Das Leben ist reines Theater

Theaterzuschauer sollten sich nicht wundern, wenn eines Tages bei einer Inszenierung am Theater an der Ruhr ein kleiner pummeliger Mann die Szene betritt und ungeachtet eines lebhaften Gesprächs am Nachbartisch seelenruhig seine Arbeit verrichtet. Er wird seinen Teleskopstab ausfahren, an dessen Ende sich ein merkwürdiger Korb befindet, den er unter die Decke hält. Er will die Gruppe nicht stören, tut aber durch sein selbstverständlich wirkendes Handeln und seine merkwürdige Apparatur genau das. Eine groteske Szene, die sich am Raffelberg kürzlich bei einem Pressegespräch ereignete und die Beteiligten zwar aus dem Konzept, aber auch zum Lachen brachte. Wie sich herausstellte, kontrollierte der Mann nur die Brandmeldeanlage.

Aber auf solche Ideen käme man gar nicht, wenn man sie nicht erlebt hätte. Die Realität selbst produziert immer wieder die absurdesten Momente. Die schrillsten Zitate sind Zitat. Die Realität scheint kreativer als die Fantasie. Solche Dinge wahrzunehmen und zu speichern, erfordert Gespür. Der Regisseur Woody Allen sammelt seine Ideen, die ihm entweder im Schlaf kommen oder die er in der Realität erlebt, in seinem Nachttisch. Vor einem Filmprojekt sichtet er sie und überlegt, woraus er seine Geschichte entwickeln kann.

Wir wissen ja nicht, wie Roberto Ciulli seine Ideen hortet, in diesen Zusammenhang passt aber eine Episode von Billy Wilder. Eines Nachts sei er aufgeregt mit der besten Idee für einen Film aufgewacht und habe sie auf einen Zettel notiert. Am nächsten Morgen habe er sich an nichts mehr erinnern können und interessiert auf den Zettel geschaut. Da standen nur drei Wörter: „Boy meets Girl.“