Die Mülheimer Mädels und das Estragon-Huhn

Und oben drauf noch Estragon!
Und oben drauf noch Estragon!
Foto: WAZ FotoPool
Was wir bereits wissen
Wenn Linda Deckers sich mit ihren Freundinnen trifft, geht’s mit Vorliebe zusammen an den Herd. Ein Rezept von Tante Christa steht dabei hoch im Kurs.

Mülheim.. Was kochen wir? Mit dieser Frage beginnt fast jeder „Mädel-Abend“ von Linda Deckers und ihren Freundinnen. Patty und Julia gehören dazu – mit ihnen hat sie vor 25 Jahren an der Willy-Brandt-Schule angefangen – und weitere Bekannte. „Früher war es Pflichtprogramm, sich einmal wöchentlich zu treffen.“ Im Fernsehen lief Ally McBeal oder Sex and the City, die Mädels quatschten und griffen zum Kochlöffel. Heute arbeiten einige, andere haben Kinder, „so sind wir nur noch alle zwei, drei Wochen zusammen“, bedauert die 34-Jährige. Dann aber geht’s nach wie vor an den Herd. Und immer wieder will eine der Frauen unbedingt „den Knaller schlechthin“ zubereiten: Hähnchen in Estragon-Sauce.

Woher das beliebte Rezept stammt? „Wenn mich nicht alles täuscht“, so erzählt Linda Deckers, „hat meine Tante Christa, eine begnadete Köchin, das einst kreiert.“ Linda war zu jener Zeit „vielleicht acht oder neun“, und quasi sofort süchtig danach. Das ging der Verwandtschaft ähnlich: „Das Gericht tauchte ab dem Zeitpunkt immer wieder in der Familie auf.“ Bei Feiern wurden das Hähnchen und die „sauleckere“ Sauce einfach auf riesigen Blechen serviert. Und dazu gab es – und gibt’s bis heute – Salat und extra viel Brot zum Dippen.

Bevor’s ans Dippen geht, geht’s in die Küche

Bevor’s ans Dippen geht, geht’s in die Küche: Hähnchenschenkel und -brust liegen seit einer Stunde in der wohlriechenden Marinade, die unter anderem mit frischen Estragonzweigen zubereitet wurde. Mitsamt der Sauce und den Zweigen geht das Hähnchen ab in den Ofen: für rund eine halbe Stunde, bei Umluft und 200 Grad.

30 Minuten und ein nettes Pläuschchen später holt Deckers das knackig-knusprige Fleisch wieder hervor. Die Sahne-Knoblauch-Sauce muss ja noch dran. „Mindestens 25 Umdrehungen aus der Salzmühle und 15 aus der Pfeffermühle gehören da rein“, dazu Muskat, Paprika und wieder Estragon, diesmal auf gerebelte Art. „Und, weil ich es gern scharf mag, Cayenne-Pfeffer.“ Linda Deckers hat noch eine Faustformel für die Sauce: „eine Knoblauchzehe pro Person und eine für den Topf“. Ein Liter Sahne landet darin, später noch Crème fraîche. Der Auflauf geht weitere 20 Minuten in die Röhre.

„Manchmal“, sagt Linda Deckers, während es minütlich besser und besser riecht, „sagen wir beim Mädel-Abend: Jetzt müssen wir diäten.“ Dann gebe es etwa Lachs mit Rucola, so die Sekretärin. Ihr Freund Massimo (34), den sie vor Jahren als Flugbegleiterin am Dortmunder Flughafen kennen gelernt hat, freut sich übrigens auch immer auf den Mädel-Abend: „Weil ihr mir ja immer etwas übrig lasst. . .“

Und so geht’s: Das Rezept und seine Zutaten

Hähnchen-Schenkel mit Haut und Hähnchenbrust gern ohne für rund eine Stunde einlegen: in einer Marinade aus Salz, Pfeffer, Paprikapulver, Olivenöl, Sojasauce und frischem Estragon. Anschließend mit allem drum und dran für 30 Minuten bei 200 Grad in den Ofen. Die Sauce zubereiten aus einem Liter Sahne, viel Knoblauch, Salz, Pfeffer, Paprika, Muskat, gerebeltem Estragon und – bei Bedarf – Cayenne-Pfeffer. Die Sauce langsam übers Hähnchen gießen und den Auflauf noch mal 20 Minuten überbacken. Dann einen Becher Kräuter-Crème-fraîche oben darüber verteilen und eventuell erneut in den Herd schieben. Servieren, Salat dazu reichen und viel Baguette zum Tunken. Wer mag, kann Reis oder Rösti dazu essen.

Für vier Personen: 4 Hähnchenteile, Estragon, Salz, Pfeffer, Paprikapulver, Öl, Sojasauce, 1 Liter Sahne, 5 Zehen Knoblauch, Muskat, 1 Becher Crème fraîche, Brot, Salat