Das Kunstmuseum ist ein Haus für die Bürger

Beate Reese, Leiterin des Kunstmuseums Mülheim
Beate Reese, Leiterin des Kunstmuseums Mülheim
Foto: WAZ
Was wir bereits wissen
Als Anlaufstelle hat sich das Kunstmuseum stärker geöffnet. Viele Schul- und Bildungspartnerschaften. Die Klimaanlage wird derzeit erneuert.

Mülheim..  In der Alten Post wird derzeit die Klimaanlage repariert. Deshalb ist die aktuelle Schwarmkunst-Ausstellung mit weniger empfindlichen Werken ausgestattet. Ein Schlaglicht auf das Jahr wirft Museumsleiterin Dr. Beate Reese, verbunden mit einer kleinen Rückschau. Als Beate Reese im Juli 2009 im Kunstmuseum anfing, stand sie mitten in einer Baustelle.

Über fünf Jahre später bleibt das Kunstmuseum „Baustelle“: Auf Platz 3 der Prioritätenliste wurden für die Erneuerung der Klimaanlage und Brandschutz bis 2018 rund 8,2 Mio Euro im Haushalt veranschlagt. Wie ist der Sachstand?

Das ist sicherlich Thema im nächsten Kulturausschuss. Die Klimaanlage wird erneuert, sie ist jetzt 20 Jahre alt und damit ist die Lebenszeit einer Klimaanlage beendet. Und es muss auch noch in anderer Hinsicht saniert und nachgebessert werden. Das wird jetzt auf die politische Ebene gebracht und muss danach geplant werden.

Wenn die Klimaanlage derzeit abgeschaltet ist, nimmt dann die Kunst keinen Schaden?

Nein, wir schalten nur die Klimaanlage im Erdgeschoss ab, ansonsten läuft alles, auch oben in der Sammlung. Es handelt sich nur um einen Ausstellungsbereich, nicht um das ganze Museum. Ich hoffe, dass die Klimaanlage Anfang März wieder voll funktionsfähig ist, weil wir im Erdgeschoss Picasso zeigen, unsere Suite Vollard.

Ein kurzer Rückblick: Was stand alles an in den letzten Jahren?

Die Situation war relativ instabil, als ich 2009 kam, sowohl was die Baustelle, als auch was die Finanzierung des Museums betraf. Das hat natürlich dazu geführt, dass ich viel Arbeit in die Konsolidierung des Hauses investiert habe.

Was wurde unternommen?

Wir haben mit dem Förderkreis eine Stiftung gegründet. Und wir haben viel stärker mit der Sammlung gearbeitet, um den Bürgern zu zeigen: das ist auch öffentlicher Besitz und darüber kann man sich freuen. Wir sind kultureller Nahversorger, ein Haus, was eingebunden ist in verschiedene Communities der Stadt, Schul- und Bildungspartnerschaften hat. Die Bereiche kulturelle Bildung und Vermittlung haben wir sehr gestärkt. Auch mit dem neuen Projekt, dem Brückenschlag zur Camera Obscura. Ein neues Projekt für Vorschulen und Kindertagesstätten mit der Stiftung Sammlung Ziegler läuft wieder an.

Haben sich die Aufgaben eines Museums verändert?

Das Museum ist Anlaufstelle und ein Einstieg in die Kultur. Wir haben Partnerschaften mit Schulen, die sehr viele verschiedene Nationen haben. Wo der Museumsbesuch eine Möglichkeit ist, überhaupt mal andere Orte in der Stadt kennenzulernen. Oft ist es so, dass mit den Kindern die Eltern kommen. Wir haben erstmals ein Elterncafé mit der Zunftmeisterschule gemacht, wo auch Flüchtlingsfamilien dabei waren. Mit großem Erfolg. Der Bedarf ist da, ein Stück weit Integrationsarbeit zu leisten, andere Räume zu eröffnen.

aben die Bemühungen der letzten Jahre Früchte getragen?

Die Arbeit, die das Team und ich in den letzten Jahren geleistet haben, ist eine Basis. Mit Blick auf die Zukunft, sich neuen Herausforderungen zu stellen. Welchen Beitrag wir zum Hochschulstandort leisten können. Die Studenten sind für uns ein wichtiges Publikum. Mit neuen Angeboten und Vermittlungsformaten gehen wir in der zweiten Jahreshälfte an den Start.

Gibt es weitere Kooperationen?

Ja, auch eine engere Zusammenarbeit mit dem Max-Planck-Institut ist geplant. Über Ziegler und die Sammlung gibt es ja auch einen historischen Bezug.

Wie schafft man es, mit immer weniger Etat ansprechende Ausstellungen zu machen?

Die Macke-Ausstellung im letzten Jahr war eine Ausnahme, weil sie im Wesentlichen von der Stiftung Sammlung Ziegler gefördert worden ist und sie auch die Mittel dafür zur Verfügung gestellt hat. Normalerweise setzt uns die Politik den finanziellen und personellen Rahmen, mit der eine Macke-Ausstellung gar nicht machbar ist. Andererseits ist es natürlich eine politische Entscheidung: Wir haben alle gesehen, wie belebend diese Ausstellung für die gesamte Innenstadt und für Mülheim war. So können wir nur in dem engen Rahmen agieren: Das sind ca. 70 000 Euro im Jahr, wovon wir auch die Restaurierung und Öffentlichkeitsarbeit finanzieren. Die große Sammlung mit wirklich großen Namen muss gepflegt und betreut werden. Zusätzlich werben wir Mittel ein. Wir müssen bei Ausstellungen fragen, passt das zu uns, können wir Mittel einwerben und gibt es Kooperationen. Das ist der andere Bereich, der vermehrt aufgebaut worden ist, dass wir bundesweit Partner und Kooperationen mit anderen Museen haben. Im Mai steht das große China-Projekt an, da freuen wir uns wahnsinnig, dabei zu sein. Dieses China-Projekt ist ein Ergebnis der Vernetzung, die über die Ruhr-Kunst-Museen geleistet worden ist