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Das Café ist Herzenssache

11.07.2012 | 18:36 Uhr
Das Café ist Herzenssache
Brigitte Ruß hat sich mit ihrem Laden „Mölmsche Leckereien“ einen Lebenstraum erfüllt. Foto: Fabian Strauch

Mülheim. Marmelade hat Brigitte Ruß schon immer gerne gekocht. Die hat sie so lange cremig gerührt, dass alle, die davon gekostet haben, mehr wollten. „So habe ich meine Marmelade dann auf Märkten verkauft“, sagt die Gründerin. Am zweiten Abend auf dem Adventsmarkt in der Altstadt waren die 280 Gläser ausverkauft. Da wurde ihr klar, dass sie das Geschäft größer aufziehen muss. Mit dem Café „Mölmsche Leckereien“ hat sich Brigitte Ruß im September 2010 den Traum vom eigenen Lädchen erfüllt.

Am Schlossberg 19 in Broich sitzen die Gäste am Bistrotisch draußen vor dem Laden in der Sonne, trinken Kaffee und genießen ein Stück Kuchen. Drinnen rührt Brigitte Ruß in einem Kochtopf mit dampfender Marmelade. Das kleine Lokal ist liebevoll dekoriert, mit Marmeladen- und Likör-Gläschen in den Regalen, kleinen Accessoires in den offenen Schränken – ein Café mit Charme. Die 55-Jährige legt den Kochlöffel beiseite und setzt sich an einen der Holztische. Eine ruhige Frau, die lauter wird, wenn sie von ihrer Leidenschaft erzählt: selbstgemachten Leckereien, Marmeladen, Kuchen, Kekse.

„Den Unterschied schmeckt man gar nicht.“

Das Besondere daran ist nicht nur der Geschmack, sondern auch deren Inhalt. Denn: „Unsere Backwaren sind gluten- und laktosefrei.“ Von den fünf frischen Kuchen, die jeden Tag angeboten werden, seien mindestens vier ohne Weizenmehl oder Milch gebacken. „Ich leide selbst an einer Laktose-Intoleranz und einer Gluten-Unverträglichkeit“, erklärt Brigitte Ruß. Da es in anderen Lokalen selten mehr als einen Kuchen ohne Gluten oder Laktose zur Auswahl gab, wollte sie Abhilfe schaffen. Die Alternativen werden zum Beispiel mit Reis- oder Maismehl gebacken, seien es Obst- oder Käsekuchen, Torten oder Kekse. „Den Unterschied schmeckt man gar nicht.“

Auch die Marmeladen enthalten Besonderes: „Wir fügen immer spezielle Zutaten hinzu, etwa Chili oder auch Prosecco.“ Gekocht wird jeden Tag, auch der Backofen läuft täglich auf Hochtouren. Denn mittlerweile ist der Laden stets gut gefüllt, die Kunden kommen nicht nur aus dem Stadtteil, sondern sogar vom Niederrhein bis nach Mülheim, um die besonderen Backwaren zu probieren.

Eigenes Konzept durchziehen

Das war nicht von Anfang an so. Sich mit einem eigenen Geschäft selbstständig zu machen, war keine einfache Entscheidung, sondern auch ein Risiko. In einem Gründerinnen-Seminar habe sie sich Tipps geholt und erfahre bis heute Unterstützung. Selbstständig zu sein strengt an, das weiß Brigitte Ruß aus Erfahrung. „Man braucht viel Durchhaltevermögen.“ Auch wenn es Durststrecken zu überwinden gebe, möchte sie ihrer Linie treu bleiben. „Ich versuche, weniger zu schauen, was die Konkurrenz bietet, sondern mein eigenes Konzept beizubehalten.“

Wo sieht sie die Mölmschen Leckereien in zehn Jahren? „Ich hoffe, dass wir dann eine feste Adresse in Mülheim sind, mit festen Mitarbeitern, die nicht nur auf Minijob-Basis arbeiten.“ Aber sie möchte realistisch bleiben. „Ich kann keine großen Sprünge machen.“ Dafür sei die Arbeit im eigenen Laden aber eine Herzenssache, „die ich so schnell nicht aufgeben möchte“.

Kristina Mader

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