Das aktuelle Wetter Mülheim 16°C
Tiere

Balto lernt für die Schule

24.01.2015 | 12:00 Uhr
Balto lernt für die Schule
Wenn es gut läuft belohnt Maike Albrecht (r.) die Lieben: Balto (l.) u. Chika.Foto: Höltgen

Mülheim.  Hundetrainerin Maike Albrecht bildet in ihrer Hundeschule „Rübennasen“ Vierbeiner für Unterrichtsbesuche in Schulen aus. Dank ihrer Hilfe hat Natalie Lippert mit ihrem Mischling die ersten Schulstunden gut geschafft.

Balto hat gerade seine ersten Schulstunden hinter sich. Aufgeregt hat sich der Mischling seinen Platz im Klassenraum einer Duisburger Gesamtschule gesucht, in der Frauchen Natalie Lippert Deutsch unterrichtet. 25 Schüler schauten neugierig zu Balto, streichelten ihn oder beäugten ihn auch erst einmal aus der Distanz. „Die Zurückhaltung war aber nach zehn Minuten vorbei. Dann wollten ihn alle mal streicheln. Das war schon viel für ihn“, sagt Natalie Lippert. Aber Balto hatte zur Unterstützung eine erfahrene Kollegin an seiner Seite: Chika, die spanische Mischlingshündin von Hundetrainerin Maike Albrecht. Sie betreibt die Hundeschule „Rübennasen“ für Schulhunde und hilft Natalie Lippert dabei, Balto in den Unterricht einzuführen. Chika ist ein alter Hase und geht bereits seit Jahren mit in die Schule. 13 Stunden in der Woche begleitet sie Biologielehrerin Maike Albrecht ins Rhein-Maas-Berufkolleg in Kempen.

Albrecht unterrichtet dort Schüler, die 16 bis 19 Jahre alt sind, „die ihren Abschluss nicht geschafft haben, die schwieriger und auch durchaus laut sind“, erzählt sie. Durch den Hund fand sie einen Zugang zu den Schülern, die durch Chika zum Beispiel lernen, „Rücksicht zu nehmen. Wenn jemand zu laut ist und Chika sich erschreckt, ermahnen die anderen Schüler zu mehr Ruhe“, nennt Maike Albrecht nur ein Beispiel, wie sich das Sozialverhalten durch einen Hund im Unterricht ändert.

Infos
Ausbildung muss sein

Der Besuchshundedienst in Schulen, Behinderten- und Senioreneinrichtungen wird immer beliebter. Der Arbeiter-Samariter-Bund Ruhr mit Sitz in Essen bildet beispielsweise seit mehreren Jahren Hund und Herrchen bzw. Frauchen aus. Denn bevor die Vierbeiner in die Klassen oder Altenheime gehen dürfen, müssen sie geschult werden. Der ASB Ruhr hat mittlerweile eine 30-köpfige, bzw. natürlich 60-köpfige Gruppe, die im Einsatz ist.

„Es gibt in der Regel drei Kurse über jeweils drei Tage im Jahr“, sagt Maike Albrecht. Etwa 15 Hundebesitzer lassen sich jährlich ausbilden. Wichtig sei es, erst einmal zu schauen, ob sich der Hund eignet. „Er muss motiviert sein, Menschen mögen“, sagt Maike Albrecht.

Neben dem offiziellen Kurs, den alle Schulhunde durchlaufen müssen, bereitet die Hundetrainerin im Einzelunterricht gezielt auf den Klassenbesuch vor. Denn es sei eben noch einmal etwas anderes, ob Hunde in eine Schulklasse gehen, in der es laut ist und sie nicht ständig im Mittelpunkt stehen, sondern Ruhe ausstrahlen. Oder ob sie ein Seniorenheim besuchen, in dem die Bedürfnisse andere sind. Viele Bewohner wollen die Vierbeiner streicheln, erinnern sich dann an ihre Vergangenheit, an ihre eigenen Tiere und freuen sich, wenn sie die Hunde spielen sehen.

Weitere Infos zur Hundeschule „Rübennasen“ gibt es im Internet unter www.schulhunde.com oder unter Tel. 0208-30 40 113. Ansprechpartnerin beim Arbeiter-Samariter-Bund für den Freiwilligendienst „Besuchshunde“ ist Isabella Wewer, tel. 0201 / 87 00 11

"Am Anfang ist es etwas Neues"

Darauf setzt auch Natalie Lippert. Sie hat viele Ideen, wie sie Balto in einer Inklusionsklasse einsetzen kann. „Ein Mädchen traut sich beispielsweise nicht, vorzulesen. Also soll sie Balto vorlesen. Das nimmt die Scheu.“ Die Sorge, dass Hunde im Unterricht vielleicht ablenken könnten, kann Maike Albrecht aus Erfahrung nehmen. „Am Anfang ist es etwas Neues. Das ist klar. Aber das legt sich schnell. „Es dauert maximal eine Stunde, bis alle Schüler sagen, Sie können sie ableinen.“ Die Schüler legen Chika schon immer die Decke zurecht, stellen ihr Wasser hin. Und wenn sie da ist, dann wird sie begrüßt und dann ist gut“, erzählt Maike Albrecht, die mit Tieren aus dem Tierschutz aufgewachsen ist und einige Erfahrung auch im Umgang mit sogenannten „schwierigen“ Hunden hat.

Natalie Lippert hatte schon im Studium die Idee, Hunde in den Unterricht zu integrieren. Die Schulleitung unterstützt sie dabei. In NRW können die Schulen selbst entscheiden, ob sie Schulhunde zulassen oder nicht. Doch ohne die Hilfe von Trainerin Maike Albrecht würde sich Natalie Lippert „unsicher“ fühlen. „Das Gute ist auch, dass Maike weiß, was im Unterricht erforderlich ist. Das kann nicht jeder Hundetrainer, weil er einfach die Situation in der Klasse nicht kennt.“ Manchmal sind es ganz einfache Dinge, die zu beachten sind. Wie die Farbe der Leine. „Eine schwarze Leine wird auf dem Gang übersehen, wenn die Schüler in die Pause stürmen. Dann wird sie zur Stolperfalle. Deshalb hat Chika eine knall-orange“, sagt Maike Albrecht. Wichtig ist auch, dass die Hundebesitzer lernen, auf die Zeichen ihrer Vierbeiner zu hören. Einige Hunde ziehen sich zurück, wenn es ihnen zuviel wird, andere hecheln immer stärker. „Ich muss ein Gespür dafür haben, wann ich Balto überfordern würde und dann wissen, wie ich ihn unterstützen kann“, sagt Natalie Lippert. Mit Maike Albrechts Hilfe lernt sie es.

Baltos Premiere lief so gut, dass sich sein Stundenplan schnell füllen wird.

Rosali Kurtzbach

Kommentare
Funktionen
Fotos und Videos
Mülheim gestern und heute II
Bildgalerie
Zeitsprung
European Darts Trophy
Bildgalerie
Darts
3. Saarner Oldtimer Cup
Bildgalerie
Porsche, Mercedes und Co.
In der Ruhrtalbrücke
Bildgalerie
WAZ öffnet Pforten
article
10268125
Balto lernt für die Schule
Balto lernt für die Schule
$description$
http://www.derwesten.de/staedte/muelheim/balto-lernt-fuer-die-schule-id10268125.html
2015-01-24 12:00
Mülheim, Tiere, Balto, Hund, Schule,
Mülheim