Bolzplätze mit Kunstrasen in Mülheim sind sicher

Der Kunstrasenplatz des Sportvereins Heimaterde: Alle Mülheimer Plätze
Der Kunstrasenplatz des Sportvereins Heimaterde: Alle Mülheimer Plätze
Foto: Jörg Schimmel
Was wir bereits wissen
  • In den Niederlanden sind 90 Prozent der Kunstrasenplätze betroffen
  • Auch der Stadt wurde das günstigere Material angeboten
  • Bolzplätze in Dümpten und Heißen haben Hockeyrasen

Mülheim..  Der Bericht des niederländischen TV-Senders VARA, nach dem auf 90 Prozent der rund 3000 Kunstrasenplätze im Nachbarland potenziell krebserregendes Granulat ausgestreut ist, lässt auch für Mülheim die Frage stellen: Können die Tausende Hobbykicker hier bedenkenlos auf den vorhandenen Kunstrasenplätzen herumgrätschen? Die Leiterinnen von Mülheimer Sportservice und Grünflächenamt sagen: Ja, auf jeden Fall!

Journalist Roelof Bosma hatte in siebenmonatiger Recherche herausgefunden, dass auf niederländischen Kunstrasenplätzen weit überwiegend Granulat aus alten Autoreifen aufgebracht ist. In den geschredderten Reifen sollen Weichmacheröle mit polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffen (PAK) enthalten sein – letztgenannte gelten zum Teil als krebserregend. In den Niederlanden sorgte der TV-Bericht für Aufsehen. Zahlreiche Fußballspiele wurden kurzerhand abgesagt, Plätze gesperrt. Der Traditionsverein von Ajax Amsterdam entschloss sich laut Zeitungsberichten gar, das in die Kritik geratene Granulat von seinen Plätzen im Sportpark De Toekomst zu entfernen.

Auf der Heimaterde, am Finkenkamp, soll Ende dieses Monats ein weiterer Kunstrasenplatz fertiggestellt sein. „Wir machen uns Gedanken, ob sich die Sportjugend hier gesundheitlichen Gefahren aussetzt“, sagte jetzt ein Großvater, dessen Enkel überlegt, auf dem TSV-Sportplatz alsbald die Fußballschuhe zu schnüren.

„Das soll er machen“, sagt Martina Ellerwald, Leiterin des Mülheimer Sportservices (MSS). Es gebe keinerlei Bedenken, dass in Mülheim krebserregendes Granulat auf einem der mittlerweile zwölf Groß- und fünf Kleinspielfelder eingebaut sei. „Wir haben kein recyceltes Material aus Altgummi“, verweist Ellerwald darauf, dass man im Jahr 2008, als die ersten Kunstrasenplätze in der Planung waren, tatsächlich zwar überlegt habe, jene Qualitäten aufgrund ihrer Preisvorteile einzubauen. „Natürlich wurde es uns auch angeboten.“

Man habe sich aber dagegen entschieden, weil jenes Granulat schlechterer Qualität etwa für schwarze Streifen an Toren und anderen werthaltigen Gegenständen sorge. „Wir haben aus heutiger Sicht die richtige Entscheidung getroffen, dass wir nicht gespart haben“, ist Ellerwald erleichtert, sagen zu können: „Ich kann es ausschließen, dass von unserem Granulat Krebsgefahr ausgeht.“ Eingesetzt würden stets die Qualitäten EPDM (Neugummigranulat) oder TPE (thermoplastische Elastomere), sagte sie.

Sylvia Waage, Leiterin des Grünflächenamtes, gibt auch Entwarnung für die Bolzplätze im Wittkampbusch (Dümpten) und an der Hardenbergstraße (Heißen), die mit Kunstrasen ausgestattet sind. „Auf beiden Flächen haben wir einen Rasen mit ungefüllter Polschicht, es gibt dort kein Gummigranulat, es ist ein Hockeyrasen.“

Bewusst werde man auch bei weiteren Bolzplatz-Erneuerungen keinen Kunstrasen mit Granulat anlegen, das sei viel zu aufwändig in der Unterhaltung. „Es muss sich also niemand Sorgen machen“, betont Waage.