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Neues Wohnen

Baustelle Zukunft im Wohnpark

14.01.2008 | 18:56 Uhr

Am Witthausbusch wandelt sich das alte Kasernengelände endgültig zur Wohnadresse. Endspurt beim Eigenheimbau läuft. Das Finale liefert MWB mit Geschosswohnungsbau. Insgesamt werden 500 Wohneinheiten entstehen. Kritik an Dauerlärm und Parkplatzsituation.

Der Startschuss fiel an einem kühlen Märztag 1996. Zum Umbau der drei ausgedienten Mannschaftsquartiere auf dem Gelände der ehemaligen Wrexham Barracks traten drei Investoren an. Ihr anspruchsvolles Vorhaben: Für rund 20 Mio DM 123 öffentlich geförderte Wohnungen schaffen.  Die drei mächtigen Bauriegel standen am Anfang der Verwandlung der Militärbasis in den Wohnpark Witthausbusch. Aufbruchsstimmung herrschte am Kasernengelände, das zum Wohnort für junge Familien, für betuchte Senioren, für alternative Wohnprojekte werden sollte. Damals hatte das Gelände ringsum noch nicht viel zu bieten – außer zahlreichen Transporter-Garagen, Kfz-Halle, grüner Wiese und einem alten Casino. Ende 1991 hatten die britischen Streitkräfte den Abzugsbefehl erhalten, zum 30. Juni 1994 wurde der Union Jack endgültig eingeholt. Die Diskussionen über die Neunutzung lief da längst. Die Ideen reichten von Gewerbe (FDP) bis Wohnen (alle anderen Parteien). Die Stadt kaufte schließlich das Gelände mit der LEG. 16 Hektar für 15 Mio DM und malte die rosige Zukunft für die einst „verbotene Stadt”. Januar 2008: An der Zukunft wird immer noch gebaut. An der Westminsterstraße entstehen die letzten Reihenhäuser. Endspurtstimmung im gehobenen Wohn-Umfeld. Häuserreihen und gezirkelte Grünparzellen lösen zwischen Steinknappen und Witthausbusch einander ab. Fenster sind nett dekoriert, Bäumchen beschnitten, Gartenhäuschen und Grills positioniert. Viel Spielzeug zwischen Carports und Terrassen signalisiert: Hier sind junge Familien eingezogen. Die Oxforder Straße säumen Miet-Bauten, aufgelockert durch Spielflächen und viel Parkgrün. Vergessen scheinen die Zeiten, als es in Holthausen knirschte. Die ersten Zuzügler in manchen Sozialwohnungen schienen aus Sicht der Nachbarn nicht ins geordnete Gefüge zu passen. Die AWO reagierte erfolgreich mit ihrem Betreuungs-Angebot im Alten Wachhaus. Andere Projekte blieben auf der Strecke. Der kurzfristig einmal geplante Beginenhof, ein Lebensmittelmarkt, die Ateliers. Immerhin: In den Kfz-Hallen entstanden beachtliche Lofts in einem gemeinsamen Bauprojekt. Und auch die Senioren erfüllten sich mit der Gagfah ihre speziellen Wohnformen. Bürgerinitiative begleitete die Bauphasen, verfolgte kritisch das Fällen der Pappel-Alleen, verhinderte das Verfüllen der alten Schießgrube, machte Druck beim Wege-Ausbau. Mancher Frust ist noch nicht verflogen. Auch, weil sich die Bauzeit länger als gedacht zieht. „Wir wohnen jetzt sechs Jahre hier und hatten jeden Tag Baulärm”, sagt Birgit Stevens. Sie lebt an der Westminsterstraße 12 – gegenüber rollen die Bagger. Was sie ebenfalls ärgert: „Bei der Planung wurde damit gerechnet, dass jeder Haushalt nur ein Auto hat. Es hat aber fast jeder zwei. Das bringt nur Chaos hier.” Fehlende Parkflächen an den Häusern – sie sind ein Dauerthema. Aber die Verknappung hat System. Ursprünglich einmal sollte der Wohnpark sogar autofrei bleiben. „Für Kinder ist das hier ideal. Ruhig, direkt am Wald, toll. Ich kann nicht klagen”, sagt Johanna Pütz-Hellweg. Ihr neues Heim liegt nicht in der ersten Reihe. „Das schützt natürlich vor dem Schall.”  Nord- und Südriegel des alten Exerzierplatzes, 3236 m2 und 1864 m2 groß, sind noch die einzigen unbebauten Flächen. Im Juni 2007 fasste der Rat der Stadt den Beschluss, das Grundstück an den Mülheimer Wohnungsbau MWB zu veräußern. Die Unterschrift unter die Verträge steht noch aus. Aber die Willenserklärung steht: MWB wird das Finale im Wohnpark mit dreieinhalbgeschossigen Gebäuden fürs Generationenwohnen geben.  „Das ist das, was wir uns wünschen und umgesetzt sehen wollen”, sagt Klaus Beisiegel. Der Referent der Baudezernentin war lange Jahre so etwas wie der Sorgenonkel im Wohnpark. Eingesetzt von der Verwaltung, um Stress abzufedern, Anregungen aufzunehmen und vor allem für einen möglichst reibungslosen Bauablauf zu sorgen. Seine Besuche in der einstigen Problemzone sind selten geworden. Ein gutes Zeichen.

Jörn Stender

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