Bergische Malzkaffeefabrik Kotthaus und Bruchhaus

Auch zahlreiche Brauereien und Mälzereien gab es seinerzeit in der Stadt am Fluss. Die ehemalige Ibing-Brauerei von 1863 am Heuweg, in der bis zum Ende der 1960er Jahre Bier gebraut wurde, ist noch im Dornröschenschlaf versunken und wartet möglicherweise auf ihre Wiederbelebung.

Zwei Mälzereien, die Malzfabrik Gebr. Kellermann am Nachbarsweg in Saarn und die große alte Bergische Malzfabrik und Getreiderösterei am Hingberg, 1898 gebaut und in Betrieb genommen, seit 1919 unter dem Namen „Bergische Malzkaffeefabrik und Getreiderösterei Kotthaus und Bruchhaus“ bekannt, sind zu spektakulärem Wohn- und Geschäftsraum umgebaut worden In den 1990er Jahren kaufte ein Privatmann das Gebäude. Die Außenfassade wurde restauriert, im zweiten Weltkrieg zerstörte Elemente wieder aufgebaut. Ein Gutachten des Landschaftsverbands Rheinland ordnet das denkmalgeschützte Fabrikgebäude in den Burgenstil der Industriearchitektur ein.

Innen modern, außen historisch

„Wir haben den Turm betreten, und nach fünf Schritten war alles klar“, erinnert sich Holger Stein an den Tag, als er mit seiner Frau und seinen drei Kindern 2002 den wuchtigen Turm der ehemaligen Mälzerei am Hingberg erkundete. Es sei halt eine ganz andere Atmosphäre, nicht vergleichbar mit einem normalen Wohnhaus. Und die 800 m², auf fünf Etagen und zehn große Räume aufgeteilt, bieten ausreichend Platz für alle Familienmitglieder sowie für die Werkstätten des HiFi-Unternehmens „Stein Music“.

Natürlich hätten sie einiges an Arbeit und Zeit hineinstecken müssen, denn die oberen Etagen hätten sich quasi im Rohbau befunden. „Wir leben jetzt mitten in der Stadt und – abgesehen von den vorbeifahrenden Zügen, die uns aber nicht stören – sehr ruhig“, sagt Holger Stein zufrieden. Nur noch an wenigen Stellen – man kann sich noch durch eine Dachluke in den obersten Turmbereich quetschen – ist die historische Bausubstanz nicht zu sehen. Ein Aufzug erspart den Bewohnern das anstrengende Treppensteigen. Die riesige Terrasse zur Bahnstrecke hin erlaubt aber einen großzügigen Blick auf den Turm, in dem ursprünglich das Grünmalz „gedarrt“, also getrocknet wurde.

Der bis 1991 industriell genutzte Komplex dient heute einer Eigentümergemeinschaft als Wohn- und Arbeitsmittelpunkt. Auch hier ist offenbar eine gute Gemeinschaft entstanden, vielleicht liegt es ja am besonderen Ambiente: „Wir feiern im Sommer und Winter zusammen“, sagt Stein.

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