Bilder mit Ausrufezeichen

Foto: WAZ FotoPool

Auf einem Bild in der Ausstellung im Kunstraum der Galerie d’ Hamé an der Schloßstraße steht ein Geistlicher mit harten Gesichtszügen, starrer Miene und zieht mit unergründlichen Augen hinter der schwarzen Sonnenbrille die Blicke wie magisch an: Die Aura aus Kälte und Unerbittlichkeit trifft. Im Kontrast dazu wirken die Frauen im Hintergrund zart, spielerisch und erotisch. In lasziver Pose scheinen sie in einem abgezirkelten Kreis zu schweben. Verführerisch drohen diese Traumbilder jederzeit zu zerplatzen.

Spiel mit der Ungewissheit

Trotz realistischer Darstellung demonstrieren diese Gemälde eine fragile Szenerie, lösen Gefühle der widersprüchlichsten Art aus. Unter der plakativen Oberfläche und dem schönen Schein bohrt sich Schicht für Schicht ein Bild des Unbehagens, ja vielleicht sogar des Bösen ins Bewusstsein. Auf der Grenze des Surrealen bewegt sich der Düsseldorfer Künstler Arandus, der sich mit seiner Malerei bestens auf ein Spiel mit doppelten Böden und dem Ungewissen versteht. Es sind ausdrucksstarke, sensible Bilder, die unter die Haut gehen.

Der aus Montenegro stammende Künstler studierte an der Düsseldorfer Kunstakademie (Professor Michael Buthe) und hat ein Atelier in der Landeshauptstadt. Während in seinen Arbeiten häufig klerikale, soziale und politische Themen den Ton angeben, setzt er sich aber auch mit den Kriegen in den Gebieten des ehemaligen Jugoslawien auseinander. Für die Gewalt, die besonders Frauen und Kindern im Krieg angetan wurden, hat er eine künstlerische Sprache gefunden: verletzlich, still und in sich gekehrt.

Bilderwelten und Geschichten

Im Hintergrund einer Zielscheibe liegt eine friedlich schlafende Frau in Embryonalstellung, gemalt auf eine Militärplane aus Leinen. Von ausgedienten Geldsäcken blicken Geistliche feist, und auf einem Mehlsack aus dem Zweiten Weltkrieg hat eine Familie überlebt, auch wenn alle verletzt sind. Die Assoziationen, die Arandus mit solch eindringlichen Bilderwelten auslöst, könnten Bücher füllen. . .

Die Ausstellung „Arandus – Düsseldorf-Montenegro“ ist noch bis Ende Mai im Kunstraum der Galerie d’Hamé an der Schloßstraße 29 zu sehen.

Der Mülheimer Künstlerin Ursula Hirsch hat der Essen-Werdener Kunstverein „kunstwerden“ eine Ausstellung unter dem Titel „konkret-lustvoll“ in seinen Räumen gewidmet. Konstruktivistische Arbeiten von 1969 in strenger Formensprache bis hin zu jüngsten, verspielten Werken, die „La Bête“, „La Créature, „Blauhaar“ oder „Rotnase“ heißen. Höchst unterschiedliche Materialien, Abstrakte Malerei, Grafiken, Reliefs in Edelstahl, Radierungen, Collagen sowie Plastiken: Ursula Hirsch wollte und ließ sich nie festlegen, festzurren. Ihre offene Haltung den Mitmenschen und der Natur, den spirituellen Anfängen der Riten und Religionen gegenüber halfen ihr, stets neue Kraft zu schöpfen und aussagekräftige Werke zu schaffen. Die Mülheimer Künstlerin Gabriele Klages als Kuratorin dieser so spannenden Einzelpräsentation kennt Ursula Hirsch und fühlte, dass es mal wieder Zeit wurde für eine große Ausstellung: „Ein vitales Werk - das gezeigt werden sollte.“

In der Tat, Ursula Hirsch ist eine Künstlerin, die auf ein atemberaubendes, 60-jähriges Werkschaffen zurück blicken darf, organisiert sich als aktives Mitglied im „Ruhrländischen Künstlerbund“ und in der „Arbeitsgemeinschaft Mülheimer Künstler“.

Der in dieser Art wohl einmalige Spannungsbogen von minimalistischen und konstruktiven Arbeiten bis hin zu den heutigen, höchst humorvollen, figurativ-abstrakten Werken zeigt eine konsequente Fortentwicklung der frühen künstlerischen Ansätze, die es Ursula Hirsch ermöglicht, noch immer ihre Kunstwerke zu schaffen, die hochmodern und zeitgemäß sind.

Die Ausstellung läuft bis zum 24. April, Ruhrtalstraße 19 a, Tor 2.