Bürgerstiftung Mülheim ehrt jugendliches Engagement

Eine Urkunde erhielten alle Jugendlichen, die für den Preis der Bürgerstiftung nominiert waren. Sie bestätigt ihre „außerschulischen Leistungen“.
Eine Urkunde erhielten alle Jugendlichen, die für den Preis der Bürgerstiftung nominiert waren. Sie bestätigt ihre „außerschulischen Leistungen“.
Foto: Fabian Strauch
Was wir bereits wissen
Besondere Leistungen Mülheimer Jugendlicher zeichnet die Bürgerstiftung mit ihrem Preis aus. Dieser wurde zum neunten Mal in vier Kategorien vergeben.

Mülheim.. Klingt nach einer klaren Arbeitsanweisung; Franz Lenz, Vorsitzender der Bürgerstiftung Mülheim, meint es aber als guten Rat: „mitnehmen, aufheben, vorzeigen, stolz sein“ sollen die Jugendlichen auf die Urkunde, die sie als Nominierte für den Preis der Bürgerstiftung ausweist. Der wurde Dienstag im Haus der Wirtschaft zum neunten Mal vergeben in den Kategorien Zivilcourage, Soziales Engagement, Natur- sowie Geisteswissenschaften. Für jede der vier mit je 3000 Euro dotierten Auszeichnungen bestimmte eine Jury einstimmig einen Sieger oder ein Siegerprojekt. Beeindruckend zeigten sich die Erwachsenen aber von den Leistungen aller Jugendlichen.

Mehrfach wird es an diesem Abend betont: Die Urkunde sei ein Beleg für das große außerschulische Engagement der Jugendlichen, ein Zeichen der Wertschätzung, das nicht unterschätzt werden dürfe. Etwa beim Start ins Berufsleben könne dies das bisschen Mehr sein, das überzeugt. Mit guten Noten allein hebe man sich nicht mehr aus der Masse der Bewerber hervor, glaubt Frank Lenz und verweist, überspitzt formuliert, auf die im Saal versammelte Konkurrenz: „Bei den ganzen Einsern, die hier rumlaufen.“

Unterschiedliches soziales Engagement

Und es sind tatsächlich viele Einserkandidaten anwesend – schließlich will die Bürgerstiftung herausragende Leistungen junger Mülheimer ehren. „Bei den Naturwissenschaften“, gibt Franz Lenz zu, „brauchen wir als Jury Hilfe.“ Auch Heinz Lison, der diese von der Mülheimer Bürgerstiftung gesponserte Auszeichnung überreicht, hebt das „sehr hohe Niveau“ hervor, sieht aber auch ungenutztes Potenzial. „Wir sollten daran arbeiten, dass sich auch Schüler der Hochschule Ruhr West bewerben“, sagt Heinz Lison – und spricht da wohl auch als Vorsitzender des HRW-Fördervereins. Noch bleiben in dieser Kategorie die Gymnasiasten unter sich. Sie haben sich durch Erfolge bei Jugend forscht, bei Chemie- und Bio-Olympiaden hervorgetan. Den Preis erhält Verena Cmentowski.

Sehr unterschiedlich ist das soziale Engagement der Jugendlichen: In (Sport-)Vereinen sind die Jungen und Mädchen aktiv oder in Hilfsorganisationen. Sie beteiligten sich an Bauprojekten im Ausland oder starteten Aktionen und Aufklärungskampagnen in Sachen Internet für Schüler und Eltern. Den Preis in dieser Kategorie, den der Mülheimer Wohnungsbau fördert, übergab MWB-Chef Frank Esser an Sarah Lohkamp und Lucca Thannheimer, die sich für Demenzkranke einsetzen.

Zivilcourage in all ihren Formen

Bei den Geisteswissenschaften bestätigen die Nominierten das Klischee: auf die Bühne kommen fünf Mädchen und ein Junge. Der Vorstandsvorsitzende der diesen Preis sponsernden RWE Deutschland AG, Arnd Neuhaus, betont als Naturwissenschaftler, der in der Schule selbst bemüht war, „Geisteswissenschaften zu vermeiden“, das Zusammenspiel beider Bereiche: „Wir brauchen in unserer technologisierten Welt Geisteswissenschaftler, die übersetzen.“ Musiker stehen mit ihm auf der Bühne, Jugendliche mit Interesse an Kunst und Fremdsprachen. Am Ende wird Emma Schützmann ausgezeichnet, die bei Jugend musiziert sehr erfolgreich ist.

Zivilcourage heißt die vierte Kategorie. Laudatorin Gabriele Grillo, deren Grillo-Stiftung das Preisgeld stellt, kann Bewegendes berichten: von jungen Menschen, die sofort reagierten, als eine Seniorin auf dem Bürgersteig mit einem Herzinfarkt zusammenbrach, von einem Zwölfjährigen, den auch Gelächter anderer nicht abhielt, einer Rollstuhlfahrerin einen Sponsorenlauf zu ermöglichen und von einem 27-Jährigen, der sich vielfältig für gehandicapte Menschen einsetzt. All das, sagt Laudatorin Gabriele Grillo, zeigt: „Zivilcourage ist keine Frage des Alters, sondern der Haltung.“

Das sind die Preisträger des Jahres 2015

Erwachsene schlugen die Jugendlichen für den Preis der Bürgerstiftung vor. Alle wurden sie zum Gespräch eingeladen und bis zu sechs von ihnen pro Kategorie für die Endrunde nominiert. Gewinnen konnte aber nur jeweils einer – beziehungsweise ein Team.

Soziales Engagement

Sarah Lohkamp ist Sanitäterin beim DRK, gibt Schwimmunterricht und unentgeltliche Nachhilfe. Gemeinsam mit Lucca Thannheimer setzt sie sich für das Projekt „Engagiert für Demenzkranke“ ein. Die Schüler des Berufskollegs Stadtmitte organisierten Kontakte zwischen Senioren und Jugendlichen, fanden bei einer Lehrerin und der Alzheimergesellschaft Unterstützung. „Die Zahl der Demenzkranken steigt“, sagt Lucca Thannheimer. „Davor darf man die Augen nicht verschließen.“

Naturwissenschaften

Verena Cmentowski besucht das Gymnasium Broich und nimmt seit Jahren erfolgreich an diversen Wettbewerben teil, darunter Jugend forscht, Chemie- sowie Bio-Olympiaden. Die Verknüpfung der verschiedenen Naturwissenschaften findet die 17-Jährige, die Bio-Chemie studieren möchte, besonders spannend. Die Jury beeindruckte besonders, dass sie auch ethische Fragen beschäftigen.

Geisteswissenschaften

Emma Schützmann macht in diesem Jahr Abi am Gymnasium Heißen – mit gerade mal 16 Jahren ist sie die bisher jüngste Abiturientin der Schule. Nach dem Anschluss wird sie Musik studieren. Mit ihrer Gitarre nimmt sie seit Jahren erfolgreich an Wettbewerben teil. Im Mai steht sie im Bundeswettbewerb von Jugend musiziert in Hamburg – den erreichte sie nach zwei Wettbewerben mit Höchstpunktzahl.

Zivilcourage

Derya D. war im Auto unterwegs, als sie beobachtete, wie zwei Mädchen eine Senioren bestahlen. Die junge Mutter alarmierte die Polizei, verfolgte die Trickdiebinnen und half, diese zu stellen. Sie nahm den Preis nicht selbst entgegen.