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HAUSHALT

„Dann haben wir ein Problem“

07.05.2010 | 11:10 Uhr
„Dann haben wir ein Problem“

Das Haushaltsziel des Kämmerers ist praktisch nicht mehr zu erreichen. Am besten 61, mindestens aber 52 Millionen Euro wollte Uwe Bonan aus dem städtischen Etat für dieses Jahr herausholen, ungefähr gleichgewichtig aus Kürzungen und Steuererhöhungen.

Drei Wochen vor der entscheidenden Abstimmung im Stadtrat ist das nach dem derzeitigen Stand der Dinge unmöglich. Zwar hat keine Fraktion ein endgültiges Konzept, sind viele Detailfragen offen. Die politische Arithmetisch aber gibt die Summe nicht mehr her. Drei Beispiele machen das deutlich:

Bäderschließungen: Etwa zwei Millionen Euro wollte die Stadtverwaltung aus der Schließung von Wennmann-Bad und Naturbad Styrum einsparen. Das dürfte vom Tisch sein. Nachdem sich bislang SPD und FDP für das Wennmann-Bad ausgesprochen haben, verweigert jetzt auch die CDU ihr Ja. Das käme „nicht in Frage“, sagte Fraktionsgeschäftsführer Hansgeorg Schiemer, fügte aber hinzu, dass man bei den Verhandlungen mit den Schwimmvereinen betreffs einer Übernahme „am Ball bleiben“ müsse. Der Pferdefuß für den Haushalt: Die Vereine erhielten einen Kostenzuschuss der Stadt. Und wie weit der unter dem jetzigen Ausgabeposten von 1,5 Millionen Euro liegt, ist fraglich.

Ähnlich die Situation beim Naturbad, allerdings mit anderen Mehrheiten. Die SPD sieht in dem Bad einen Schrecken ohne Ende und will „Nägel mit Köpfen machen“, wie Fraktionschef Dieter Wiechering sagte. CDU, Grüne, Linke, FDP sagen Nein zur Schließung, schlagen knappere Öffnungszeiten und höhere Preise vor und kommen so noch auf einen Zuschuss von 150 000 Euro, der bei der Stadt hängenbleibt. Die Stadtverwaltung wollte mit der Aufgabe eine halbe Million Euro erzielen. Abgelehnt.

Kunstmuseum: Da nähert sich die Absage an einen für 2013 angepeilten Ausstieg der Einstimmigkeit. Vielleicht auch angesichts von 12 000 Protestunterschriften fällt das Nein zu eingesparten 1,2 Millionen Euro klar und deutlich aus. Wiechering wundert sich sogar, warum der Punkt überhaupt Aufnahme fand. Schließlich sei die Stadt vertraglich verpflichtet, die Sammlung Ziegler zu zeigen und zwar entweder im Kunstmuseum oder in einem anderen „adäquaten Gebäude“. Allerdings: In Detailfragen besteht durchaus Spielraum. Die CDU beispielsweise bringt im Komplex Kultur höhere Mieteinnahmen durch das Medienhaus ins Spiel, Wiechering redet musealen Kooperationen mit anderen Städten das Wort. Die pauschale Kürzung aber ist: abgelehnt.

Steuern: FDP, MBI und CDU haben sich gestern festgelegt (s. „Drei gegen Eine“): Nein. Besser: So nicht. Die Proportionen zu den Kürzungen stimmten nicht, sagte etwa Schiemer. Ähnlich argumentierte bereits die Bezirksregierung, die in ihrem Zwischenzeugnis für Stadtverwaltung (die NRZ berichtete) leise an die Kommunalverfassung erinnerte. Die sieht vor, dass vor dem Dreh an der Steuerschraube erst Gebühren und Beiträge ausgeschöpft sein müssen. Nun könnte dem Mülheimer egal sein, ob er durch Eintrittspreise und Verwaltungsgebühren oder Steuer-Euros belastet wird.

Interessant aber ist, dass auch die SPD den Steuerdreh so nicht mitmacht - nach einer ganz anderen Logik als das ungewohnte Dreierbündnis. Wiechering geht davon aus, dass durch politische Forderungen (siehe Bäder, siehe Museum) die 61 Millionen Euro ohnehin verfehlt werden. Die Summe, die dann noch bis 52 Millionen Euro Luft ist, „die nehmen wir bei den Steuererhöhungen weg“. Und wenn die Politik durch ihre Vorstellungen per se bei oder unter 52 Millionen Euro landet? „Dann haben wir ein Problem“, sagte Wiechering offen.

