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Häuser-Abriss

Bürgerinitiative protestiert vor der Tengelmann-Party

16.10.2012 | 17:09 Uhr
Bürgerinitiative protestiert vor der Tengelmann-Party
Während in der Zentrale gefeiert wurde, machten die Nachbarn draußen mit Plakaten auf sich aufmerksam.Foto: Picasa

Mülheim. Die Bürgerinitiative an der Wissollstraße kämpft weiter um den Erhalt ihres Wohnraums. Jetzt nutzen die Nachbarn die Feierlichkeiten zum 100-jährigen Jubiläum der Firma Tengelmann , um die Aufmerksamkeit der feiernden Gäste auf ihr Anliegen zu lenken. Gemeinsam gingen sie zum Protest auf die Straße. Tengelmann ist Eigentümerin ihrer Häuser, die Mieter haben Angst, dass diese für eine weitere Konzern-Erweiterung abgerissen werden sollen .

Auf dem Weg zur Betriebsfeier mussten die geladenen Gäste an ihnen vorbei. Gleich vor die Einfahrt zur Firmenzentrale an der Wissollstraße hatten sich etwa 20 Nachbarn platziert, mit Plakaten und Schildern. Auf diesen forderten sie: „Kein Abriss der Häuser an der Wissollstraße“, „Bezahlbaren Wohnraum erhalten“ und „Lieber alte Häuser statt alte Autos“. Gleich daneben wohnen sie – es geht vor allem um die Dreierreihe der Häuser Nummer 51 bis 55, eines der Gebäude steht bereits leer. Die Anwohner sehen mit einem möglichen Abriss der Gebäude auch die Wohnzufriedenheit des kleinen Viertels schwinden.

Mangelhafte Kommunikation

Laut Aussage der Bürgerinitiative habe Tengelmann im April dieses Jahres angekündigt, die vorderen Häuser der Wohnsiedlung zwischen Klimamarkt und Firmenzentrale abreißen zu lassen, da diese baufällig seien. Die Nachbarn glauben aber, dass der Wohnraum den Firmeninteressen Tengelmanns weichen soll.

Einzelhandel
Tengelmann-Chef Haub sorgt sich nicht um den Konsum

Karl-Erivan Haub, Chef des Handelskonzerns Tengelmann, erwartet ein gutes Weihnachtsgeschäft in Deutschland. Die Euro-Krise trübe den Konsum nicht, sagte er der WAZ Mediengruppe. Tengelmann feiert in diesen Tagen 100-jähriges Jubiläum der Zentrale in Mülheim.

„Wir können die von Tengelmann proklamierte Baufälligkeit der Häuser in keiner Weise erkennen und fordern auch weiterhin die Begutachtung der Häuser durch einen unabhängigen Gutachter“, so Malte Schiefer, Sprecher der Initiative. „Zynisch“, findet er es, dass der Konzern Werbung für das 100-jährige Jubiläum auf großen Plakaten schaltete, „wo doch Tengelmann die Wohnhäuser am Firmengelände abreißen möchte, in denen die Bewohner zum Teil schon über 30 Jahre wohnen und auch gerne dort wohnen bleiben würden“.

Verschiedene Optionen offen

Das Unternehmen gab in einer Stellungnahme bekannt, verschiedene Optionen zu prüfen – die Überlegungen seien jedoch noch nicht abgeschlossen. „Mit einer Entscheidung ist in diesem Kalenderjahr nicht mehr zu rechnen.“ Die Hausverwaltung sei offen auf die Mieter zugegangen und habe eine sozialverträgliche, einvernehmliche Lösung finden wollen.

Malte Schiefer, Sprecher der Bürgerinitiative, sieht das anders: „Bislang haben wir noch nichts von Tengelmann gehört.“ Dafür aber von politischen Parteien. Unterstützer finden sie bei MBI, der Linken und Grünen.

Kristina Mader


Kommentare
17.10.2012
20:27
Und wie war nochmal die Position der Mülheimer SPD / CDU zum geplanten Häuser-Abriss???
von maulwurfshaufen | #9

