Caritas Mülheim sucht Paten für Kleinkinder

Anne Genau von der Caritas in Mülheim sucht nach Ehrenamtlichen, die sich für Kinder einsetzen möchten.
Anne Genau von der Caritas in Mülheim sucht nach Ehrenamtlichen, die sich für Kinder einsetzen möchten.
Foto: Funke Foto Services
Was wir bereits wissen
Im Projekt Familienstart engagieren sich Mülheimer, die gern Zeit abgeben, um zum Beispiel Alleinerziehende zu entlasten. Die Nachfrage ist groß.

Mülheim.. Gerade gestern erst hatte Anne Genau, Leiterin des Caritas-Projektes „Familienstart“, wieder eine drängende Anfrage: Haben Sie jemanden, der dienstags und freitags von 9.30 bis 12.30 Uhr auf ein dreijähriges Mädchen aus Eritrea aufpassen kann, damit die Mutter einen Deutschkurs besuchen kann? Leider nein, war Genaus erste Antwort.

Doch, wer weiß, vielleicht liest ja ein lieber Mensch diese Zeilen und meldet sich. Die Caritas sucht übrigens nicht nur für Flüchtlingskinder nach einfühlsamen Paten. Und sie könnte locker 15 weitere Ehrenamtler beschäftigen. Unterstützung im Alltag nämlich brauchen viele Mütter und Väter.

So bitten Alleinerziehende im Caritas-Büro an der Hingbergstraße um Hilfe, oder Eltern, denen der soziale Rückhalt fehlt, die nicht auf Großeltern zurückgreifen können oder gerade erst nach Mülheim gezogen sind. „Es sind Menschen, die finanziell eher nicht so gut ausgestattet sind“, sagt Genau, die sich Hilfen aus eigener Tasche also nicht leisten können – und daher froh sind, dass es seit 2007 das Projekt „Familienstart“ gibt.

22 Mülheimerinnen engagieren sich derzeit

22 Mülheimerinnen engagieren sich derzeit dafür, vornehmlich Rentnerinnen, „es dürften gern mehr sein“, so die 49-Jährige. Auch jüngere Frauen oder, zur Abwechslung mal, Männer. „Die melden sich selten, haben vielleicht noch nicht erkannt, wie toll die Arbeit mit Kindern sein kann.“ Das sei schade, „denn sie können Kindern andere Dinge mitgeben als Frauen, sind oft mutiger im Umgang“.

In der Regel kommen die Paten für rund ein Jahr ins Familienheim. Länger ist schwierig, sagt Diplom-Sozialarbeiterin Genau, „weil möglichst viele Eltern von dem Service profitieren sollen“. Die Paten verschaffen den Müttern oder Vätern Verschnaufpausen oder sorgen dafür, dass die Mädchen oder Jungen mal etwas Besonderes erleben können. Sie begleiten die Kinder zum Schwimmen, haben Zeit, mit ihnen zum Fußballtraining zu gehen. Sie übersetzen auch mal einen schwierigen Behördenbrief. Oder geben einer alleinerziehenden, dreifachen Mutter die Chance, Schlaf nachzuholen, zu duschen.

„In jeder Familie gibt es andere Aufgaben“, sagt Genau, und auch der zeitliche Aufwand unterscheidet sich. In manchen Familien sind die Paten zwei Stunden in der Woche tätig, in anderen länger. „Das hängt auch davon ab, wie viel Zeit sie überhaupt erübrigen möchten.“

Wichtig sei immer, dass es Konstanz in der Betreuung gibt: Ein Pate dürfe natürlich mal in den Urlaub fahren, „doch die Kinder brauchen Zuverlässigkeit“. Jeder Junge, jedes Mädchen sehnt sich nach Sicherheit. Besonders gilt das für Kinder, die bislang wenig davon hatten. Die Dreijährige aus Eritrea hat eine Flucht hinter sich, kennt unsere Sprache und Kultur noch nicht. . .