Buchstabensuppe statt Filet

Es ist interessant, dass es oft frühe Kindheitserlebnisse sind, die Menschen auf ihren Berufsweg bringen. So war es offensichtlich auch beim Koch Andreas Kaese (siehe Lokalseite 3), der als Vierjähriger einen Pudding für seine Mutter kochte und danach beschloss: Ich will Koch werden.

Mich erinnerte das Gespräch mit ihm und seiner Partnerin Gabriele Schulz daran, dass ich als Kind auch mal Koch werden wollte, weil ich in einem Restaurant einen dicken Koch mit weißer Kochmütze gesehen hatte, der mich schwer beeindruckte. Dummerweise kam ich wenig später an einer Krankenhausküche vorbei. Deren Geruch sorgte dafür, dass ich die Nase vom Koch-Beruf voll hatte. Stattdessen inspirierte mich eine alte Reiseschreibmaschine, die ich etwas später von meiner Mutter geschenkt bekam, meine ersten Texte zuzubereiten. Damals konnte ich nicht ahnen, das ich später mal auf journalistischer Flamme köcheln würde, weil der Mensch bekanntlich nicht vom Brot allein lebt. Und wir Journalisten leben ja, wie die Köche davon, dass das, was wir jeden Tag gewissermaßen als Buchstabensuppe jenseits aller Gerüchteküchen zusammenrühren und würzen, am Ende unseren Lesern schmeckt und nicht schwer im Magen liegt. Denn sonst kommen wir in Teufels Küche und werden auf Null-Diät gesetzt.