Das Schloss schluckt Millionen

Die Restaurierung eines Baudenkmals ist an manchen Stellen wie ein Fass ohne Boden. „13 Tonnen Beton und Mörtel sollten einen Teil der Ringmauer neben dem Eingang stützen. 25 Tonnen sind dann hineingeflossen“, sagt Inge Kammerichs, Geschäftsführerin der Mülheimer Stadtmarketing und Tourismus GmbH (MST). „Der Geldfluss auf der Rechnung erhöhte sich entsprechend.“ Den Rückschlägen begegnen sie und ihr Team mit kreativer Kraft. Kräftige Unterstützer sind dazu die Schlossretter – Spender, die die Sanierung mit finanzieren, weil sie sich mit Schloß Broich verbunden fühlen.

4,5 Millionen Euro – oder mehr – sollen nach Abschluss der Arbeiten verbraucht und das historische Ensemble für die nächsten Generationen gesichert sein. Vor Ende ihrer Amtszeit möchte die Schloss-Chefin das Projekt fertig sehen. Der Zeitplan birgt viele Unbekannte: Sind es auf der Baustelle zugemauerte Fenster, bisher unzugängliche Gewölbe oder Hohlräume, die sich hinter bröckelnden Fassaden überraschend auftun, sind es bei der Finanzierung zahlreiche Vorschriften, die den notwendigen Geldfluss für das Schloss hemmen.

„Viele Stellen haben uns bereits mit Summen geholfen, die andere Städte nicht abgerufen haben“, betont Inge Kammerichs. „Aber jetzt haben wir fast alle Fördermöglichkeiten ausgeschöpft. Weil aus dem Landes- und Bundestöpfen nicht mehr so viel zu erwarten ist, brauchen wir noch viele Schlossretter“, wirbt die MST-Geschäftsführerin.

Teile des Broicher Schlosses bilden den ältesten erhaltenen frühmittelalterlichen Wehrbau der späten Karolingerzeit nördlich der Al-pen. Die erste Burg dient zur Sicherung der Ruhrfurt am Hellweg. Stetig ausgebaut, wird sie im September 1443 von 20 000 Mann bela-gert, beschossen und stark zerstört. Ein Jahr später ist die Instandsetzung erledigt – für 6000 Rheinische Goldgulden.

Es folgen zahlreiche Besitzerwechsel und bauliche Änderungen. Eisbahn- und Straßenbau rauben dem Schloss große Teile der Außenanlagen. Das ehemalige Torhaus steht wenige Meter vor dem Anbau der RWW-Verwaltung.

Hätte die MST heute Rheinische Goldgulden, könnte mit diesem Schatz das Ensemble in zwei Jahren in seiner Substanz komplett gefestigt strahlen. „So schnell wird es nicht klappen“, sagt Heike Blaeser-Metzger, Prokuristin der MST. Sie und Inge Kammerichs spüren aber die „große Verbundenheit der Mülheimer mit ihrem Schloss“.

Etliche Meter Ringmauer wackeln noch bis zur Sanierung. Der Torbogen und die Fassade zur Straße sind bereits fertig. Und: Zum ersten Mal werden alle Arbeiten und Entdeckungen im Schloss dokumentiert.