Das Ringen um die neue Sportstätte

Die Sportvereine erhöhen den Druck auf die Stadt, die Millionen-Förderung des Landes für eine neue Dreifach-Turnhalle nicht auszuschlagen. „Die Sporthalle ist von existenzieller Bedeutung“, sagte der Team-Manager des HTC Uhlenhorst, Horst Stralkowski, im Gespräch mit der Redaktion. Einen eindringlichen Appell richtete der Manager an Politiker und Stadtverwaltung, auch den sozialen, jugendpolitischen und pädagogischen Wert einer solchen Einrichtung zu sehen.

Mit 4,8 Millionen Euro will das Land die Sporthalle und damit das Sportgymnasium NRW, die Luisenschule, fördern. Doch nicht nur die Kinder und Jugendlichen dieser Schule würden profitieren, sondern auch Vereine und andere Schulen. Mit der Dreifachhalle bekäme die Stadt mehr Sportfläche, die sie dringend benötigt. Allerdings: Die Stadt müsste einmalig einen Eigenanteil von 1,2 Millionen Euro stemmen – plus jährlich die laufenden Kosten, die mit rund 400 000 Euro beziffert werden. Gerade das bereitet dem Kämmerer große Probleme. Woher nehmen?

Man könne, so Stralkowski, auch eine Gegenrechnung aufmachen mit den Kosten, die die Stadt tragen muss, wenn Kinder und Jugendliche auf eine schiefe Bahn gerieten. „Der Sport“, sagt der frühere Sport- und Sozialdezernent Wilfried Cleven (MSB), „ist das größte Jugendzentrum der Stadt.“ Auch er erinnert Richtung Politik an das soziale Gewicht von Sport und plädiert für die Halle – auch angesichts eines Mangels von sechs derartigen Sportstätten in der Stadt.

Hanns-Peter Windfeder, Hockeytrainer, Unternehmer und Sprecher der Mülheimer Wirtschaft, fordert eine klare Prioritätensetzung. Eine weitere Sporthalle hält er für sinnvoll und erforderlich. „Es zeigt sich hier und bei vielen anderen Dingen leider immer wieder, dass in Mülheim keine Prioritäten gesetzt werden.“ Priorität, so Windfeder, bedeute aber auch, an anderer Stelle zu streichen. Dazu sei Mut nötig. Auch der Sprecher der Wirtschaft verweist auf die soziale Bedeutung des Sports, der gerade in benachteiligten Stadtteilen wie Eppinghofen und Styrum eine große Hilfe sein könne.

Im Rahmen der monatelangen Debatte zu der Frage, was ein Leitbild für Mülheim sein könne, wurde der Sport als eines der Markenzeichen herausgearbeitet. Ziel: Angebot stärken. Doch das, so Windfeder, müsse sich auch in den Entscheidungsprozessen der Politik und im Alltag widerspiegeln. Schul- und Sportdezernent Ulrich Ernst äußerte sich inzwischen „hoffnungsfroh“: Es gebe zwei, drei gute Ideen, um das Projekt doch noch zu finanzieren. „Wir stecken in der Prüfung.“

Im März will er den Politikern einen Vorschlag unterbreiten. „Aus sportfachlicher Sicht wäre es unglaublich toll, wenn wir dieses Projekt in Mülheim realisieren könnten“, sagt Ernst und berichtet, dass inzwischen andere Städte in Mülheim anfragen, was man tun müsse, um so ein Vorhaben vom Land finanziert zu bekommen.