CDU Mülheim nominiert Lebensretter für OB-Amt

Werner Oesterwind (l.)
Werner Oesterwind (l.)
Foto: Lars Heidrich / FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
CDU nominiert Werner Oesterwind mit 96 Prozent der Stimmen. Er setzt den Schwerpunkt „florierende Wirtschaft im wachsenden Grün“.

Mülheim.. Seit 20 Jahren macht er Kommunalpolitik in Mülheim, seit 25 Jahren engagiert er sich beim DLRG, seit vielen Jahren gehört er der Geschäftsleitung eines Unternehmens mit 1800 Mitarbeitern an, und seit gestern Abend ist Werner Oesterwind (56) aus Saarn auch der CDU-Kandidat für das Oberbürgermeisteramt. 96 Prozent der anwesenden 76 Parteimitglieder nominierten ihn auf der Kreisvertreterversammlung in der Stadthalle. „Ein Glücksfall für die Partei“, nannte ihn der Kreisvorsitzende Andreas Schmidt.

Alles steht unter der Schuldenlast. Stadtgestaltung von morgen, das weiß der Oesterwind, wird eher schwieriger denn leichter. Wahlversprechen, die viel Geld kosten, macht er keine an dem Abend, appelliert stattdessen an die Kreativität: „Unsere Stadt darf nicht in Passivität erstarren, sondern muss sich zukunftsorientiert und offen zeigen – gerade für die junge Generation.“

Mehrfach hebt er auf Wirtschaftsthemen ab: „Ein Oberbürgermeister von Mülheim muss der erste Wirtschaftsförderer in Mülheim sein.“ Auch das gibt Beifall. Das akute Problem fehlender Gewerbeflächen will er zu seinem Thema machen, Vorbehalte dabei abbauen. Und noch ein Wirtschaftsthema gewichtet er weit vorne: der Breitbandausbau: „Es ist einfach nicht hinnehmbar, dass einzelne Stadtteile schlechter ausgebaut sind und sich dort beinahe schon ein Tal der Ahnungslosen bildet.“

Ein anderer Politikstil

Egal, wer der nächste Oberbürgermeister sein wird, er wird nicht darum herumkommen, den ÖPNV umzugestalten. „Ein ÖPNV mit dem jetzigen Defizit (etwa 30 Mio. Euro jährlich) ist nicht tragbar für die Stadt“, sagt Oesterwind. Er setzt auf deutlich mehr Zusammenarbeit der Städte. „Via kann erst der Anfang, nicht das Ende sein.“

Wie ein roter Faden zieht sich der Ruf nach mehr Transparenz durch die Stadt. Auch Oesterwind klammert diese Forderung nicht aus: Wieder bezogen auf die Wirtschaft plädiert er für mehr Transparenz auch bei den städtischen Beteiligungen. Er stellt dabei sogar die RWE-Beteiligung infrage. „Die Frage, ob sie wirklich das Beste für Mülheim ist oder nur das Aufsichtsmandat absichert, muss immer wieder neu gestellt und überprüft werden.“ Er fordert alle auf, nachzudenken, ob nicht Stadtwerke, die sich um die Grundversorgung der Stadt mit Strom, Wasser, Heizung kümmern, mehr Sinn machen.

CDU hofft auf Unterstützung über Parteigrenzen

Oesterwind gibt sich als grüner Wirtschaftspolitiker: „Wir brauchen unsere hochwertigen Natur-, Landschafts- und Erholungsräume. Florierende Wirtschaft und wachsendes Grün.“ Nicht ohne Grund mag er dies betonen, noch hofft die CDU, dass ihr Mann Unterstützung über die Parteigrenzen hinaus bekommt.

Direkte Angriffe auf die Amtsinhaberin macht Oesterwind nicht. Doch wenn er von den „erheblichen Defiziten“ in der Stadt, von einem anderen Politikstil, von einem ehrlichen Kassensturz, von mehr Bürgernähe spricht und davon, dass er als Oberbürgermeister auch Beschlüsse des Rates umsetzen werde, weiß jeder im Saal, dass er damit Dagmar Mühlenfeld freundlich sagt: Es geht anders und besser.