Auch sehr schön heute der Titel in der WAZ "Tengelmann spendet 100.000 Euro" und weiter unten im Artikel "Der Konzern schenkt der Bürgerschaft 100.000 Euro - 1.000 Euro für jedes Jahr in Mülheim". Eingedenk der Tatsache, dass auch kik zum Tengelmann-Konzern gehört (und dass man einiges über den Umgang mit den Mitarbeitern bei kik weiß und besonders auch genügend über die mangelhafte Bezahlung derselben bekannt ist - siehe darüberhinaus auch den von Kommentator Nummer 4 hier bereitgestellen Link zum Panorama-Film), stellt sich allerdings die Frage, wer hier wem Euros gespendet hat???....Das waren dann wohl doch eher die kik-Mitarbeiterinnen..... Auch die bisher fehlende Entschädigung der Zwangsarbeiter vor 1945 sei hier natürlich genannt (Die Erwähnung der Nazi-Zeit fehlt auch irgendwie im WAZ-Artikel: "Seit 1933 war Schmitz-Scholl Mitglied der NSDAP und später Mitglied ehrenhalber der SS (Hauptsturmführer)" = Wikipedia).... Und wie war nochmal die Position der Mülheimer SPD / CDU ???

17.10.2012
20:15
Bürgerinitiative protestiert vor der Tengelmann-Party
von hallo71 | #8

Ich fände es schade, wenn die Häuser abgerissen werden. Seit 1,5 Jahren bekommen wir, die Anwohner der "kleinen Wissollstraße, Ulmenallee und Umgebung" z. B. den Baustellenlärm von Tengelmann ab. Wir werden täglich von Mitarbeitern und Handwerkern überrollt. Obwohl ein großer Parkplatz vorhanden ist, wird alles um das Verwaltungsgebäude von Tengelmann von deren Mitarbeitern zugeparkt. Informationen für die Anwohner und Mieter - Pustekuchen! Die Häuser haben teilweise Leerstände und anscheinend auch, wenn man es nicht glauben will, läuft es wohl darauf hinaus, dass man guten Wohnraum verkommen läßt, bis man die Häuser dann kostengünstig abreissen kann. Natürlich kann ein Eigentümer mit seinem Eigentum verfahren wie er möchte. Aber hier geht es um Menschen - die in Ruhe und Frieden weiterhin zusammen leben möchten und dafür kämpfen. Insofern ist dies doch auch gutes Recht. Noch etwas zur Umwelt und Klima, wenn es die ganze Nacht grün leuchtet, kommt dies der Umwelt zu Gute???

17.10.2012
10:08
Bürgerinitiative protestiert vor der Tengelmann-Party
von Pase_Lacki | #7

Auch wenn es für die Betroffenen natürlich traurig wäre, umgesiedelt zu werden, muss man immerhin berücksichtigen, dass der Besitzer der Häuser damit natürlich machen kann, was er möchte. Und wenn er meint, er braucht den Platz, dann ist es seine Entscheidung, die Mietverträge nicht mehr zu verlängern.

Dieses Vorgehen müssten einige der Bewohner doch ganz genau kennen und eigentlich gutheissen, verfahren Sie doch im Autonomen Zentrum an der Auerstraße nicht anders. Da bestimmen wenige, dass es im AZ nur vegane Küche zu geben hat und auch die dort stattfindenden Konzerte und Parties müssen erst durch den Gender-Check, bevor eine Zustimmung erteilt wurde.

Also verhalten sich diese Leute, die jetzt einem Eigentümer das Recht auf freien Umgang mit seinem Eigentum verbieten wollen, doch ganz genau so, indem sie sich das Recht herausnehmen, als "Eigentümer" im AZ ihre Vorstellungen durchzusetzen, die sie sich für ihr "Eigentum" so ausgedacht haben.

Da wird mit zweierlei Maß gemessen.

17.10.2012
09:45
Bürgerinitiative protestiert vor der Tengelmann-Party
von Pernella | #6

Kann man mal mit diesem Uraltnazisch*** aufhören? Das hat doch mit dem gangzen Fall nix zu tun, die Häuser sollen doch nicht zwecks Vertuschung von irgendwas eventuell abgerissen werden... bischen paranoid, manche hier...
Mal abgesehen davon: Die Häuser sehen für mich baufällig aus und die Hippikomunen, die dort hausen, gehen auch nicht grad pfleglich mit dem Gemäuer um, ein schöner Anblick sind die Häuser schon ewig nicht mehr. Meine Güte, wenn doch was gutes oder sogar besseres angeboten wird, warum dann der Aufstand? Weil manch einer seinen ganzen Pröttel um nicht zu sagen Müll nicht sortieren kann oder will?

1 Antwort
Bürgerinitiative protestiert vor der Tengelmann-Party
von Pase_Lacki | #6-1

esManche leben eben ganz gerne im Altbau und nehmen dafür auch zugige Fenster in Kauf, der nächste fühlt sich in einem Neubau wohler. Was da jetzt besser oder schlechter ist, sieht wohl jeder subjetiv anders. Ein intaktes Wohnfeld aufzugeben, dürfte vielen Menschen schwerfallen.

