Auswege aus dem Streik

Wenn heute die Eisenbahner-Gewerkschaft die Muskeln spielen lässt und den Bahnverkehr stilllegt, stellt sich für Pendler wieder die große Frage: Wie komme ich pünktlich zu meinem Arbeitsplatz oder meiner Lehrveranstaltung? Pendler gibt es in der Stadt mehr als man denkt: Es sind knapp 40 000, die täglich die Stadt verlassen und sogar noch einige mehr, die in die Stadt einpendeln, um hier zu arbeiten oder zu lernen. Mit der Straßenbahn, etwa der U 18 aus Essen, das ist für diejenigen aus der Nachbarstadt die einfachste Lösung; bei dem herrlichen Sonnenschein wäre auch das Metropolrad eine gute Wahl - durch einen Streik im Nahverkehr haben vor einigen Jahren auch die Pariser das Rad entdeckt. Man kann auch online ins Pendlerportal schauen oder das noch recht neue Carsharing nutzen. Was seit Jahren in anderen Städten längst funktioniert, ist in der Autostadt Mülheim leider noch ein Geheimtipp. Sicher, es gab jahrelang Public Car - das funktionierte als Insellösung, wurde von der Verwaltung genutzt, kam aber nie richtig in Schwung.

Seit vergangenem September bietet die Pia-Stiftung gemeinsam mit der MVG und in Kooperation mit den Profis von Stadtmobil ein Carsharing an. Im Einsatz sind seitdem vier verschiedene Autotypen an drei Standorten. Im Herbst wurde dafür zwei Wochen lang im Forum kräftig die Werbetrommel gerührt, seitdem läuft es eher verhalten. Noch beschränkt sich die Werbung weitgehend auf die Kundencentren der MVG. Doch demnächst wollen die Pia-Mitarbeiter aktiv Werbung machen, wie Benjamin Triestram ankündigt. Die Zielgruppe sind all jene, die temporär ein Auto benötigen. Das sagt man inzwischen der jungen Generation insgesamt nach, für die das eigene Auto nicht mehr denselben Stellenwert wie bei den heute 40- und 50-Jährigen hat. Das weiß auch Triestram, der selbst erst 30 Jahre alt ist. Gezielt angesprochen werden sollen Unternehmen, die Hochschule, die Stadtverwaltung und auch Hotels. Das Best-Western ist der direkte Nachbar. Mit dem Max-Planck-Institut für Energiekonversion hat die Pia bereits eine Mobilitätsbefragung gemacht, ist dort für Ideen des Verkehrsverbundes, zu dem auch das Metropolrad gehört, auf offene Ohren gestoßen. Jetzt muss nach den Ankündigungen nur noch durchgestartet werden. An der Kluse steht bereits ein Toyota-Hybrid-Wagen.

Am Nordausgang am Bahnhof stehen zudem ein Kangoo als Familienfahrzeug oder Kleinlaster und ein Toyota Aygo, der bei den Fahrern bislang am beliebtesten ist. Aber für Triestram rollt der Kangoo überraschend gut. „Das war das Steckenpferd von Frank Schellberg“, sagt er. Der Pia-Chef hatte den richtigen Riecher.

Für Abo-Kunden der Bahn ist das Carsharing besonders attraktiv. In den beiden Tarifmodellen fahren sie günstiger. Zudem wird die Plastikkarte auch ganz wörtlich zum Türöffner. Hinter der Windschutzscheibe der Mietwagen verbirgt sich ein Kartenlesegerät. Führt man die Chipkarte darüber, öffnet sich das Auto. Bezahlt wird nach ausgeliehener Zeit und Kilometerleistung. Beim Einsteigertarif sind das bei kürzeren Strecken 26 Cent pro Kilometer und 50 Cent pro Stunde. Ein Großeinkauf (12 Kilometer) kostet rund 13 Euro, ein Machmittag im Grünen (30 Kilometer) 20 Euro und ein Wochenende in Holland 90 Euro. Für diejenigen, die selten fahren (unter 10.000 Kilometer), rechnet sich das. Wer Mitglied ist, kann sein Auto zwar nicht bundesweit abgeben, aber bundesweit mieten. Infos im Netz unter stadtmobil.de