Aussprache durchleuchtet

Jetzt ist es amtlich. Wilhelm Conrad Röntgen wird mit Wirkung vom 1. April 2015 posthum in Wilhelm Conrad Rönchen umbenannt. Das gab die Kultusministerkonferenz gestern in Berlin bekannt. Der Erfinder der Durchleuchtung mittels Röntgenstrahlen hatte mit der Verbform seines Namens immense sprachliche Probleme bei Einheimischen wie Migranten hervorgerufen. Viele Deutschsprachprüfungen von Zuwanderern drohten ständig zu scheitern, weil selbst die gutwilligsten Kandidaten nicht in der Lage waren, „ich bin geröntgt worden“ einwandfrei auszusprechen. Auch Deutschstämmigen bereitet die schnelle Abfolge von t-g-t (die Deutsch sprechende Zunge muss hier anders als bei unseren Schweizer Nachbarn in Millisekunden von den Zähnen zum Gaumen und wieder zurück) in der Regel dermaßen starke Artikulationsschwierigkeiten, dass sie - je nach Dialektgebiet - den Infinitiv des Verbs „röntgen“ fälschlicherweise wie „rönchen“, „rönschen, röntschen“ oder gar „renchen“ aussprechen. In südlicheren Landesteilen haben es sich die meisten zur Regel gemacht, das Wort gänzlich zu meiden, und reden stattdessen von „durchleuchten“.

Die Familie des großen Wissenschaftlers war in den letzten Tagen schonend auf die Änderung der Schreibweise ihres Namens vorbereitet worden. Rückwirkend soll es aber lediglich die wissenschaftlichen Veröffentlichungen betreffen, teilte uns das Konrad-Rönchen-Institut in Berlin mit. Der Bund der niedergelassenen Kieferorthopäden begrüßte die Entscheidung als einen Schritt in die richtige Richtung. Die Gesellschaft für die Reinerhaltung der deutschen Sprache kündigt allerdings Protest an. Wie ihr Vorsitzender Alexis Papadopoulos verlauten ließ, könnten wir doch von Glück sagen, dass der Entdecker der Strahlen nicht Biolek, Mops, Pispers, Gründgens, Lackmeier oder Schwänger hieß. Einen Hinweis auf seinen eigenen Namen vermied er dabei wohlweislich.