Ausstellung „China 8“ bringt Menschen nach Mülheim

Im Kunstmuseum ist ab Donnerstag die Ausstellung "China 8 - Zeitgenössische Kunst aus China an Rhein und Ruhr" zu sehen.
Im Kunstmuseum ist ab Donnerstag die Ausstellung "China 8 - Zeitgenössische Kunst aus China an Rhein und Ruhr" zu sehen.
Foto: Michael Dahlke
Was wir bereits wissen
Das Mülheimer Kunstmuseum zeigt bei der Ausstellung „China 8“ Installationen und Skulpturenvon sechs chinesischen Künstlern.

Mülheim.. Die Acht bedeutet in China eine Glückszahl. Für die kommende Ausstellung „China 8“ an Rhein und Ruhr mag es Symbol und Fingerzeig zugleich sein: In acht Städten und neun Museen wurde mit insgesamt 500 Werken von 120 Künstlern eine Brücke nach Ostasien geschlagen. „Es ist die größte Bestandsaufnahme zeitgenössischer chinesischer Kunst“, sagt Museumsleiterin Dr. Beate Reese. Von Düsseldorf bis Marl verteilen sich die verschiedenen Kunstsparten und geben Einblick in das Schaffen der chinesischen Gegenwartskunst. Das Mülheimer Kunstmuseum setzt dabei auf den Schwerpunkt Installation und Skulptur.

Diese chinesische Schau der Superlative wird veranstaltet von der Bonner Stiftung für Kunst und Kultur und getragen von einer großen Gemeinschaft von Partnern wie der Funke-Gruppe und Sponsoren wie der Brost Stiftung und Evonik. Es ist absehbar, dass dieses Glanzlicht Zeichen setzen und Menschen von überall her in die Region bringen wird – und damit auch nach Mülheim. Die deutsche Bahn bringt eine besondere S-Bahn mit Logo auf die Schiene, es gibt Bus-Shuttles, die am Wochenende beginnen.

Überregionale Aufmerksamkeit bis Mitte September

Mit der gut zweijährigen Vorbereitung der China 8-Ausstellung nach einer Idee des Leiters des Duisburger Museums Küppersmühle, Prof. Dr. Walter Smerling, waren ein Kuratorenteam, ein künstlerischer Beirat und die Direktoren der neun beteiligten Museen beschäftigt. Nach Gemeinschaftsprojekten stellt sich die Tragfähigkeit des Netzwerkes aus Ruhr-Kunst-Museen, darunter auch das Mülheimer Haus, mit dieser Mega-Ausstellung erneut unter Beweis. Dass diese Präsentation von Mitte Mai bis Mitte September für überregionale Aufmerksamkeit sorgen wird, zeigt bereits das große Interesse der Medien im Vorfeld.

Die Gegenwartskunst aus China ist angesagt und ein zunehmender Markt für Sammler- und Liebhaberstücke. Nun ist China nicht erst seit dem Skandal um den Konzeptkünstler Ai Weiwei dafür bekannt, dass die Volksrepublik mit regierungskritischen Künstlern keineswegs zimperlich verfährt. Ob man nun das Image aufpolieren wollte, sei mal dahingestellt. Jedenfalls sei bei der Ausstellung von Zensur nichts spürbar gewesen, erläutert Museumsleiterin Dr. Beate Reese: „Alle Kunstwerke, die von dem Kuratorenteam ausgesucht wurden, konnten ausreisen.“

Das galt wohl auch für die Kreativen, die nach dem Konzept ausgewählt wurden, „bekannte Künstler und etablierte Positionen mit weniger bekannten zusammenzubringen“, so Reese. Einige der sechs in Mülheim ausstellenden Künstler waren mit Assistenten und Übersetzern länger vor Ort, um ihre Installationen und Skulpturen aufzubauen.

Kritischer Spiegel der chinesischen Gesellschaft

Ihre Arbeiten sind als ein kritischer Spiegel der chinesischen Gesellschaft zu sehen. Wenn die Ausstellung im Foyer mit einer gemütlichen alten Telefonschalt-Anlage der Marke Siemens in Kombination als Wohnschrank als ein Fingerzeig auf den Konsumgüterwahn Ost-West und umgekehrt beginnt, so geht es im Obergeschoss martialisch und terrormäßig zur Sache.

Ein Höhepunkt ist die 16 Meter lange Tunnel-Inszenierung von Zhou Xiaohu: Ein begehbarer Beklemmungsschlauch, in die Besucher durch die Kriegs-, Terror- und Krisenherde dieser Welt geschleust werden, und per Telefon mit den Machthabern in Dialog treten können: nichts für schwache Nerven.

Direkt, aber mit reichlich Ästhetik versehen, sind die Arbeiten wie die von Li Wei: Der Händler, der sich nach Protesten erhängte, die Bondage-Kunst von Xu Zehn, die für Folter, Ekstase und Kontrollverlust steht, oder die eindrucksvolle Installation aus Arbeitsgeräten von Yuan Gong als Hinweis auf die Situation der Bauern, denen nach einem Erdbeben die Lebensgrundlage entzogen wurde: Allesamt Modelle der Irritation, wie es der Titel der Ausstellung verspricht.