Genau danach sieht es aus. Die Grünen beispielsweise rechnen damit, dass „eine Vier vorne steht“. Immerhin stünden unter denn 197 Sparvorschlägen etliche kleinere Posten, die „nicht mehrheitsfähig „ sind, etwa die Einschnitte für die Schuldnerberatung (40 000 Euro). Und: Der Vorstoß von CDU, FDP und MBI, die Verwaltung möge noch mehr sparen, könnte sich zum einen als weiße Salbe entpuppen - weil die Beamten ohnehin schon drei Monate lange alles durchforstet und zu eben genau 197 Vorschlägen willens und in der Lage waren. Und zum anderen - in einer hochbrisanten Debatte landen. So weit die Nennung städtischer Töchter auf Verkauf, mithin Privatisierung deutet, „steht uns allen da noch ein Tanz bevor“.

Detlef Schönen

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Kommentare
20.05.2010
13:50
Blockierter Kommentar.
von SJansen | #8

Dieser Kommentar wurde von einem Moderator blockiert.

08.05.2010
22:39
„Dann haben wir ein Problem“
von so isses | #7

6
Können tut man wohl, nur wollen tut man nicht.
Verdi läßt grüßen.

08.05.2010
16:25
„Dann haben wir ein Problem“
von QuoVadisMuelheim | #6

(...)die Beamten ohnehin schon drei Monate lange alles durchforstet und zu eben genau 197 Vorschlägen willens und in der Lage waren(...) Die Betonung liegt da wohl auf willens! Wer sägt schon geren den Ast ab, auf dem er sitzt! In der Stadtverwaltung gibt es so einige Posten, die erst kürzlich geschaffen wurden und durchaus mehr als entbehrlich sind. Aber man kann ja nicht die eigene Sippschaft wieder vor die Türe setzen, gell?

07.05.2010
21:18
„Dann haben wir ein Problem“
von Heinz | #5

Ob Banker, Steuerhinterzieher oder Spekulanten - auch ohne die hätten unsere Ratsmitglieder nie und nimmer die notwendigen Sparbeschlüsse gefasst. Das trauen sie sich nicht und sind ihrer eigenen Klientel verhaftet. Wer traut sich schon einzugestehen, dass vehement geforderte und durchgezogene Projekte sich im nachhinein als falsch und zu teuer herausgestellt haben ?

Hoffentlich kommt bald der Sparkommissar und nimmt das Ruder in die Hand.

07.05.2010
18:27
„Dann haben wir ein Problem“
von StadtMenschMH | #4

a href=http://www.handelsblatt.com/politik/deutschland/beispiel-muelheim-tricksen-tarnen-wie-kommunen-gegen-leere-kassen-kaempfen;2575555 Beispiel Mülheim: Tricksen, tarnen – wie Kommunen gegen leere Kassen kämpfen /a

07.05.2010
18:24
„Dann haben wir ein Problem“
von StadtMenschMH | #3

Heute im Handelsblatt:
Beispiel Mülheim:
Tricksen, tarnen – wie Kommunen gegen leere Kassen kämpfen
http://www.handelsblatt.com/politik/deutschland/beispiel-muelheim-tricksen-tarnen-wie-kommunen-gegen-leere-kassen-kaempfen;2575555

07.05.2010
13:17
„Dann haben wir ein Problem“
von mdarge | #2

Bitte nicht zu Tode sparen. Wo ist das Problem? Dank unverantwortlicher Banker und Steuerhinterziehung in Griechenland und aggressiven Spekulanten gegen den Euro, drohen dem Staat Mindereinnahmen von 40 Milliarden Euro. Die sollen jetzt vom kleinen Mann geholt werden.

Das nächste Mal, wenn ich auf der Hohensyburg Millionen verliere, wende ich mich auch an den Steuerzahler, mir den Verlust zu ersetzen.

Mülheim spart. Nicht erst für den Haushalt 2011, sondern schon seit Jahren, jedes Jahr etwas drastischer. Laufende Kosten können nicht von heute auf Morgen abgestellt werden.

Schwimmbad und Museum sind auch kein Luxus, sondern stellen das Selbstverständnis der Stadt dar. Wir sind kein Dorf, wo man mal eben nach Köln oder Berlin fährt, um mal etwas zu erleben, sondern Kulturhauptstadt Europas 2010. Das kostet eben.

Noch mehr kosten würde es, wenn wir nach der Schließung der Bäder in ein paar Jahren die heute so erfolgreiche Sportarbeit wieder aufbauen müssten. Wenn die Kunstwerke des Museums in alle Welt verramscht, teuer wieder zurückgekauft werden müsste. Einmal zerschlagene Strukturen brauchen lange, um sich wieder zu erholen.

07.05.2010
11:19
„Dann haben wir ein Problem“
von mrholiday | #1

ICh bleibe dabei, dass man sich mal die Personalstruktur der Stadtverwaltung anschauen muss. Da werden so einige Pöstchen sein, die man ersatzlos streichen kann. Das haben auch wohl mehrere Bürger bei den Haushaltsforen vorgeschlagen.

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