristig fahren sie damit sehr teuer.

Im Heißener Bad, ein Fass ohne Boden, stellt sich die Frage Neubau oder Sanierung wieder. Und links der Ruhr, wo es überhaupt kein Bad gibt, liegt in Kürze ein Konzept für ein neues Bad auf dem Tisch – quasi aus Bürgerhand. In der Bäderpolitik steht Mülheim vor einer spannenden Weichenstellung.