Bewohner im Wohnpark Dimbeck erleben aktiv den Frühling

Ilse Haupt, die in der Senioren-Residenz Dimbeck lebt, genießt den Frühling. Beim Bepflanzen der Blumenkästen helfen die Bewohner gerne mit.
Ilse Haupt, die in der Senioren-Residenz Dimbeck lebt, genießt den Frühling. Beim Bepflanzen der Blumenkästen helfen die Bewohner gerne mit.
Foto: FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
Jahreszeiten spielen eine wichtige Rolle in der Seniorenarbeit. Aufgaben wie Blumen pflanzen und passende Deko verhelfen zum (fast) normalen Alltag.

Mülheim.. Es gibt Augenblicke im Berufsleben von Halina Rozmarynowska, die sie besonders mag: Wenn zum Beispiel ein alter Mann, dem es schwer fällt, sich zu bewegen und der häufig abwesend ist, mit einem Mal glücklich in die Hände klatscht. Wenn er ein Lied erkennt, ihm ein Rhythmus vertraut ist. Momente also, die Menschen berühren, die sie in ihrem Innersten erreichen, machen die Leiterin der Sozialen Betreuung im Wohnpark Dimbeck froh.

Die Berücksichtigung der Jahreszeiten kann helfen, mehr von solchen Momenten zu erleben. Der Frühling hat in der Stadt Einzug gehalten, und so erleben ihn zurzeit auch die Bewohner der Einrichtung an der Freilichtbühne: In der Voliere des Bistros zwitschern Vögel, auf den Tischen stehen reichlich Blumen und vor der Tür haben Rozmarynowska, ihre Kollegen und Bewohner Kästen und Beete bepflanzt. Mit Blumen zu arbeiten, sie ins Erdreich zu setzen, Sträuße zu binden, Gestecke zu fertigen, das gefällt vielen – egal, ob an Demenz erkrankt oder nicht. Tätigkeiten wie diese, so sagt die Diplom-Pädagogin, erfüllten die Menschen mit Stolz, machten sie zufrieden.

Tätigkeiten bieten Bewohnern Orientierung

Und sie bieten Orientierung, „wenn man eigentlich nicht mehr weiß, welche Jahreszeit gerade ist“. Das Frühlingsgefühl wecken, erkennbar machen, dass sich etwas geändert hat gegenüber dem Winter, darum geht es. Nicht mehr nur im Hier und Jetzt leben, sondern Zusammenhänge verstehen, etwa zu erkennen, dass Schal und Mütze jetzt nicht mehr nötig sind. „Wir wollen den Menschen ermöglichen, noch am normalen Leben teilzunehmen, so etwas wie Alltag zu empfinden.“ Wenn man über von Kindesbeinen an vertraute Dinge wie Blumen rede, kämen Erinnerungen zurück. Die Menschen fingen an zu erzählen: „Ach, das habe ich früher ja auch gemacht.“ Und „Och, wie schön das war“. So etwas erfülle das Leben, den Tag.

Rozmarynowska und ihre acht Kollegen, die für die 95 Bewohner zuständig sind, arbeiten viel nach Jahreszeiten: Der Tanz in den Mai ist ein festes Datum, mit Maibaum, Maibowle, Musik und Tanz. Und das Erdbeerfest. Dann die „Sommerbuden“ im Hof mit Themen wie Traumschiff oder Eiscafé Rimini („die 60er, der Wirtschaftsboom, der Urlaub in Italien – das ist vertraut“) und das Oktoberfest. . . Dabei, und bei den vielen anderen Beschäftigungsangeboten, gehe es darum, die Menschen zu aktivieren – und vor Einsamkeit zu schützen. „Der Mensch ist vom Grunde her sozial, einer, der in Gesellschaft leben möchte“, sagt die 59-Jährige.

Für Dr. Heinrich-Walter Greuel, Chefarzt des Zentrums für Altersmedizin am St. Marien-Hospital, ist alles gut, was kognitiv beeinträchtigte Menschen auf emotionale Weise anspricht und ihre Aufmerksamkeit erregt. Die jahreszeitliche Arbeit baue Brücken – ebenso wie der Einsatz von Musik, Tanz, Farben oder auch von Tieren. Aktivität bleibe erhalten, Wachheit werde erzeugt. „Es werden Bilder abgerufen, die wir alle mit uns herumtragen“, so der Geriater (64). Damit könne Leben nicht verlängern werden, „aber man gibt ihm einen Sinn und macht es schöner“.