Das Nachtleben von einst

Sage mir, in welche Disco du gehst und ich sage dir, wer du bist. Ein nicht zu verachtender Nebenaspekt: Es kommt natürlich darauf an, mit wem man geht. Dieses Mal geht es hier also auch um die Liebe. Wenngleich nur indirekt - aber im Hintergrund eben doch. Das mag auch die Leidenschaft erklären, mit der sich die Mitglieder der „Du weißt“-Gruppe (rund 13700 Mitglieder) in der vergangenen Woche über die Disco-Szene von einst ausgetauscht haben. Es war ein bisschen so wie beim Klassentreffen. Namen wurden genannt - nicht nur als Twen ist es wichtig, das man die richtigen Leute aus der Szene kennt. Auch die Generation 50 plus hat, wie man an diesem Beispiel sieht, ihre Freude daran, durch Namedropping sich des eigenen Status auf dem Dancefloor zu vergewissern.

Twen - so hieß in der Tat die angesagte Disco, sie befand sich auf der Bachstraße. Aber das war natürlich nicht alles. Das Mülheimer Vergnügungsviertel erstreckte sich noch weiter. Direkt daneben war das Jobs, in der Altstadtgasse befand sich das Mirage und direkt darüber der Scotch Club. Und am Handelshof konnte man schließlich das Campain besuchen. Dass das Mülheimer Nachtleben einmal so vielfältig war, kann man fast gar nicht glauben, wenn man sich die heutige Situation anschaut Allerdings ist diese Zeit der 70er und 80er Jahre auch, wie eine Kommentatorin schreibt, „auch schon 100 Jahre her“. Allerdings merkt man den über 80 Beiträgen an, dass diejenigen, die hier schreiben, sich nicht nur in Nostalgie üben wollen, sondern durchaus auch jetzt noch ausgehwillig sind. Aber - so der Tenor - sie finden nicht die passenden Lokalitäten.

Zur Gastronomie vor Ort gibt es schon seit längerer Zeit eine eigene Facebook-Gruppe. Den Gastro-Blog Müheim, mit immerhin 234 Mitgliedern. Allerdings herrscht dort schon seit längerer Zeit eher gähnende Leere. Lediglich eine Gaststätte hat in den letzten Tagen regelmäßig dieses Forum genutzt. Es liegt vielleicht auch daran, dass die meisten gastronomischen Betriebe mittlerweile ein eigenes Facebook-Profil haben und dort für sich werben. Interessanter wären allerdings ja auch eher die Kritiken der Gäste. Vielleicht ändert sich das ja noch einmal

Um Vergnügen geht es aber nicht nur in der Kneipe, sondern auch im Karneval. Und so ist mittlerweile auch in der Gruppe „Karneval in Mülheim“ (405 Mitglieder) - der Rosenmontag ist schließlich nicht mehr fern - in den letzten Tagen mehr Leben eingekehrt. Aber neben Veranstaltungshinweisen dominiert auch dort eher die Nostalgie. So werden Fotos von alten Sitzungen gepostet. Und man bekommt auch Fotos von Tanzmariechen und Gardegruppen zu sehen.

Früher war alles besser? Zumindest wohl für viele vergnüglicher.