Ausflugsfahrt auf der „Ruhrperle“

Mülheimer Bürger luden die Flüchtlinge zu einer Bootsfahrt auf der „Ruhrperle" ein.
Mülheimer Bürger luden die Flüchtlinge zu einer Bootsfahrt auf der „Ruhrperle" ein.
Foto: FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
170 Flüchtlinge genießen auf Einladung des Vereins „Willkommen in Mülheim“ eine Bootstour auf der Ruhr. An Bord wird gesungen, getanzt und gelacht

Mülheim.. Diesmal sitzen sie alle in einem Boot: alteingesessene Mülheimer und solche, die erst vor kurzem in der Stadt angekommen sind – Flüchtlinge. 170 Menschen aus wenigstens drei Kontinenten genießen auf der Ruhr die hervorbrechende Samstagmittagssonne. Die Stimmung an Deck der „Ruhrperle“ ist bei Kuchen, Kinderschminken und kurdischen Klängen locker.

Nachfrage war sehr groß

Einmal rauf nach Duisburg und wieder zurück geht’s an diesem Tag – für die allermeisten Flüchtlinge an Bord ist das vergleichsweise ein Katzensprung. Abdo Khdeir ist vor fünf Jahren mit seiner Familie aus dem Irak nach Deutschland gekommen. Die meiste Strecke zu Fuß über die Türkei und Griechenland, dann per Boot nach Italien. „Ich bin kein Muslim. Es war für mich und meine Familie deshalb immer gefährlicher, in meiner Heimat zu leben“, erzählt Khdeir. Deutschland war das Ziel, denn hier lebten schon Verwandte.

Keine bösen Erinnerungen

Die Vorstellung, wieder mit dem Boot unterwegs zu sein, ruft bei ihm aber keine böse Erinnerungen wach – mit seiner Frau und vier Kindern hat er sich gut eingelebt, „wir freuen uns auf die Fahrt mit dem Schiff“.

Die Idee für den Trip zu Wasser hatte der Verein „Willkommen in Mülheim“ (WIM). Sprecher Reinhard Jehles macht aber deutlich, dass man sich des Symbolcharakters einer solchen Fahrt und des sensiblen Themas von Beginn an bewusst war: „Wir haben überlegt, ob dies für Flüchtlinge traumatisierend sein kann, und haben im Vorfeld darüber mit ihnen gesprochen. Am Ende aber hätten wir locker drei Schiffe mieten können, so groß war die Nachfrage.“

Und so groß zeigte sich ebenfalls die Hilfsbereitschaft nicht nur der gut 60 ehrenamtlichen Mitarbeiter von WIM, sondern vieler Mülheimer Einzelhändler. Das Café „Mölmsche Leckereien“ stellte Kaffee und Kuchen, die Herzog Quelle die Getränke. „Verschiedene Lebensmittelhändler haben uns Obstsalat gebracht, WIM stehen wirklich alle Türen in der Stadt offen“, erzählt Jehles mit spürbarer Rührung über die Unterstützung.

Möglich war die Bootsfahrt vor allem aber aufgrund einer Spende der Marinekameradschaft und der Eventagentur Solution5, die die „Ruhrperle“ günstig zur Verfügung stellten. „Wir wollen damit ein weiteres Stück Willkommenskultur schaffen“, sagt Jehles. Eine bunt gemischte Gruppe sitzt an Deck beisammen, bringt sich gegenseitig Kuchen, hört dem Saarner Musiker Suppi Huhn und den Kinderkönigen zu, und klatscht zur Darbietung der kurdischen Tanzgruppe „Koma Botan“. An Bord ist die Willkommensgeste angekommen.

WIM wird bald ein Jahr alt

Im Juli 2014 hat sich der Verein „Willkommen in Mülheim“ (WIM) gegründet. Vorausgegangen war ein Aufruf zur Unterstützung einer Flüchtlingsfamilie auf Facebook. Inzwischen organisiert WIM ein Warenhaus für Flüchtlinge, Hilfstransporte in Krisenländer sowie Kulturveranstaltungen. Im März 2015 etwa hatte der Verein zur Theateraufführung „Der kleine Prinz“ in den Ringlokschuppen eingeladen.

Engagiert im Verein sind auch Flüchtlinge selbst. „Es ist wichtig, dass sie sich selbst helfen können“, meint Reinhard Jehles. Allein schon, um eine sinvolle Aufgabe zu haben, denn Asylsuchende und Geduldete dürfen in Deutschland in den ersten drei Monaten nicht arbeiten.