Das Lagerfeuer im Mülheimer Medienhaus erlischt

Lothar Dizer war einer der Künstler, der bei der Konzertreihe aufgetreten ist. Das Lagerfeuer ist künstlich, das Publikum singt trotzdem mit.
Lothar Dizer war einer der Künstler, der bei der Konzertreihe aufgetreten ist. Das Lagerfeuer ist künstlich, das Publikum singt trotzdem mit.
Foto: Michael Dahlke
Was wir bereits wissen
  • Die Konzerte waren fast immer ausgebucht
  • Bibliotheksleiterin war zufrieden, hat aber auch schon neue Pläne
  • Klaus Schlichte tritt weiter mit den „Energy Converters“ auf

Mülheim..  Noch einmal werden sich die Fans um die aufgeschichteten Scheite scharen, noch einmal vergnügt altbekannten Songs lauschen, noch einmal mitsingen aus vollem Halse: Dann geht die Veranstaltungsreihe „Am Lagerfeuer“ nach vier Jahren zu Ende. Dem Medienhaus hat sie verlässlich alle paar Monate ein volles Haus beschert. Veranstalter Klaus Schlichte fürchtete zuletzt trotzdem, das Interesse könne nachlassen. Er entschied: Mit dem 4. November ist Schluss.

2013 war die Reihe an den Start gegangen; „Herr Schlichte hatte damals bei uns angefragt, ob wir Mülheimer Bands nicht eine Bühne bieten könnten“, so Claudia vom Felde, Leiterin der Stadtbibliothek. Man probierte es aus, bemerkte im Nu: Die Idee geht auf. So wurde die Organisation professioneller, etablierte sich die Reihe. „Fast jedesmal kamen um die 200 Besucher“: das Maximum. Bei jedem der bislang 14 Konzerte traten mehrere Musiker am künstlichen Lagerfeuer auf, präsentierten eine Handvoll Songs.

Auf Stühlen, an Stehtischen wurde geträllert, geklatscht, getanzt

Die Texte der zumeist populären Lieder liefen über Leinwände, motivierten zum Mitsingen. Auf Stühlen, an Stehtischen wurde geträllert, geklatscht, getanzt. Der Eintritt war frei, der Hut ging rum, bescherte den Künstlern ein gewisses Auskommen. „Es ist supergut angekommen“, so vom Felde, „wir hatten eine tolle Zeit mit zufriedenem Publikum.“ Unter den Zuhörern waren etliche Wiederholungstäter.

Allzu traurig, dass der Spaß ein Ende hat, ist die Bibliotheksleiterin trotzdem nicht: „Es ist in Ordnung, dass die Reihe jetzt erst einmal Ruhe hat.“ Eventuell tue sich ja noch etwas, finde man noch einen Nachfolger. Wenn nicht, sei das auch nicht allzu dramatisch: Die Vorbereitung eines jeden Freitagabends sei „sehr aufwändig“ gewesen. „Und wir haben auch eigene Ideen, wollen jungen, neuen Bands ein Forum geben.“ Genaueres könne sie derzeit noch nicht sagen, „das Kind hat noch keinen Namen“.

Zum fünften Mal Opa geworden

Apropos Kind: Klaus Schlichte (66) ist gerade zum fünften Mal Opa geworden. Auch sein Engagement als Großvater ist ein Grund, warum er die beliebte Veranstaltungsreihe drangibt. „Es hat wirklich Spaß gemacht, das alles zu organisieren“, doch bei der letzten Veranstaltung seien erstmals nur 100 Besucher gekommen und im Hut fanden sich nur 260 Euro. Das sei für ihn ein Zeichen gewesen. Außerdem sei es nicht immer ganz einfach gewesen, Bands zu finden, die ins Programm passten. Der Entschluss also stand.

Der Musikszene bleibt Schlichte trotzdem erhalten: als Mitglied der Coverband „Energy Converters“, einer Gruppe, die eng verbandelt ist mit dem Max-Planck-Institut für Chemische Energiekonversion. Am benachbarten Institut der Kohlenforschung hat Schlichte – seines Zeichens Diplom-Ingenieur der Fachrichtung Chemie – bis 2012 insgesamt 42 Jahre lang gearbeitet, unter anderem bei Prof. Dr. Ferdi Schüth die Wasserstoffspeicherung in Metallsystemen untersucht.

Schlagzeuger ein Leben lang

Bislang war der Hobbymusiker – „Schlagzeugspielen hat mich mein Leben lang begleitet“ – auch in der Band „The Amazing Years“ tätig. Da ein Daumen nicht mehr so funktioniert wie gewünscht, musste er dieses Freizeitvergnügen an den Nagel hängen. „Dreieinhalb Stunden am Stück Schlagzeug spielen, das geht nicht mehr.“ Schlichte, der als Mitglied der „Meet the Beatles“-Coverband einst sogar mit Smokie und den Rattles aufgetreten ist, hat mittlerweile die Cajón für sich entdeckt.

Ihn live erleben, das geht trotzdem noch von Zeit zu Zeit. Zum Beispiel am 19. November, 20 Uhr, mit den Energy Converters im Schilderhaus. Da teilt er sich den Job mit einem anderen Schlagzeuger.