Beschäftigte im Sozial- und Erziehungsdienst setzen Zeichen

Um mehr Wertschätzung für die Arbeit in sozialen Berufen einzufordern, rollte Verdi den roten Teppich für die Beschäftigten aus
Um mehr Wertschätzung für die Arbeit in sozialen Berufen einzufordern, rollte Verdi den roten Teppich für die Beschäftigten aus
Foto: Roland Oder
Was wir bereits wissen
250 Beschäftigte im Sozial- und Erziehungsdienst beteiligten sich an Warnstreik und Protestaktion am Forum. Verdi: Viele Eltern haben Verständnis.

Mülheim.. Am zweiten Warnstreik der Beschäftigten im Sozial- und Erziehungsdienst haben sich am Freitag in Mülheim rund 250 Arbeitnehmer beteiligt. Von den 39 städtischen Tageseinrichtungen waren 25 geschlossen, berichtet die Gewerkschaft Verdi, die im Rahmen der Eingruppierungstarifrunde zu einer Protestaktion auf dem Kurt-Schumacher-Platz aufgerufen hatte. Nach einem bunten Demonstrationszug vom DGB-Haus über die Leineweberstraße versammelten sich die Beschäftigten gegen zehn Uhr vor dem Forum.

Verdi-Gewerkschaftssekretärin Anna Conrads war mit der gestiegenen Streikbeteiligung zufrieden. „Die Kollegen haben gezeigt, dass sie statt warmer Worte Taten und verbindliche Regelungen für eine verbesserte Eingruppierung von der Arbeitgebern erwarten.“

Im Laufe der Veranstaltung erklärten Vertreter der einzelnen Berufsgruppen im Sozial- und Erziehungsbereich, warum sie eine bessere Bezahlung verdienen. Zudem schilderten sie Eindrücke aus ihrem Arbeitsalltag.

Weitere Verhandlungen mit den Arbeitgebern Anforderungen an Beschäftigte enorm gestiegen

Quer durch alle Berufsgruppen sei klar geworden, dass die Anforderungen in den letzten 15 Jahren enorm gestiegen seien, so Conrads. „Die Kinderpfleger und Erzieher, müssen häufig auffangen, was in den Familien nicht mehr geleistet werden kann.“ Gleichzeitig würde der Bildungs- und Förderungsauftrag für die Kleinsten immer größer es kämen immer mehr Dokumentationspflichten hinzu. „Kita-Leitungen sind zunehmend richtige ,Kita-Managerinnen’, die nicht nur das Tagesgeschäft koordinieren, sondern Events vorbereiten, als Vermittlerinnen zwischen Kulturen tätig werden, den Kontakt zu Fachämtern halten und auch in den Konflikt mit den gestiegenen Anforderungen der Eltern gehen,“ erklärt Beate Staudinger, Leiterin der Kita am Hans-Böckler-Platz.

„Wir sind Krisenmanager“, ergänzte eine Sozialarbeiterin. „Wir schützen das Kindeswohl in Familien, wir begleiten psychisch kranke Menschen und beraten Menschen in schlimmsten Lebenskrisen. Und diese wichtige Arbeit mit Menschen sollte der Gesellschaft mehr wert sein.“

Unterstützung hätten die Streikenden durch mehrere Elternvertreter gefunden, die auf der Kundgebung sprachen und sich solidarisch gezeigt hätten, so Conrads.

Rafael Krajewski, Vater einer dreijährigen Tochter, sagte dieser Zeitung: „Ich habe Verständnis für den Streik. So geht es auch vielen anderen Eltern in unserem Kindergarten, auch wenn sie jetzt mal einen Tag zuhause bleiben und sich selbst kümmern mussten.“ Für die Kinder seien die Erzieher Vertrauenspersonen in einer wichtigen Lebensphase, so Krajewski. „Viele Betreuer bekommen aber nur kurzfristige Arbeitsverträge und durch diese fehlende Kontinuität können sich die Kleinen dann kaum an sie gewöhnen.“