Bier- und Weinkonsum sind kein Gegensatz

Bertram Kinderdick Wein Weinbruderschaft serie: Mülheim ganz unten
Bertram Kinderdick Wein Weinbruderschaft serie: Mülheim ganz unten
Foto: NRZ
Was wir bereits wissen
Deutet sich eine Trendwende bei den Getränkevorlieben an? Bier ist zwar noch immer der Favorit, doch auch Wein erfreut sich zunehmender Beliebtheit. Aber beides muss sich nicht widersprechen.

Mülheim.. Rund 18 Millionen Liter Bier werden pro Jahr in Mülheim getrunken. Das ist keine geringe Zahl. Aber Jonas Wanke, der vor fünf Jahre die neue Biermarke „Mölmsch“ kreiert hat, weiß: „In den 70er Jahren waren die Zahlen noch wesentlich höher. Mindestens doppelt so hoch.“ Und auch aktuelle Zahlen zeigen, beim Bierkonsum hat sich etwas geändert. Erst im letzten Jahr hat NRW seinen Platz als Bierland Nummer eins an Bayern abgegeben. Auf der anderen Seite zeigt sich aber, dass sich Wein zunehmender Beliebtheit erfreut. Das ist zumindest Wankes Eindruck. Deutet sich hier eine Trendwende an, auch im Ruhrgebiet, wo das Pilsken in der Eckkneipe jahrzehntelang zum Alltag gehörte? Eine Spurensuche.

Peter Platte arbeitet im Management bei der Essener Stauder-Brauerei. Der Mülheimer hat natürlich auch immer die Gastro-Szene seiner Heimatstadt im Blick. Rund 40 Gaststätten vor Ort sind mit Stauder verbunden. Platte ist optimistisch. „Die Menschen gehen nicht mehr unbedingt weg, um ein Bier zu trinken. Viele kaufen es und konsumieren zuhause.“ Das bedauert er, wenngleich aus Sicht der Brauerei es zunächst gleichgültig ist, ob das Bier nun zuhause oder in der Gaststätte getrunken wird. Aber auch was die Gastro-Szene angeht, ist Platte zuversichtlich. Die Altstadt ist traditionell der Ort vieler Bierlokale. „Auch wenn es in der letzten Zeit dort öfter Wechsel gab, denke ich doch, dass die Altstadt stabil ist.“ Auf Seiten der Brauerei gibt es also keine Bedenken.

20 Liter Wein trinkt der Durchschnittsdeutsche

Wie sieht es mit dem Wein aus? Gut 20 Liter trinkt jeder Deutsche im Schnitt pro Jahr. Allerdings bevorzugen die Deutschen noch immer mehrheitlich ausländische Rebsorten. Doch der Marktanteil heimischer Weine steigt stetig an, vor drei Jahren lag er bei 44 Prozent. Deutsche Weine populärer zu machen, diesem Ziel weiß man sich auch in Mülheim verpflichtet: In der Weinbruderschaft St. Martin, der rund 45 Herren als Mitglieder aktuell angehören. Allerdings beschränkt man sich dort nicht nur aufs Trinken. „Es geht um eine kultivierte Geselligkeit“, erläutert Ordenssekretär Walter Schulte-Göcking. So erweitern die Mitglieder bei monatlichen Treffen in Vorträgen regelmäßig ihr Wissen über Wein und Weinbau. Die Treffen finden in Franky’s Wasserbahnhof statt. Allerdings unter besonderen Bedingungen: Die Bruderschaft unterhält dort einen eigenen Weinkeller. „Grundsätzlich gibt es in der Mülheimer Gastronomie ein gutes Angebot auch hochwertiger Weine“, meint Schulte-Göcking. Und Puristen sind die Weinliebhaber auch nicht: „Wenn es etwas Deftiges zu essen gibt, dann passt sicherlich auch ein Bier.“

So wurde es wohl auch in Mülheim schon immer gehalten: Hier gab es nämlich nicht nur zu Hochzeiten über 30 Brauereien, bereits um 1900 existierten auch parallel 16 Gaststätten mit Weinausschank.