Bezaubernd verwinkelt
02.08.2010 | 18:19 Uhr 2010-08-02T18:19:00+0200
Mülheim. Pflastersteine und Fachwerkhäuser sind das Markenzeichen der Kettwiger Straße. Bereits 1728 bekam sie ihren Namen und ist damit eine der ältesten Straßen der Stadt.
Wir starten an Haus Nummer eins. Schließlich geht es auf der Kettwiger nur in eine Richtung: Sie ist eben eine Einbahnstraße. Zu Beginn des Rundgangs kreuzt eine weitere Superlative: Die kürzeste Straße Mülheims. Doch mit ihren 25 Metern hat die Bogenstraße im Gegensatz zur 390 Meter langen Kettwiger nicht ganz so viel zu bieten. Weiter geht’s.
In der Mülheimer Altstadt regiert der Kontrast: Windschiefe Häuschen treffen auf Sechziger-Jahre-Bauten, graue Fassaden auf weißes Fachwerk. In der Diakonie am Eck geht es heute gemütlich zu. Während ein paar ältere Damen vorne Karten spielen, sitzen Christopher Enders und Jörg Mader in der hinten gelegenen Küche der Diakonie und trinken gemeinsam Kaffee. Der 21-jährige Christopher leistet beim Diakonischen Werk sein Freiwilliges Soziales Jahr und unterstützt die Mitarbeiter der Begegnungsstätte, betreut die Besucher, übernimmt hauswirtschaftliche Aufgaben. „Ich arbeite gerne in der Kettwiger Straße und komme jeden Tag zu Fuß hierher.“ Die Straße liege zentral, in Innenstadtnähe und sei gut zu erreichen.
Historisches am Rand
Weiter geht es auf die gegenüberliegende Straßenseite: Und wie sollte es in einer der ältesten Straße der Stadt anders sein – wir stoßen auf Historisches. Dort, wo heute Sozialarbeit im CVJM-Haus geleistet wird, stand bis zum Jahr 1957 das Kortum-Haus. Carl Arnold Kortum, berühmter Mülheimer Arzt und Dichter, wurde am 25. Juli 1745 in der Kettwiger Straße geboren. Hier wuchs er auf und ließ sich nach seinem Studium als Arzt nieder, bis er 1770 nach Bochum übersiedelte. Eine Bronzestatue des Jobs, seiner bekannten Satire-Figur, ziert heute den Brunnen einige Meter weiter an der Althofstraße neben der Petrikirche. „Im Zweiten Weltkrieg wurde das Haus zerstört und danach nie wieder im alten Stil aufgebaut“, berichtet Hans Fischer, Vorsitzender des Geschichtsvereins. 1957 musste das Kortumhaus wegen Baufälligkeit schließlich abgerissen werden – das CVJM-Haus entstand.
In der gleichnamigen Gaststätte Kortumstube – einige Meter weiter die Straße hoch – speisen Gäste übrigens im ältesten Restaurant der Stadt. Bunte Blumen zieren die weiße Fachwerkfassade, gerade im Sommer ist der Biergarten rappelvoll. „Die Fassade wurde etwa 1850 verputzt und steht genau wie das Fachwerk unter Denkmalschutz“, verrät Wirt Wolfgang Niggemeier. Mit Frau und Tochter betreibt er die Kortumstube nun seit 25 Jahren. Und kennt sich mittlerweile aus, auch wenn er selbst nicht hier wohnt. „Das Haus ist fast 400 Jahre alt“, erzählt der Wirt. „Damals war es ein altes Schifferhaus, in dem viele Schiffer, die auf der Ruhr gefahren sind und rund um die Petrikirche wohnten, verkehrten.“
Noch heute kleben an vielen der alten Fachwerkhäuser Denkmalschutz-Plaketten. So auch einige Meter weiter oben – hübsch restaurierte Fassaden glänzen in verwinkelten Ecken. In Hausnummer 33 hat es im März dieses Jahres gebrannt. Der dunkle Rauch hat die Hausfassade über den Fenstern geschwärzt. Diese sind in den Erdgeschosswohnungen zugenagelt, die Rollos nach unten gelassen.
Friedhof am Ende der Straße
Schräg gegenüber in der alten Backsteinschule hat das Evangelische Krankenhaus Kultur- und Schulungsräume eingerichtet. Arztpraxen und andere Büroräume findet man auf dem Weg entlang der Kettwiger Straße.
Weiter geht es hoch Richtung Friedhofseingang, bis zum letzten Haus der Straße: Nummer 76. Hier am Rande der historischen Altstadt endet die Kettwiger Straße – und mündet in die Dimbeck, wo die Freilichtbühne einst aus ihrem Dornröschenschlaf geweckt wurde.

20:49
#1 von ssaansche
Dem kann ich mich nur anschließen:)
18:30
ich finds auch gut. nett und interessant.
17:59
Wunderbar! Endlich mal wieder ein Artikel über Alt-Mülheim!