„Beamtenstippe“: Ein Familienessen, das alle mögen

Das traditionelle Familienessen mögen auch die Enkelkinder von Bärbel Kuhl (stehend) gern.
Das traditionelle Familienessen mögen auch die Enkelkinder von Bärbel Kuhl (stehend) gern.
Foto: FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
Für unsere Serie „Das isst der Pott“ kochte unsere Leserin Bärbel Kuhl aus Mülheim ihr Familiengericht: „Beamtenstippe“.

Mülheim.. Wenn bei Kuhls zu Hause „Beamtenstippe“ auf den Tisch kommt, sitzt gern die ganze Familie um denselben. So ist es auch an dem Tag, an dem die WAZ-Redaktion in Holthausen mit dabei sein darf.

Bärbel Kuhl hat den Tisch für acht gedeckt, und alle lassen es sich schmecken. Der älteste Enkel Jonas (8) sagt zwischen zwei Löffeln: „Das ist viel besser als Pizza!“

Beamtenstippe hat bei den Kuhls Tradition: Ein beliebtes Familienessen, das bereits in der fünften Generation gern gegessen wird. Heute hat Bärbel Kuhl den großen Bräter genommen, um fast drei Pfund Mett und Zwiebeln darin anzubraten. Mit der Sauce, die später als Einbrenne – als klassische Mehlschwitze mit Milch und Wasser – gekocht wird, braucht man schon ein größeres Gefäß. „Für vier Personen reicht aber eine einfache Pfanne und etwa drei Viertel Pfund Mett oder Gehacktes“, sagt Bärbel Kuhl, die wie viele Köchinnen mit langjähriger Erfahrung die Zutaten gern „frei Schnauze“, also ohne präzise Mengenangaben, bemisst. Aber die Soße lässt sich ja beliebig „verlängern“ oder eben mit Soßenbinder eindicken. Routiniert sitzt da jeder Handgriff, Bärbel Kuhl ist es gewohnt, für eine große Familie zu kochen.

„Beamtenstippe“ kannte schon Bärbel Kuhls Großmutter, die aus Egeln bei Magdeburg stammte. In der großen Mittagessenrunde am Tisch entsteht eine rege Diskussion, woher das Wort Beamtenstippe denn wohl kommt. „Der Name Beamtenstippe entstand in früheren Jahren, als die Beamten noch mit einem kleinen Salär auskommen mussten“, erklärt die Köchin. „Am Monatsende war ja kaum noch Geld vorhanden.“ Wir essen auch heute dazu Pellkartoffeln, Gurkensalat und Rote Bete. „Das hatte früher jeder in seinem Schrebergarten“, sagt Bärbel Kuhl. „Und im Winter gab es eben eine Gewürzgurke dazu.“ Die uns jetzt auch sehr gut dazu schmeckt.

Rezept wurde über Generationen weitergegeben

Bärbel Kuhls Kinder, Sohn Oliver Kuhl und Tochter Meike Hahn, kochen die Beamtenstippe längst selbst für ihre eigenen Kinder, die mit am Tisch sitzen und gut zugreifen. Vor allem bei der Sauce, die kräftig gewürzt ist. Richtig lecker ist die, zusammen mit zerquetschten Pellkartoffeln und zwischendurch noch der säuerlich-fruchtige Geschmack von Gurke und Roter Bete. Das Essen ist gehaltvoll, macht gut satt und die Redakteurin konnte problemlos aufs Abendessen verzichten. Das Rezept stammt halt aus der schönen Zeit vor der Erfindung des Kalorienzählens.

Und so geht’s: Rezept und Zutaten

Margarine in einer nicht zu kleinen Pfanne zerlassen und das Mett/Hackfleisch aus dem Papier ins Fett zupfen und anbraten. Die klein gewürfelten Zwiebeln zugeben und mitbraten. Bräunen lassen und mit ca. 1 EL Mehl bestäuben. Umrühren und Milch und Wasser zugeben, so dass eine Sauce entsteht. Ist sie zu flüssig, kann sie später mit Soßenbinder gebunden werden. Wer mehr Sauce möchte, nimmt einfach mehr Milch/Wasser dazu. Würzen nach Geschmack mit gekörnter Brühe und weißem Pfeffer.

Wenn man die Pellkartoffeln aufsetzt und dann mit der Soße beginnt, ist das Essen nach 30 Minuten fertig. Dazu passt Rote Bete und ein Salat aus fein geschnittener Gurke, angemacht mit Olivenöl, Zi­trone, Dill, Salz und Pfeffer.

Für 4: ¾ Pfund Mett oder Gehacktes halb/halb, 2-3 kl. Zwiebeln, Mehl, Wasser, Milch, Pfeffer weiß, gekörnte Brühe, Soßenbinder dunkel. Beilagen: Pellkartoffeln, Rote Bete, Gurkensalat