17.10.2012
08:58
Bürgerinitiative protestiert vor der Tengelmann-Party
von baumjohann | #5

Absolut unverhältnismässig, dieser Protest! Die Familien bekommen erstklassigen Ersatz geboten und stemmen sich gegen zukünftige Arbeitsplätze? Und zwar nicht durch eine Erweiterung mittels Überschreibung fremden Eigentums sondern sie protestieren gegen den eigentlichen Besitzer der Grundstücke! Das ist so unglaublich anmassend, da bleibt mir die Spucke weg.

Und wenn hier einer über die NAZI Vergangenheit schreibt, so ist zwar das richtig, aber die Tatsache, dass Mülheim durchseucht ist von "altem" Geld, hat ebenfalls Bestand. Das heißt auch, viele Erben in Mülheim, die sich Grundstücke oder Häuser kaufen, realisieren dies möglicherweise ebenfalls durch NAZI-Geld. Und was bedeutet das? Nichts! Also, lasst die Kirche im Dorf!

17.10.2012
08:37
Bürgerinitiative protestiert vor der Tengelmann-Party
von schweinchen_schlau | #4

@Rueckenkratzer
Für alle Mülheimer, die beim Namen Tengelmann noch nicht in unterwürfige Schockstarre fallen, hier noch der Link zum unrühmlichen Teil, der Geschichte des Hauses:

http://www.ndr.de/fernsehen/sendungen/panorama_die_reporter/panorama3693.html

Im Falle der nun zum Abriß anstehenden Häuser sei bemerkt, Haub sen. ist vor 25 Jahren diplomatischer vorgegangen. Nachdem die Häuser einmal besetzt waren, wurden Mietverträge angeboten und es war Ruhe. So kann man auch sein Image pflegen.

17.10.2012
01:35
zu #1
von Rueckenkratzer | #3

Es ist schon einigermaßen befremdlich, Menschen als "ewig gestrig" zu klassifizieren, die sich gegen einen Konzern wehren wollen, der sich - bis heute nicht - mit seiner Vergangenheit in der menschenverachtenden Nazi-Zeit beschäftigt hat! Das tut hier nichts zur Sache? Nun, Menschen von einem Ort vertreiben zu wollen, an dem -wahrscheinlich- zu dieser angesprochenen Zeit ein Zwangsarbeiterlager stand, könnte zumindest den Verdacht aufkommen lassen, letzte mögliche Nachweise zu planieren!
Und - Ihr sogenannter "Fortschritt" soll ja bekanntlich aus einer Aufstellungshalle für Herrn Haubs Oldtimer-Autos bestehen. Das nenne ich dann in der Tat innovativ, mit Sinn und Verstand!
Und - was sollen wir mit bezahlbarem Wohnraum ? Eure Armut kotzt mich an!! (Das wird dann wohl editiert werden, schade)

16.10.2012
23:47
Wie ist die Position der Mülheimer SPD und der Mülheimer CDU zum Thema?
von maulwurfshaufen | #2

Ich dachte, dass die von Tengelmann verwendeten Tiere ein Frosch und eine Schildkröte seien (symbolisch für Ökologie) - stattdessen wäre hier eventuell eher ein Maulwurf angebracht, denn so wie es in Speldorf ausschaut, wurden bereits Teilstücke angenzender Gärten in eine Erweiterung des Tengelmann-Parkplatzes umgewandelt....
Im letzten Satz des Artikels findet man den Hinweis, dass die Bürgerinitiative von MBI, LINKEN und GRÜNEN unterstützt wird. Das ist doch sehr gut so und überhaupt nicht "ewiggestrig", wie mein vorangehender Kommentierer hier schrieb...."Bürgerinteressen vor Konzerninteressen!" - ein höchst moderner Ansatz, der immer aktueller wird, nicht nur in der Europa-Politik....- Nun wäre allerdings auch einmal die Position von SPD / CDU zum geplanten Abriss der Häuser in der Wissollstraße sehr interessant! Wurden diese - gar nicht so kleinen Parteien - von DER WESTEN nicht befragt? Oder wollten sie sich nicht zum Thema äußern? Hier sollte es noch eine Positionierung geben.

16.10.2012
20:38
Bürgerinitiative protestiert vor der Tengelmann-Party
von donjose | #1

Die ewig gestrigen protestieren mal wieder,um sich jeglichem Fortschritt ohne Sinn und Verstand in den Weg zu stellen.

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