Buch zum 50-jährigen Bestehen des Jugendheims Westkapelle

Im Juni 1960 waren  Mädchen der Saarnbergschule zur ersten Freizeit in der „School met den Bijbel“ in Westkapelle. Die  Frauen in Tracht sind die Nachbarinnen Barbara Minderhoud (l.) und  Leuntje Huibreghtsen (r.).  Der Junge in der Mitte ist Friedel Berger, der mitfahren durfte, weil seine Mutter Anneliese Berger die Freizeit „bekochte“
Im Juni 1960 waren Mädchen der Saarnbergschule zur ersten Freizeit in der „School met den Bijbel“ in Westkapelle. Die Frauen in Tracht sind die Nachbarinnen Barbara Minderhoud (l.) und Leuntje Huibreghtsen (r.). Der Junge in der Mitte ist Friedel Berger, der mitfahren durfte, weil seine Mutter Anneliese Berger die Freizeit „bekochte“
Foto: Repro
Was wir bereits wissen
Mit „Mythos Westkapelle“ würdigt Christel Squarr-Tittgen den Einsatz für Versöhnung und Freundschaft rund um das Jugendheim am Leuchtturm.

Saarn/Westkapelle.. Als Ewald Luhr im Sommer 1958 – andere sagen 1954 – in Westkappelle Urlaub macht, sind Deutsche in den Niederlanden kaum willkommen. Der evangelische Pastor aus Saarn kommt samt Familie im Haus seines Amtsbruders Willem Oosshoek unter und erfährt: Die Konfessionelle christliche „School met den Bijbel“ schließt. Schnell reift in den Köpfen der beiden Pfarrer die Idee, ein Projekt zur Begegnung und Versöhnung zu schaffen.Danach ernten über mehr als fünf Jahrzehnte Tausende die Früchte dieser guten Saat und schließen oft enge, herzliche Freundschaften.

Was in den Familien aus Saarn und Westkapelle in dieser Zeit geschieht, wie sie sich besuchen, die privaten Verbindungen damals bald auch auf die offizielle Bürgermeisterebene übertragen werden, das trägt Christel Squarr-Tittgen in ihrem Buch zusammen. „Mythos Westkapelle – Hommage an ein Werk und seine Helfer“ heißt der gewichtige Band. Es ist eine Fleißarbeit die über mehr als 15 Jahre zu dem heranwächst, was nun als Druckwerk vorliegt.

„Ich möchte damit vor allem die privaten Menschen vorstellen und deren Einsatz würdigen, die meist über viele Jahre für und in Westkapelle gearbeitet haben“, erläutert die Saarnerin den Ansatz für ihr Buch. Es geht ihr auch darum, „einige Legenden und Überlieferungen korrekt einzuordnen. Ich habe zahlreiche Quellen über die alte Schule in Westkapelle gefunden.“

Mehrere Fotos von der Bibelschule entdeckt

So entdeckt die Buchschreiberin im niederländischen und militärischen Archiven mehrere Fotos von der Bibelschule: Das älteste zeigt den Unterrichtsraum. Auf einem anderen ist dieser Raum als Casino der Wehrmachtssoldaten zu sehen, die Holland besetzen. Das jüngste Bild zeigt den gleichen Raum als Speisesaal des Jugendheims Westkapelle. „Es war sehr spannend, diese Dokumente zu sichten und solche Vergleiche zu ermöglichen“, beschreibt die Lehrerin und Pfarrergattin ihre Recherchen.

Dazu führt sie zahlreiche Interviews in Westkapelle und Saarn mit Menschen, die mit dem Jugendheim hinter dem Nordseedeich zu tun haben. „Rund um den Leuchtturm sagen heute viele: Das Jugendheim war gut für die Versöhnung“, erfährt Christel Squarr-Tittgen nach wie vor.

Gegensätze aufheben

Als die evangelische Gemeinde Saarn 1960 den einen Mietvertrag für die leer stehende Schule abschließt, gibt es in Westkapelle fast keinen Widerstand. Einige sind sogar froh, als Handwerker das Gebäude sanieren. 1964/65 folgt ein Anbau mit Toiletten. Fünf Jahre später ist es für die Gemeinde und den Gemeinderat in Westkapelle nur konsequent, die alte Schule für 100 .000 Mark an die evangelische Gemeinde in Saarn zu verkaufen. Sie übernimmt auch das Lehrerhaus, lässt den Komplex wenige Jahre danach abreißen und baut an gleicher Stelle neu.

„Die Gegensätze und Schicksale können aufgehoben werden. Wir haben das vereinte Europa der einfachen Leute geschaffen“, erklärt Westkapelles Bürgermeister Henrik van Maldegen Anfang November 1985 bei der Feierstunde zum 25-jährigen Bestehen des Jugendheims in Sichtweite des Leuchtturms.

Selbstverständlich hält Karl Haas, damals Vorsitzender des Aufsichtsrates, seine Ansprache auf niederländisch. „Auch das dient unserer besseren Verständigung“, begründet er später bei belegten Brötchen bei den Küchenfrauen. Und es gilt weiterhin der zwingende Appell: „Ideen sind nur dann gut, wenn sie durch echte Taten verwirklicht werden.“